Radfahren in Bremerhaven: 3 Tops und 3 Flops aus Sicht von Experten

Brenzlig wird es auf der Schiffdorfer Chaussee, locker fährt es sich auf der Ulmenstraße – Experten sagen, wo es in Bremerhaven für Radfahrer läuft und wo nicht.

Eine Fahrrad-Ampel hat Grün
Eine Fahrradampel zeigt grün. Auch in Bremerhaven gibt es gute Ecken für Radfahrer. Bild: DPA | Oskar Eyb
ADFC-Verkehrsreferent Albrecht Genzel steht mit einem Klapprad am Wasser
ADFC-Verkehrsreferent Albrecht Genzel war mit seinem Faltrad in Bremerhaven unterwegs, um sich ein Bild von der Situation für Fahrradfahrer zu machen.

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) hat heute seine aktuelle Studie zur Fahrrad-Freundlichkeit deutscher Städte vorgestellt. Albrecht Genzel ist Verkehrsreferent beim ADFC in Bremen und kennt neben etlichen problematischen Ecken in Bremerhaven auch Orte, an denen es für Radfahrer gut läuft. Hier sind seine Positiv- und seine Negativ-Beispiele in der Seestadt.

Diese Strecken findet der ADFC top:

1 Verbindung zwischen Bürgerpark und Hexenberg

Zwischen dem nördlichen Ende des Bürgerparks und dem Hexenberg ist der früher matschige Weg einer Asphaltierung gewichen. Für Genzel besonders begrüßenswert: Der Weg wird dadurch winterdiensttauglich. "Die Strecke ist edel und gut zu befahren, es gibt eine gradlinige Führung", sagt der Experte und freut sich über den Lückenschluss.

2 Ulmenstraße

Albrecht Wenzel fährt mit dem Fahrrad auf der Ulmenstraße
Gut gefällt Albrecht Genzel die Situation für Radfahrer in der Ulmenstraße.

Zwischen Fischereihafen und Innenstadt verläuft parallel zur Weser die Ulmenstraße. Auf Anschlusswegen können Radfahrer komfortabel bis zum nördlichen Wulsdorf weiterfahren. Ab Fischereihafen soll neben der Bahntrasse auf der Ulmenstraße eine Rad- und Fußgängerroute entstehen. "Dann gibt es eine Verbindung vom Fischereihafen bis zur Landesgrenze", sagt Genzel. "Die Zusage steht allerdings noch aus." Laut ADFC-Verkehrsreferent würde die ohnehin große Bedeutung der Ulmenstraße dann noch größer. Bisher können Radfahrer eine Promenade neben der Straße gemeinsam mit Fußgängern nutzen.

3 Bürgerpark

Innerhalb des Bremerhavener Bürgerparks ist das Radfahren auf mehreren Wegen erlaubt. Im Zuge der Nord-Süd-Verbindung durch die Stadt nennt ADFC-Verkehrsreferent Genzel diese gut zu nutzenden Bereiche als Positiv-Beispiel für Fahrradfreundlichkeit.

Diese Strecken sind für den ADFC ein Flop:

1 Lange Straße

Auf der schmalen Fahrbahn mit viel Busverkehr ist der Radstreifen verblasst und müsste laut Genzel erneuert werden. Außerdem findet der Verkehrsreferent die Situation nicht selbsterklärend. "Autos fahren zu nah an den Radfahrern", sagt Genzel. "1,50 Meter Sicherheitsabstand ist Pflicht, demnach dürften Radfahrer dort eigentlich überhaupt nicht überholt werden." Hinweisschilder wären eine Möglichkeit zur Ergänzung einer selbsterklärenden Markierung. "Es ist gruselig für Radfahrer. Da muss etwas getan werden."

2 Schiffdorfer Chaussee

Stadteinwärts kurz vor dem Ende der Schiffdorfer Chaussee endet der Radweg bei der Bahnunterführung. "Ausgerechnet im dunklen und lauten Tunnelbereich müssen Radfahrer hier auf die Straße wechseln", sagt Genzel. Autofahrer müssen nach Meinung des ADFC-Verkehrsreferenten die Situation verstehen und gegebenenfalls hinterherfahren. Dies sei schlecht kommuniziert und eine gefahrenträchtige Stelle.

3 Ausfahrt der Parkhäuser vom Columbus Center

Direkt vor der Parkhaus-Ausfahrt des Columbus Centers ist für Radfahrer ein schmaler Streifen auf der Straße markiert. Nach Genzels Erfahrung kommen Fahrradfahrer hier teilweise mit hohem Tempo von der Kennedybrücke aus und treffen schlimmstenfalls auf quer auf dem Radweg stehende Fahrzeuge. Autofahrer haben hier wenig Sicht auf die Straße und müssen entsprechend weit vorfahren. "Autofahrer sind wie bei Grundstücksausfahrten wartepflichtig", sagt der Verkehrsreferent. "Das ist leider nicht selbsterklärend – wie so oft." Um die Kennedybrücke hatte es zuletzt Wirbel gegeben, weil sie nach der Renovierung ohne Fahrradstreifen wieder in Betrieb genommen wurde. Hier wünscht sich Genzel, dass die Möglichkeiten zu Ende diskutiert werden, bevor es zu Maßnahmen kommt. Eine Variante könnte demnach sein, dass sich Radfahrer und Busse einen der drei Fahrstreifen teilen. Dass dem Autoverkehr zwei Spuren genügen, hätte die Zeit der Baustelle gezeigt.

Fazit: In der Summe kommt Albrecht Genzel zu einem gemischten Fazit für Fahrradfahrer in der Seestadt. Er sagt: "Im Vergleich mit Bremen hängt Bremerhaven weit hinterher." Den runden Tisch zum Radverkehr findet der 64-Jährige allerdings sehr vorbildlich. "Da sitzt die Politik mit am Tisch. Ein gutes Gefühl gibt uns auch, dass die Verwaltung inzwischen motivierte, fachkundige und wohlwollende Kräfte mit eigenen Vorschlägen hat." Dies sei vor einem Jahr noch anders gewesen und ist ein Lichtblick. Das Radverkehrskonzept von vor einigen Jahren hat laut Genzel viele Verbesserungsvorschläge gebracht. "Man weiß, was zu tun ist. Im Wege stehen noch Engpässe beim Geld und kritische politische Meinungen."

  • Joschka Schmitt

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 9. April 2019, 19:30 Uhr