Wie Cuxhavener Bürger ihren Banhnhof kaperten

Der Cuxhavener Bahnhof strahlt in neuem Glanz – nicht, weil die Bahn Millionen investerte, sondern weil die Bürger ihren rotten Bahnhof selbst wieder eroberten.

Menschen vor einer Bahnhofsfassade
Mitglieder der Bürgerbahnhofs-Genossenschaft vor der Klinkerfassade des Cuxhavener Bahnhofs.

Jahrelang war der Cuxhavener Bahnhof eher etwas zum Schämen. Die Bahn hatte sich nach und nach aus ihrem Engagement zurück gezogen, das Gebäude war wenig einladend. "Ich habe immer gedacht: Das ist nicht Cuxhaven, weil Cuxhaven wirklich schön ist", sagt die Cuxhavenerin Nidal Sale. Aber jetzt, bei der Eröffnung des neuen Bahnhofs, strahlt die Bürgerin: "Wirklich schön!"

Schön ist aber nicht das einzig Neue. Der Bahnhof hat auch eine neue Betreiberin bekommen. Er nennt sich nun "Bürgerbahnhof" – weil Bürger vor einigen Jahren die Initiative übernahmen und eine Genossenschaft gründeten. Mehr als 600 Mitglieder sammelten 1,2 Millionen Euro und starteten den Umbau des wuchtigen Klinkergebäudes – das schon für den Abriss freigegeben war.

Bahnhof-Abriss? "Absolut unvorstellbar!"

Ein Mann mit goldenem Schlüssel
Bauleiter Axel Schneider bei der Schlüsselübergabe für den "neuen" Bahnhof.

Michael Glenz ist einer der Genossenschaftsgründer. Für ihn ist es "ein ganz tolles Gefühl", dass der Bahnhof nun wieder glänzt. Schon als Kind hatte er sich in den Ferien mit Koffertragen sein Taschengeld verdient. "Für mich war es absolut unvorstellbar, dass dieses historische Gebäude von 1898 abgerissen wird", sagt Glenz.

Das konnten die Bürger verhindern. Nach knapp 16 Monaten Bauzeit wurde der neue alte Bahnhof nun eingeweiht. Nun soll er nach den Vorstellungen der Genossenschaft ein Ort der Begegnung werden – und "den Ankommenden Lust auf Cuxhaven machen", wie es bei den Bahnhofs-Aktivisten heißt. Immerhin mehr als eine Million Ein- und Ausstiege gibt es jährlich im Nordsee-Heilbad Cuxhaven.

Cuxhavener Natur an der Wand

Eine moderne Bahnhofshalle
Die Bahnhofshalle des neuen Bürgerbahnhofs. Jährlich gibt es hier mehr als eine Million Ein- und Ausstiege.

Nun ist der Bahnhof wieder auf einem repräsentablen Standard. Innengestalterin Jessica Lütge hat in den vergangenen Monaten viel Arbeit investiert: "Wir haben uns an den Cuxhavener Naturfarben orientiert.  Wir haben Wattgrau, ein bisschen gelben Ton vom Strand, etwas Grün vom Deich. Die Farben finden sich an vielen Stellen im Bahnhof wieder."

Es gibt endlich wieder Toiletten, ein Restaurant und sogar einen Konferenzraum, den man mieten kann. Die Wartehalle ist hell und offen. An den Wänden hängt Kunst, in der Mitte steht eine Bank aus Holz, die aussieht wie ein Boot. Es wird in Kürze wieder einen Imbiss, ein Restaurant, ein Café und ein paar Ladenlokale geben – all das unter Verwaltung der Bürger-Genossenschaft. Außerdem wird die Bahn ihr Fahrgastzentrum betreiben, die Stadt will eine Touristen-Info in dem Bahnhof eröffnen.

Die Cuxhavener sind mit diesem Modell nicht die ersten. Ähnliche Projekte mit Bürgerbeteiligung gab es schon in mehreren Städten jener Größenordnung, die bei einer der vergangenen Bahnreformen unter die Räder kamen. Cuxhaven ist aber eines der größten Projekte dieser Art.

  • Boris Hellmers

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Nachmittag, 5. Dezember 2018, 14.10 Uhr