Ärger in Bremerhaven wegen Lehrer-Studium ohne Abschluss

Chaos um einen Studiengang in Oldenburg. Bremerhaven wollte dort Lehrer ausbilden lassen, doch dann fiel auf: Ein Abschluss ist formal gar nicht möglich.

Drei Schüler im Klassenzimmer, einer im Rollstuhl
Sonderpädagogen werden in Bremerhaven dringend gebraucht, eine Maßnahme für Quereinsteiger sorgt für Chaos. Bild: DPA | Uli Deck

An der Uni Oldenburg will Bremerhaven Sozialpädagogen zu Sonderpädagogen weiterbilden lassen. Doch eine Panne verdarb die Maßnahme gegen den akuten Lehrermangel: Der Studiengang wurde nicht akkreditiert. Rund 20 Teilnehmer des Pilotprojekts erfuhren erst zu Beginn des zweieinhalbjährigen Studiums, dass sie keinen Abschluss machen können. Und der ist Voraussetzung fürs Referendariat. "Nach derzeitigem Stand kann kein Master erworben werden", sagt Schuldezernent Michael Frost. Er und die Amtsleiterin des Schulamtes seien in Gesprächen mit der Uni, um eine Lösung zu finden.

Oldenburg widerspricht Bremerhaven

Problem: Der Studiengang muss akkreditiert, also angemeldet und anerkannt werden. Inhaltlich wegen des hochwertigen Curriculums unproblematisch, so Frost. "Aber es gibt formal sehr hohe Hürden. Ein langwieriger Prozess." Die Akkreditierung wäre laut Schuldezernent Aufgabe der Uni gewesen. Darin sieht er jedoch keinen Vorwurf. In Oldenburg bewertet man die Lage etwas anders, wie Pressesprecher Volker Sandmann mitteilt. Demnach habe es eine Vereinbarung mit dem Schulamt über einen Weiterbildungsstudiengang zum Quereinstieg gegeben. "Vereinbarungsgemäß handelt es sich dabei um eine berufsbegleitende Weiterbildung mit Zertifikat und somit nicht um einen akkreditierten Masterstudiengang."

Keine Garantie auf den Master-Abschluss

Schuldezernent Michael Frost in einem Klassenraum
Schuldezernent Michael Frost ist zuversichtlich eine Lösung für die Panne zu finden. Bild: RadioBremen | Joschka Schmitt

Fragen nach der Fehlerquelle seien Gegenstand einer verwaltungsinternen sowie dienstrechtlichen Prüfung, sagt der Schuldezernent. Dazu nehme er nicht weiter Stellung. Die Situation müsse nun im Sinne der Beschäftigten mit Perspektive Lehramt gelöst werden. "Dieses Versprechen möchte ich einlösen." Dass am Ende ein Masterabschluss steht, könne er momentan jedoch nicht garantieren. "Es wäre schön, wenn ich das so sagen könnte, aber da ist jetzt die Unsicherheit, die ich sehr bedauere."

Akkreditierung dauert bis zu neun Monate

Das Curriculum erfülle die Vorgaben der Kultusministerkonferenz der Länder. Insofern sieht der Schuldezernent Chancen für die Anerkennung aller Leistungen, um nach erfolgter Akkreditierung den Masterabschluss zu erwerben. Die Uni habe zugesagt, den Weg der Akkreditierung zu prüfen und zu beschreiten. "Das ist für mich eine wichtige Aussage, ebenso für die Beschäftigten." Laut dem Geschäftsführer der Stiftung Akkreditierungsrat, Olaf Bartz, kann ein solcher Prozess allerdings sechs bis neun Monate in Anspruch nehmen. Bei der in Bonn ansässigen Stiftung sorgt der Fall aus Bremerhaven und Oldenburg für Erstaunen. Nachjustierungen bei Qualität und Standards seien nicht selten. Eine solche Panne sei schon außergewöhnlich.

Schuldezernent lobt Kooperation

Zum jetzigen Zeitpunkt habe niemand einen Schaden oder die Perspektive den Arbeitsplatz zu verlieren, sagt Frost. Die Teilnehmer seinen unbefristet als Lehrkräfte eingestellt. Aber sie bräuchten die Perspektive der Weiterbildung. "Insofern sage ich: Ja, wir möchten das jetzt fortsetzen, in der Erwartung, dass am Ende nach erfolgter Akkreditierung auch der Abschluss vergeben werden kann." Die Uni Oldenburg bedauert, dass in Bremerhaven an die entsandten Teilnehmer die irreführende Information vermittelt wurde, es handele sich um einen Masterstudiengang. "Dazu hat die Universität Oldenburg nicht beigetragen", sagt Pressesprecher Sandmann. Schuldezernent Frost betont dennoch einen hervorragenden Eindruck von der Kooperation zu haben. "Ich setze darauf, dass wir gemeinsam mit der Universität zu einer Lösung kommen."

  • Joschka Schmitt

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Rundschau am Nachmittag, 20. März 2019, 16 Uhr