Ein Fall von Steuerverschwendung? Die "Seute Deern" in Bremerhaven

Der Bund der Steuerzahler beklagt in seinem jährlichen Schwarzbuch, dass für das gesunkene Schiff in Bremerhaven unnötig Steuern verschwendet werden.

Der Dreimaster "Seute Deern" liegt im Museumshafen und wird abgepumpt.
Die Kosten rund um die in Bremerhaven havarierte "Seute Deern" ziehen weite Kreise. (Archivfoto) Bild: Radio Bremen | Joschka Schmitt

Für den Steuerzahlerbund ist die "Seute Deern" ein besonders bemerkenswerter Fall von Steuergeldverschwendung und damit einen Eintrag in seinem aktuellen Schwarzbuch wert, das heute erscheint. "Der endgültige Abschied von der 'Seute Deern' galt als beschlossene Sache, nachdem ein Gutachten dem Holzsegler 2018 einen 'konstruktiven Totalschaden' bescheinigt hatte – das Schiff sollte abgewrackt werden", schreibt der Verein und prangert die Entscheidung des Bundes an, 46 Millionen Euro für einen Nachbau des Schiffes bereitzustellen.

"Seute Deern" galt als Wahrzeichen Bremerhavens

Die "Seute Deern" gehört zur Flotte des Deutschen Schifffahrtsmuseums (DSM) und gilt als Wahrzeichen Bremerhavens. Dabei lief sie 1919 unter dem Namen "Elisabeth Bandi" im US-Bundesstaat Mississippi vom Stapel. Über mehrere Stationen gelangte das Holzschiff 1966 schließlich in die Seestadt und wurde dem DSM 1972 von der Stadt zur Gründung geschenkt. Im Alten Hafen diente der Dreimaster schließlich als Museums-, Restaurant- und Trauungsschiff. 2005 wurde die Bark unter Denkmalschutz gestellt.

Für den Bund der Steuerzahler beginnt das Problem mit der "Seute Deern" bereits bei den laufenden Kosten. Im Schwarzbuch führt der Verein auf, ein so altes Schiff brauche Pflege und regelmäßige Instandsetzungsarbeiten. Das notwendige Geld habe das Museum jedoch kaum aufbringen können. Nach einem Brand im Februar 2019 wurde das marode Holzschiff von Pumpen über Wasser gehalten. Der Sanierungsbedarf sei zu diesem Zeitpunkt bereits auf mehr als 30 Millionen Euro geschätzt worden. Im August 2019 fiel eine der Pumpen aus, das Schiff sank und musste mit 1,1 Millionen Euro Landesmitteln geborgen werden. Der Stiftungsrat beschloss den Rückbau der "Seute Deern". Die Gesamtkosten dafür belaufen sich auf 3 Millionen Euro. Ein Drittel soll Bremerhaven übernehmen, zwei Drittel das Land Bremen. So steht es in einer Kostenaufstellung des Hafenressorts für die Senatssitzung am Dienstag.

Bund stellt Millionen für Nachfolgebau in Aussicht

Als dann allerdings der Haushaltsausschuss des Bundestages im November 2019 bis zu 46 Millionen Euro für einen Nachbau des Schiffes in Aussicht stellte, hätten viele nicht widerstehen können und pochten nun auf die Umsetzung, schreibt der Steuerzahlerbund. Nachdem ein Neubau den finanziellen Rahmen sprengte, sprach sich der Magistrat zuletzt für ein anderes Schiff als Vorbild des Nachfolgebaus aus – das historische Stahlschiff "Najade", das Anfang des 19. Jahrhunderts in der Bremerhavener Tecklenborg Werft vom Stapel lief. Das läge in frühestens drei Jahren fest vor dem DSM, eingebettet in eine zusätzlich aufgebaute Hafenkulisse. Der Steuerzahlerbund fordert statt eines Neubaus die Verlegung der "Schulschiff Deutschland" aus Bremen-Vegesack in den Museumshafen. Neben den Einsparungen käme auf diesem Wege ein Stück Bremerhavener Geschichte zurück, so der Verein. Der Dreimaster wurde 1927 in Bremerhaven-Geestemünde gebaut.

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  • Joschka Schmitt Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Mittag, 27. Oktober 2020, 13:15 Uhr