Landgericht verurteilt Bremerhavener Clanmitglieder zu Haftstrafen

  • Drei Mitglieder eines Bremerhavener Clans erhalten Haft- und Bewährungsstrafen
  • Landgericht bleibt leicht unter Forderungen der Staatsanwaltschaft
  • Brüder hatten Polizisten bei Personenkontrolle in der Goethestraße attackiert
Video vom 2. November 2020
Ein unkenntlich gemachter Mann sitzt neben seinem Anwalt auf der Anklagebank im Gericht.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Das Landgericht Bremen hat zwei Mitglieder eines Bremerhavener Familienclans zu Haftstrafen verurteilt. Ein Mitglied bekam eine Bewährungsstrafe. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass die vorbestraften Brüder während einer Polizeikontrolle vor drei Jahren Polizisten angegriffen und verletzt haben. Mit den Haftstrafen blieb das Gericht leicht unter dem von der Staatsanwaltschaft geforderten Strafmaß. Die beiden älteren Angeklagten wurden zu zwei Jahren und drei Monaten sowie zwei Jahren und acht Monaten verurteilt. Der Jüngere bekam eine Bewährungsstrafe von neun Monaten.

Teile der körperlichen Auseinandersetzung sind auf einem Video zu sehen gewesen. Das hat es für die Kammer leichter gemacht, die Beweisaufnahme abzuschließen, weil die Bilder gut zu erkennen waren.

Gunnar Isernberg, der Pressesprecher des Landgerichts, im Interview.
Gunnar Isenberg, Sprecher Landgericht Bremen

Wichtigster Beweis für die Richter waren Videos von der Tat, die in Sozialen Netzwerken zu sehen waren. Auf diesen ist der Tathergang laut Gericht klar und deutlich zu erkennen. Die Brüder hatten demnach im Juli 2017 bei einer Personenkontrolle im Bremerhavener Goetheviertel die Polizisten unter anderem getreten und geschlagen. Die Beamten erlitten Prellungen, Schürf- und Kratzwunden.

Nach Ansicht der Richter zeigen die Männer keinen Respekt vor der Staatsgewalt. "Zwei der drei Angeklagten haben sich auch im Rahmen der Hauptverhandlung an klar kommunizierte Regeln nicht gehalten", so Gerichtssprecher Gunnar Isenberg. Sie hätten unter anderem herumgeschrien oder seien aufgestanden. Einer der Angeklagten habe sich an die Vorsitzende gewendet, mit den Worten: "Wer sind Sie eigentlich, was meinen Sie eigentlich, wer Sie sind?"

Der Prozess hatte im September 2018 begonnen, war aber nach 13 Verhandlungstagen ausgesetzt worden. Einer der Schöffen galt als befangen und musste ersetzt werden. Der Prozess wurde dann im Januar dieses Jahres neu gestartet. Ursprünglich waren fünf Personen angeklagt. Gegen einen Mann und eine Frau wurde das Verfahren inzwischen eingestellt. Die Frau hat gemeinnützige Arbeitsstunden geleistet, der Mann wurde in einem anderen Verfahren zu neun Jahren und einem Monat Haft verurteilt.

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Die Rundschau am Nachmittag, 2. November 2020, 17 Uhr