Dürfen Bremer Drogerien Cannabis-Öl verkaufen?

Lebensmittel mit Cannabidiol sind in Deutschland umstritten. Drogeriemärkte bieten sie dennoch an. Ist das erlaubt?

Ein Fläschchen mit Hanföl, neben einer Hanfpflanze.
Cannabis-Öl, auch CBD-Öl, hat keine berauschende Wirkung. Bild: Imago | Panthermedia

Ob Algenöl, Noni-Frucht oder Chia-Samen – im Supermarkt stehen Jahr für Jahr neue Lebensmittel, die wir in Deutschland bisher nicht kannten. Verkauft werden sie mit Labeln wie: "Trendprodukt", "Ernährungsrevolution" oder "Superfood". Angesprochen werden damit vor allem gesundheitsbewusste Menschen, die auf ihre Ernährung achten. Auch Cannabidiol (CBD) werden gesundheitsfördernde Eigenschaften nachgesagt. CBD wird aus der Hanf-Pflanze gewonnen. Hersteller werben mit Schlagworten wie "Zellerneuerung", "positive Auswirkung" und "entzündungshemmende Wirkung". Doch die Wirkungen von Cannabidiol sind umstritten. Verbraucherschützer schlagen Alarm. Es sei sehr fragwürdig, was Cannabidiol im menschlichen Körper bewirke und ob die Hersteller ihre Versprechen halten könnten.

Da kann ja viel stehen zu der Wirkung, aber die muss auch erst einmal nachgewiesen werden. Das haben die Hersteller bislang nicht getan.

Gertraud Huisinga
Gertraud Huisinga von der Verbraucherzentrale Bremen

Verkauft wird Cannabidiol als Nahrungsergänzungsmittel unter anderem in Form von Öl. In Bremen bei den Drogeriemarkt-Ketten DM und Rossmann. Doch laut Bundesamt für Verbraucherschutz sind Lebensmittel mit CBD in Deutschland gar nicht zugelassen.

Dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit ist derzeit keine Fallgestaltung bekannt, wonach Cannabidiol (CBD) in Lebensmitteln, also auch in Nahrungsergänzungsmitteln, verkehrsfähig wäre.

Andreas Tief, Pressesprecher des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit

Begründung: Cannabidiol sei ein neuartiges Lebensmittel. Diese müssen laut einer EU-Verordnung geprüft und zugelassen werden. Erst dann dürfen sie auf den Markt kommen. Ausnahmen gelten nur für Lebensmittel, die vor dem Inkrafttreten der Verordnung 1997 in der EU bereits konsumiert wurden.

Auf genau diese Ausnahme beruft sich der Drogeriemarkt DM, der in Bremen CBD-Öl verkauft. Laut Sebastian Bayer, Geschäftsführer für Marketing und Beschaffung, ist das Geschäft daher legal. Das Unternehmen überprüfe aber die "juristische Entwicklung" und sei mit seinen Industriepartnern über die "rechtliche Einordnung" im Gespräch. 

Bis zur Klärung des Sachverhalts sind die Produkte in unseren DM-Märkten und in unserem Onlineshop weiterhin verfügbar.

Sebastian Bayer, DM-Geschäftsführer für Marketing und Beschaffung

Behörden prüfen CBD-Öl

Rossmann will keine Fragen zum Verkauf beantworten. Für die amtliche Lebensmittelüberwachung bei Rossmann ist der Fachdienst Verbraucherschutz und Veterinärwesen der Region Hannover zuständig. Auf die Frage, ob der Verkauf des Öls legal ist, antwortet Pressesprecherin Sonja Wendt: "Wir sind mit dem Thema CBD-Öl vertraut und überwachen laufend alte wie neue Produkte, die auf dem Markt kommen." Man untersuche die zum Verkauf stehenden Produkte nach und nach. Ob das CBD-Öl im Handel stehen darf, würde gerade geprüft, so Wendt. Eine abschließende Bewertung einzelner Produkte könne man derzeit noch nicht geben.

Tobias Eicke ist Rechtsanwalt für Lebensmittelrecht in Bremen. Er sagt: "Die Behörden können nach einer Prüfung ein Verbot gegen ein solches Produkt aussprechen.“ Mögliche Gründe dafür seien: Gesundheitliche Bedenken oder wenn das Produkt als neuartiges Lebensmittel ohne Zulassung bewertet wird.

Hype um CBD

Diese Überprüfungen durch die Lebensmittelüberwachung erfolgt in Deutschland nur stichprobenartigFür Gertraud Huisinga von der Verbraucherzentrale Bremen ist das nicht ausreichend. Es werde zu wenig kontrolliert. Eine Einschätzung, die auch Gerd Glaeske teilt. Er ist Apotheker und Gesundheitswissenschaftler an der Universität Bremen. Glaeske sieht die Verbraucher gefährdet und fordert strengere Kontrolle. Er glaubt, Unternehmen spielen auf Zeit: Solange ein Produkt nicht verboten ist, kann es weiter verkauft werden und es wird Profit gemacht.

Nahrungsergänzungsmittel mit CBD sind ein Geschäft mit der Hoffnung.

Gerd Glaeske
Gerd Glaeske, Apotheker und Gesundheitswissenschaftler

Doch die Verbraucher sollten nur von Arzneimitteln Wirkungen erwarten, nicht aber von einem Nahrungsergänzungsmittel, so Glaeske.

Offenbar funktioniert das Geschäftsmodell: Der Markt für Nahrungsergänzungsmittel, wie Cannabidiol, wächst. Nach Angaben des Bunds für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde lag der Gesamtumsatz 2018 bei 1,44 Milliarden Euro. 41 Prozent dieser Nahrungsergänzungsmittel werden in Drogeriemärkten verkauft. Zahlen zum Umsatz mit Cannabidiol in Deutschland gibt es keine. Doch der Hype scheint aus den USA nach Europa zu kommen: In Österreich soll es laut des ORF bereits 250 CBD-Shops geben.

  • Sebastian Heidelberger

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 28. März 2019, 23:30 Uhr