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Flohmarkt-Verbot nach Aufregung um geöffnete Bremerhavener Markthallen

Trotz Corona haben in der Seestadt zuletzt viele Menschen Flohmarkt-Hallen besucht, die laut Verordnung öffnen durften. Nun hat Oberbürgermeister Grantz ein Verbot angekündigt.

Eine Frau mit einer Maske läuft über einen Flohmarkt.
In Bremerhaven konnten trotz Lockdown zuletzt Flohmärkte stattfinden. (Symbolbild) Bild: DPA | Duilio Piaggesi

Abstand halten und zu Hause bleiben – das ist das Gebot der Stunde in der Corona-Pandemie. Trotz Lockdown mit verschärften Kontaktbeschränkungen fanden in Bremerhaven an den vergangenen Wochenenden jedoch regelmäßig Indoor-Flohmärkte mit bis zu 100 Personen gleichzeitig statt – laut Landesverordnung ganz legal. Während Gastronomie, Geschäfte und Kultur geschlossen bleiben müssen, bummelten hunderte Bremerhavener durch die Flohmarkt-Hallen im Fischereihafen und am "Rotersand". Jetzt hat Bremerhavens Oberbürgermeister Melf Grantz (SPD) angekündigt, dass die Flohmärkte per Allgemeinverfügung verboten werden sollen.

Wie konnte es sein, dass Flohmarkt-Hallen trotz Lockdown öffnen durften?
Die Corona-Verordnung des Landes Bremen regelt, dass Veranstaltungen mit bis zu 100 Personen mit Hygienekonzept, Kontaktlisten, Abstandsregeln und ausreichender Lüftung stattfinden können. Ausgenommen sind unter anderem die Bereiche Unterhaltung und Kultur. Diese Vorgaben seien in seiner Halle eingehalten und regelmäßig vom Ordnungsamt kontrolliert worden, sagt Roman Engelbert, Betreiber der Flohmarkt-Halle im Bremerhavener Fischereihafen. Laut Magistratssprecher Volker Heigenmooser seien Besucher und Händler dabei als kooperativ wahrgenommen worden. Engelbert hat auf seinem umzäunten Gelände einen Eingang und einen Ausgang. So sei sichergestellt, dass inklusive Verkäufer nicht mehr als 100 Personen gleichzeitig in die Halle gekommen seien, berichtet der Veranstalter. Er vermute, dass diese Bedingungen anderswo in Bremen schwieriger umzusetzen gewesen seien.
Wie reagiert die Politik auf die Situation?
"Laut aktuell gültiger Landesverordnung war eine Öffnung tatsächlich erlaubt", bestätigt Lukas Fuhrmann, Sprecher des Bremer Gesundheitsressorts, gegenüber buten un binnen. Die Passage in der Rechtsverordnung sehe Veranstaltungen mit bis zu 100 Personen vor, immer unter Wahrung von Abstandsregeln. Dabei handele es sich beispielsweise auch um Hochzeiten. "Der Frage der Flohmärkte werden wir uns jetzt noch einmal annehmen", so Fuhrmann. Die CDU-Stadtverordnetenfraktion in Bremerhaven äußerte in einer Mitteilung ihr Unverständnis und plädierte für eine Schließung.

So sah es auch Grantz, der am Dienstagnachmittag ankündigte, Flohmärkte in Bremerhaven per Allgemeinverfügung zu verbieten. Dies solle bis zum Wochenende erlassen werden. "Das kann man nicht erklären, dass im allgemeinen Lockdown faktisch der Einzelhandel geschlossen wird und zugleich Flohmärkte als Veranstaltungen deklariert werden und dementsprechend öffnen dürfen", so Grantz. In der Corona-Verordnung vom 20. April 2020 seien Schließungen vorgesehen gewesen. Da ein grundsätzliches Veranstaltungsverbot in der aktuellen Fassung nicht mehr enthalten sei, werde die Stadt Bremerhaven Flohmärkte untersagen.
Wie sah die Situation aus Sicht eines Flohmarkt-Veranstalters aus?
Im Zuge des ersten Lockdowns blieb Engelberts Flohmarkt-Halle im Fischereihafen fast drei Monate geschlossen. Später durfte er wieder öffnen. So auch an den vergangenen Wochenenden, jeweils samstags und sonntags. Die Erlaubnis dazu habe er sich schriftlich vom Ordnungsamt bestätigen lassen, so der Veranstalter. Beanstandungen habe es bei den Kontrollen nicht gegeben. Zuletzt seien an einem Sonntag in sechs Stunden allerdings maximal 300 Besucher gekommen, vor Corona 800, an guten Tagen bis zu 1.500. So habe es sich laut Engelbert kaum gelohnt zu öffnen, doch er sei wegen laufender Kosten darauf angewiesen gewesen. Ohne ein Verbot habe er keinen Anspruch auf Corona-Hilfen gehabt.

Wie gehen Bremerinnen und Bremer mit der Lockdown-Verlängerung um?

Video vom 11. Januar 2021
Eine buten un binnen Zuschauerin sitzt vor der Kamera in ihrem Zuhause macht beim Meinungsmelder mit.
Bild: Radio Bremen

Autor

  • Joschka Schmitt Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Next, Next am Morgen, 12. Januar 2021, 8:10 Uhr