Dünnes Eis: "Polarstern" erreicht Nordpol schneller als erwartet

  • Forschungsschiff braucht nur wenige Tage von letztem Standort
  • Grund ist großflächig geschmolzenes Meereis
  • "Mosaic"-Expedition steht unter Bremerhavener Leitung
Eine Gruppe Personen steht auf einem Schiff im Eis und jubelt.
Die "Polarstern"-Crew ist auf ihrer "Mosaic"-Expedition am Nordpol angekommen. Bild: AWI | Lianna Nixon

Der Forschungseisbrecher "Polarstern" hat am Mittwoch den Nordpol erreicht. Das Schiff des Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts (AWI) hat damit nur sechs Tage von seinem letzten Standort in der nördlichen Framstraße in der Arktis bis zum nördlichsten Punkt der Erde gebraucht.

"Es war ein unglaublich schneller Ritt", sagte Expeditionsleiter Markus Rex der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch. "Wir hatten einen breiten Bereich mit geringer Eiskonzentration und dünnem Eis." Gestartet war die "Polarstern" auf der Nordseite Grönlands. Normalerweise sei das Seegebiet dort so dicht bedeckt mit teilweise mehrjährigem Meereis, dass eine Fahrt dort nicht empfehlenswert sei, betonte Rex.

Es ist erschreckend zu sehen, wie dünn das Meereis ist und wie schnell es schmilzt. Es muss dringend etwas passieren. Die Arktis kann nicht lange warten.

Markus Rex, Expeditionsleiter

Das AWI hatte im Juli mitgeteilt, dass die arktische Meereisausdehnung so gering ist, wie es seit Beginn der Satellitenmessungen für den Monat Juli noch nie beobachtet wurde. Die "Polarstern" ist seit elf Monaten in der Arktis unterwegs. Zunächst driftete sie mit einer riesigen Scholle mit, Ende Juli zerbrach diese. Seitdem fährt der Eisbrecher unter Motor wieder Richtung Norden. "Wir werden über den Nordpol hinaus Richtung Sibirien fahren, um uns eine neue Eisscholle zu suchen", sagte Rex. Dort wollen die Wissenschaftler den beginnenden Gefrierprozess beobachten. Es ist das letzte Puzzlestück, das den Forschern in der Beobachtung des Jahreszyklus des Eises in der Arktis fehlt. 

Klima, Meer und ewiges Eis: Die wichtige Botschaft des AWI

Video vom 6. Juni 2020
Der Boden ist eben und mit Schnee bedeckt. In der Ferne türmen sich schneebedeckte Berge auf.
Bild: Radio Bremen

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Die Rundschau am Nachmittag, 19. August 2020, 17 Uhr