Wie Kreative das Bundeswehrhochhaus in der Falkenstraße aufmischen

Startups, Künstler, Computerfreaks: Gemeinsam bilden sie den "Creative-Hub" und rocken bis Dezember das Bundeswehrhochhaus. Sie haben zum Tag der offenen Tür geladen.

Junger Mann mit dunklen Haaren hält Kaffeetasse vor professioneller Kaffeemaschine
Freut sich auf das rege Miteinander im Creative-Hub-Bremen: Mustafa Ibrahim, Mitarbeiter im Kulturcafé Gusour.

Geigenklänge dringen durch verschlossene Türen, immer wieder unterbrochen durch energische Taktschläge und Gemurmel. Klarer Fall: Hier wird intensiv geprobt. Unterdessen wirbeln junge Männer und Frauen durchs Treppenhaus, tragen Möbelstücke umher, schmücken Wände oder putzen Seminarräume. Es ist offensichtlich: Der gesamte Creative-Hub-Bremen in der Falkenstraße 45 möchte zur Eröffnung ein gutes Bild abgeben.

Das Bundeswehrhochhaus in Bremen
60 Meter hoch, über 50 Jahre alt: Das Bundeswehrhochhaus war lange Sitz des Kreiswehrersatzamtes und später auch Flüchtlingsherberge.

Der Creative-Hub – das ist so etwas wie ein "Ideenzentrum" für Existenzgründer und kreative Akteure, erläutert Marc Fucke. Fucke ist Mitgründer des gemeinnützigen Unternehmens "Visionskultur". Gemeinsam mit seinem Kompagnon Hachem Gharbi hat er sich das Konzept ausgedacht. "Wir wollen hier niederschwellig Projekte zusammenbringen, die noch nicht so weit sind, dass sie langfristig planen und teure Mieten zahlen können. Und dann wollen wir diesen Projekten ein bisschen auf die Sprünge helfen", erklärt er die Idee.

Eine Idee, die nicht zuletzt bei der Gewoba auf wahre Begeisterung gestoßen ist. Die Wohnungsbau-Gesellschaft, der das Bundeswehrhochhaus gehört, hat der "Visionskultur" den Zuschlag für die mietfreie Nutzung der sieben unteren Etagen des Hochhauses gegeben. Bis zum 15. Dezember. Dann, so der Plan, sollen nach dem Entwurf des Züricher Architekturbüros EM2N Wohnungen auf dem Gelände entstehen.

75 kreative und kulturelle Projekte unter einem Dach

Bis es aber so weit ist, liegt das Hochhaus, das zuletzt als Unterkunft für Geflüchtete diente, fest in kreativen Händen. Etwa 75 kreative und kulturelle Projekte sowie Startups konnten Fucke und seine Mitstreiter unter dem Dach vereinen. Dort sollen sich die Akteure nicht nur untereinander vernetzen, sondern auch Kontakte zu Hochschulen und Institutionen der Bremischen Wirtschafts-, Kultur-, und Sozialförderung knüpfen. Schon jetzt zählen neben der Gewoba etwa das Starthaus Bremen, die Hochschule Bremen und die Landesmedienanstalt zu den Kooperationspartnern des Creative-Hubs.

Dunkelhaariger Mann, Anfang 30, telefoniert mit Handy in einem Flur
Gründer der "Visionskultur" und des Creative-Hub-Bremen: Marc Fucke.

Doch nicht nur in Fragen der Netzwerkarbeit liegt der besondere Clou des Konzepts im Miteinander der Mitglieder: Wer dazugehören und damit nahezu kostenlos für ein Jahr im Bundeswehrhochhaus an der Falkenstraße residieren möchte, der muss im Gegenzug etwas für die Gemeinschaft tun. "Wir haben zum Beispiel einen Gitarrenbauer, der anderen im Haus kostenlos das Gitarrespielen beibringt", sagt Fucke.

Ein Programmierer vermittele Mitgliedern des Hubs – ebenfalls umsonst – Grundlagen der Website-Gestaltung. Und das Kulturcafé Gusour im Erdgeschoss übernehme bei Veranstaltungen im Haus das Catering. "Alle 75 Projekte im Haus bringen sich in die Gemeinschaft ein", fasst Fucke sichtlich zufrieden zusammen.

Tatsächlich scheint der konzeptionell verankerte Teamgeist schon jetzt erste Früchte zu tragen. "Unglaublich, wie schnell ich die Leute in diesem Haus kennengelernt haben", sagt etwa Mustafa Ibrahim, Mitarbeiter des Kulturcafés Gusour. Er freue sich auf den Tag der offenen Tür, wie auf das gesamte Jahr im Bundeswehrhochhaus.

Rothaarige Frau arbeitet an einer Nähmaschine
Eine von vielen Kreativen im Bundeswehrhochhaus an der Falkenstraße: Lydia Brandhorst-Rosler.

Auch Lydia Brandhorst-Rosler zeigt sich vom Auftakt des Creative-Hub-Bremen begeistert. Sie unterhält dort ein offenes Atelier, produziert textile Werkstoffe wie Buchhüllen, Lesezeichen oder auch T-Shirts. Quasi nebenbei passt sie auf ihre kleine Tochter auf. "All das zusammen geht in einer kleinen Wohnung kaum", sagt sie. Es sei ein tolles Gefühl, in einer separaten Werkstatt zu arbeiten. "Das ist ideal für mich, um mir etwas aufzubauen", sagt Brandhorst-Rosler.

Ich schaffe hier total viel. Wir motivieren uns hier im Haus gegenseitig.

Lydia Brandhorst-Rosler, Mitglied im Creative-Hub-Bremen

Neues Leben im Bundeswehrhochhaus

Das Bundeswehrhochhaus in Bremen

Autor

  • Alexander Schnackenburg

Dieses Thema im Programm: butenunbinnen, 17. Januar 2020, 19:30 Uhr