Grillen bei minus 45 Grad: So essen Polarstern-Forscher in der Arktis

Dass es im ewigen Eis Tiefkühlkost gibt, logisch. Aber Grillabende? Die Expedition unter Bremerhavener Leitung erhält neue Vorräte, der Schiffskoch ungewöhnliche Wünsche.

Die Polarstern liegt in der Dunkelheit im Eis und stößt Rauch aus.
Die Polarstern driftet festgefroren durch die Arktis – nicht ungewöhnlich, dass es bei minus 45 Grad Grillabende an Deck gibt. Bild: Alfred-Wegener-Institut | Lukas Piotrowski

Wenn der russische Eisbrecher Dranitsyn jetzt vom norwegischen Tromsø zur Polarstern aufbricht, hat er vor allem drei Dinge an Bord: neues Personal, technische Ausrüstung und jede Menge Lebensmittel. Mitte Februar wird das Versorgungsschiff in der Arktis erwartet. Dort haben sich etwa 100 Wissenschaftler und Crew-Mitglieder mit der Polarstern festfrieren lassen. Mit einer Eisscholle driftend erforschen sie den Klimawandel. Die einjährige, internationale Mosaic-Expedition in der Arktis ist die größte ihrer Art, sie wird vom Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut (AWI) geleitet.

Vorräte müssen bis zum Sommer reichen

Die neue Nahrung – vor allem Tiefkühlkost – muss dann von Februar bis Juni reichen. "Grüner Salat, das ist nach zehn Tagen vorbei", sagt Expeditionsleiter Markus Rex vom AWI. Als nächstes gingen die Tomaten zur Neige, dann die Gurken. "Nach der Rückkehr isst jeder erfahrungsgemäß erstmal zwei Salatteller." Ansonsten gibt es ganz normale Gerichte, wie die Bremer Forscherin Ellen Damm buten un binnen verriet. "Wir haben sogar Rituale, eine echte Seemannstradition: Freitags gibt es Fisch, samstags Eintopf und donnerstags und sonntags Eis zum Nachtisch." Aber natürlich werde das irgendwann eintönig.

Küchenchef aus Langen bei Bremerhaven

Ein Mann in dunkler Koch-Kleidung steht in einer Großküche.
Sven Schnieder, Koch auf dem Forschungsschiff Polarstern, hat einen der wichtigsten Jobs an Bord: Er ist als Küchenchef für das leibliche Wohl von rund 100 Menschen zuständig. Bild: DPA | Mohssen Assanimoghaddam

Dem so gut wie möglich vorzubeugen, ist Aufgabe von Küchenchef Sven Schnieder. Der 52 Jahre alte Koch aus Langen bei Bremerhaven hat Erfahrung mit extremen Bedingungen – er stand schon 14 Monate in der Küche der Neumayer-Station III in der Antarktis. "Der Job ist interessanter als jeder andere, den ich bisher machen durfte", sagte Schnieder zu Beginn der Expedition. Am 11. August brach die Polarstern von Bremerhaven nach Norwegen auf, wo die eigentliche Expedition am 20. September startete. Vorher hatte der Küchenchef wochenlang geplant und reichlich Lebensmittel eingelagert, darunter: 14.000 Eier, 1.400 Liter Milch, eine Tonne Kartoffeln und 150 Gläser Nuss-Nougat-Creme. Knapp 1.500 Einzelartikeln seien an Bord, vom Gewürz bis zum Quark.

Der Job ist interessanter als jeder andere, den ich bisher machen durfte.

Sven Schnieder, Küchenchef der Polarstern

Täglich frische Brötchen und Kuchen

In den ersten drei Monaten der Expedition verbrauchten die etwa 100 Menschen an Bord 12,7 Tonnen Lebensmittel. Ab Februar erwartet die Besatzung die kälteste Jahreszeit in der Arktis, bereits seit Oktober herrscht ewige Dunkelheit. Nicht zuletzt auf die Küche kommt es also an, die Mannschaft bei Laune zu halten. Da sei es gut, dass ihn ein Bäcker unterstütze und täglich Brötchen und Kuchen backe, freute sich Schnieder zu Expeditionsstart. Doch der Koch nimmt auch Wünsche entgegen und stellt fest: "Hoch im Kurs steht Hausmannskost, die zu Hause gar nicht gegessen wird, Eisbein zum Beispiel." Und auch Grillabende an Deck seien stets beliebt. Mit entsprechender Kleidung auch bei minus 45 Grad kein Problem. Jeder lege sich selbst das auf den Grill, was er essen möchte: Fleisch, vegetarische Würstchen oder Ananas. "Das macht allen Spaß", sagt Schnieder. 

Notfallcontainer reichen für zwei Monate

Die meisten gingen mit mehr Gewicht von Bord als sie gekommen seien, so Schnieder. Damit das nicht so sein muss, gibt es auf der Polarstern ein Schwimmbad und einen Fitnessraum. Und so gehören Sportsachen auch ins Gepäck von AWI-Forscherin Damm. Sie sagt, Bewegung sei auch gut für das seelische Gleichgewicht. Während dem Jahr in der Arktis wird die Polarstern immer wieder von Eisbrechern aus Russland, Schweden und China oder auch Flugzeugen und Hubschraubern beliefert. Für den Fall, dass dabei einmal etwas schiefgehen sollte, wurden Vorkehrungen getroffen. An Bord des Schiffes befinden sich zwei Notfallcontainer, mit deren Inhalt die Mannschaft zwei Monate überleben könnte. Schnieder versichert: "Wir werden nicht verhungern."

Forscher berichtet von AWI-Expedition im ewigen Eis

Video vom 17. Januar 2020
Zelte der AWI-Expedition in einer dunklen Polarnacht. Im Hintergrund sieht man das Forschungsschiff.
Bild: Radio Bremen

Autor

  • Joschka Schmitt Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Next, Next am Mittag, 28. Januar 2020, 14:40 Uhr

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