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Wie die Bremerhavener "Seute Deern" künftig als Armbanduhr weiterlebt

Armbanduhr aus Seute Deern-Resten

Audio vom 13. August 2021
Zwei Hände halten ein Kissen mit einer Armbanduhr.
Bild: Radio Bremen | Catharina Spethmann
Bild: Radio Bremen | Catharina Spethmann

Die Geschichte der "Seute Deern" in Bremerhaven bekommt ein neues Kapitel: Aus den Resten des historischen Holzseglers werden nun Armbanduhren und Schmuckstücke.

Von dem einst so stolzen Wahrzeichen Bremerhavens ist längst nichts mehr zu sehen. Die im Alten Hafen havarierte "Seute Deern" ist abgewrackt, der über 100 Jahre alte Holzsegler ist Geschichte. Und doch gibt es Neuigkeiten rund um das frühere Museumsschiff: Das Deutsche Schifffahrtsmuseum (DSM) bringt zu den "Maritimen Tagen" nun Souvenirs aus den Resten des Holzseglers in den Museumsshop. Den Anfang machen limitierte Armbanduhren und edle Silberketten.

Zwei Hände halten ein Kästchen mit einer Kette.
Auch um den Hals kann man sich künftig ein Stück "Seute Deern" hängen. Bild: Radio Bremen | Catharina Spethmann
Wie kam es zu der Idee mit den Uhren und Ketten?
Immer wieder wurde der Wunsch nach Erinnerungsstücken an die "Seute Deern" an das Museum herangetragen, sagt Lars Kröger, Projektleiter am DSM. Als erstes seien nun mit einem österreichischen Hersteller Uhren und Anhänger produziert worden. "Das ist jder erste Aufschlag für Produkte, die in der Preiskategorie schon etwas weiter oben angesiedelt sind", so der Projektleiter. Uhren gibt es zum Beispiel zu einem Preis von 395 Euro, Ketten kosten 98 Euro. Das Angebot richte sich laut Kröger an Personen, die etwas besonderes suchen und mit der „Seute Deern“ emotional verbunden seien – gerade Paare, die auf dem Schiff geheiratet haben. Oder an Sammler, für die die limitierte Auflage interessant sei. Den Uhren soll auch ein Echtheitszertifikat mit Nummerierung beiliegen.
Was ist das besondere an den Uhren?
Unter dem Ziffernblatt liegt ein mechanisches Uhrwerk. Die "Seute Deern" ist unter den Zeigern, auf der Uhrinnenseite und einer Holzschatuelle eingraviert. Erhältlich sind die Zeitmesser mit blauem oder schwarzem Ziffernblatt und mit Armband aus Holz oder in Deutschland handgefertigtem Segeltuchstoff. Außerdem gibt es eine Deluxe-Variante mit Goldüberzug. "Die Gestaltung ist an das Meer und die Seefahrt angelehnt", erklärt Christoph Hutegger, Gründer des Uhrenproduzenten Waidzeit. "Außerdem funktioniert das mechanische Uhrwerk ohne Batterie, passend zu dem alten Segelschiff, das ohne Stromantrieb auskam."

Die Teile werden aus Eichenholz ausgefräst, poliert und dann aufs Edelstahlgehäuse aufgesetzt, so Hutegger, dessen Firma sich auf die Wiederverwendung ausgedienter Hölzer spezialisiert hat und bereits mit alten Weinfässern und Eisenbahnwaggons gearbeitet hat. Finalisiert werden die "Seute Deern"-Uhren schließlich von einem regionalen norddeutschen Uhrmacher, der das Uhrwerk noch einmal genauestes prüft. Die Silberketten tragen Anhänger mit Holzscheiben und gravierten Umrissen des Schiffs.
Ein Bagger zerstört den Schiffsrumpf.
Große Teile des demontierten "Seuten Deern"-Holzes sind schadstoffbelastet, einige Reste waren jedoch noch verwendbar. Bild: Radio Bremen | Luca Laube
Ist das Holz nicht schadstoffbelastet?
Die Uhren und Armbänder werden aus unbelasteten Planken der "Seute Deern" hergestellt, sagt Kröger. "Das sehr alte Holz konnten wir nicht verwenden, weil es entweder zerstört oder dermaßen mit Schadstoffen versetzt ist, dass wir das nicht herausgeben können." Die verwendeten Teile stammen aus den 2000er Jahren, sie herauszusuchen sei relativ aufwändig gewesen. "Es mussten natürlich auch entsprechende Messungen vorgenommen werden und es gab Absprachen mit unterschiedlichen Behörden." Den vielen Anfragen nach Holzresten als Erinnerungsstücken vorab habe leider nicht entsprochen werden können, bedauert Kröger. "Das hatten wir uns auch ein bisschen anders erhofft."
Ein Mann in einer Werkstatt hält ein Stück Holz in der Hand.
Die Uhrmanufaktur Waidzeit hat sich auf wiederverwendbare Materialien spezialisiert. (Archivbild) Bild: Gerald Scheinecker
Warum ausgerechnet eine österreichische Uhrenmanufaktur?
Die Initiative ging von Waidzeit selbst aus. "Die haben uns angeschrieben", sagt Kröger. "Wir haben uns da Ganze angeschaut, fanden die Ideen sehr gut und haben eine Kooperation vereinbart." Tatsächlich hatte die Firma schon länger auf genau so eine Gelegenheit gehofft, sagt Hutegger. "Wir waren immer schon auf der Suche nach etwas aus dem Norden, das mit Schiffen zu tun hat." Eine Kundin aus Süddeutschland, die aus Bremerhaven stammt und die "Seute Deern" liebt, habe schließlich den entscheidenden Hinweis gegeben.
Was passiert mit den Einnahmen?
Zehn Prozent des gesamten Verkaufserlöses gehen an den Förderverein des Museums, der sich unter anderem die Sanierung des mehr als 150 Jahre alten Polarforschungsschiffs "Grönland" kümmert, sagt Kröger. Das Holz der untergegangenen "Seute Deern" helfe somit, ein anderes historisches Schiff zu erhalten.
Was ist sonst noch geplant?
Da die Uhr besonders viel Vorlauf brauchte, macht sie den Anfang, sagt Kröger. "Aber es werden auch noch Produkte produziert und angeboten, die dann für den breiteren Markt vorgesehen sind." So seien verschiedene Souvenirs aus Papier geplant, die die "Seute Deern" zeigen. Außerdem gebe es Gespräche dazu, dass aus nutzbaren Hölzern kleinere Objekte entstehen, die zu geringeren Preisen angeboten werden. Mehr will Kröger noch nicht verraten.

Rückblick: Die "Seute Deern" wird abgerissen

Video vom 15. April 2021
Blick von oben auf ein halb zerstörtes Holzschiff.
Bild: Radio Bremen | Sabine Krüger
Bild: Radio Bremen | Sabine Krüger

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Autor

  • Joschka Schmitt Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Vier, Läuft, 13. August 2021, 17:15 Uhr