Homeoffice und Kurzarbeit: Bremer Unternehmen in der Corona-Krise

Das Coronavirus zwingt Bremens Wirtschaft zu drastischen Maßnahmen. Viele Beschäftigte arbeiten von zuhause aus, andere müssen die Arbeit ruhen lassen. Ein Überblick.

Video vom 18. März 2020
Der Finanzsenator Dietmar Strehl im Interview

Erst Anfang Januar ist der Hochofen 3 der Bremer Stahlwerke wieder in Betrieb gegangen. Nun legt das Unternehmen ihn wieder still. Wie an all seinen europäischen Flachstahlstandorten, so fährt ArcelorMittal auch in Bremen seine Produktion herunter. Die Verhandlungen über Kurzarbeit haben schon begonnen, teilt die Bremer Unternehmenssprecherin Marion Müller-Achterberg mit. Denn das Coronavirus wirke sich auch auf die Nachfrage nach Stahl aus.

Ähnlich wie ArcelorMittal ergeht es derzeit vielen großen Unternehmen der Region. So wird Mercedes die Produktion am Bremer Werk ab Montag sogar ganz einstellen. Auch der Seehafen- und Logistikdienstleister BLG Logistics ist von der Corona-Krise massiv betroffen. Ab Donnerstag kommt auf etliche BLG-Mitarbeiter Kurzarbeit zu, teilt Unternehmenssprecher Andreas Hoetzel mit. Der Hauptgrund liege darin, dass viele Kunden der BLG ihre Arbeit infolge der Corona-Krise einstellten, bis hin zu BMW.

Die Lage ändert sich von Tag zu Tag. Wie es ausgehen wird, können wir nicht sagen. Dass es aber gravierende wirtschaftliche Folgen haben wird, ist klar."

Andreas Hoetzel, BLG Logistics

Homeoffice, wo immer es geht

Da viele BLG-Mitarbeiter körperlich zu arbeiten hätten, sei das Homeoffice für den Großteil der Belegschaft keine Option, fügt Hoetzel hinzu. Dennoch versuche das Unternehmen, möglichst vielen Beschäftigten die Arbeit von zuhause aus zu ermöglichen.

Damit befindet sich der Logistikdienstleister in bester Gesellschaft. So arbeiten auch Airbus-Mitarbeiter, sofern es möglich ist, derzeit aus dem Homeoffice, wie ein Sprecher mitteilt. Gleiches gilt für etwa 250 der 600 Mitarbeiter Vitakrafts sowie für Verwaltungs-Mitarbeiter der Elko Sicherheit AG.

Besonders groß wird das Homeoffice beim Energie-Versorger SWB geschrieben. Beinahe die gesamte Belegschaft arbeite derzeit von zuhause aus, berichtet Pressesprecher Friedhelm Behrens. Die SWB habe zu diesem Zweck bereits vor zwei Jahren rund 2.000 Laptops angeschafft, die auch für Videokonferenzen geeignet seien. Nicht infrage komme die Arbeit von daheim aus lediglich für jene Netzsteuerungs-Experten, die im Netzleitcenter in Woltmershausen arbeiteten.

Post mit eigener Website zu Corona-Folgen

Dhl-Paketzusteller bei der Arbeit (Archivbild)
Mitarbeiter der Post benötigen zum Zustellen von Paketen und Übergabeschreiben derzeit nicht zwangsläufig die Unterschrift des Empfängers. Bild: DPA | Winfried Rothermel

Mit rund 2.200 Beschäftigten zählt auch die Deutsche Post zu den größten Arbeitgebern in Bremen. Zwar arbeite die Verwaltung der Post teilweise im Homeoffice, teilt ein Sprecher mit. Da die Post aber zu den Grundversorgern zähle, blieben die Filialen geöffnet.

Wegen der Corona-Krise hat das Unternehmen eine gesonderte Website eingerichtet. Unter der Überschrift "Aktuelle Hinweise zum Coronavirus " informiert die Post über "Auswirkungen auf die Zustellung durch die Deutsche Post DHL". Unter anderem heißt es dort, dass die Post derzeit auf die Unterschriften von Paket-Empfängern verzichte. Stattdessen dokumentierten die Zusteller erfolgreiche Auslieferungen mit der eigenen Unterschrift. Auf diese Weise möchte das Unternehmen das Infektionsrisiko für Kunden wie für Mitarbeiter gering halten.

Sonderfahrpläne im Regionalverkehr

Metronom-Regionalzüge
Wird in den nächsten Tagen nicht so häufig verkehren wie sonst: der Metronom.

Aus demselben Grund hat die Metronom Eisenbahngesellschaft angekündigt, in den kommenden Tagen den Sonderfahrplan "Corona" vorzustellen. Wie die Regionalzüge der Deutschen Bahn, so wird auch der Metronom seltener fahren als sonst. Die Bremer Straßenbahn AG hat bereits für alle Tage auf den Sonn- und Feiertagsfahrplan umgestellt.

Künstler, Schausteller, Gastonomen und Einzelhändler in Not

Doch nicht nur die großen Unternehmen in Bremen und umzu bekommen die Auswirkungen der Corona-Pandemie bereits deutlich zu spüren. Seit das Land Bremen auf Initiative von Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt eine Task Force für Unternehmen eingesetzt hat, die durch das Coronavirus in Schwierigkeiten geraten sind, melden sich täglich rund 100 Unternehmer bei der Förderbank BAB. Das teilt Vogts Sprecher Kai Stührenberg mit.

Überwiegend, so Stührenberg, handele es sich um eher kleine Unternehmen, die sich bei der Förderbank meldeten in der Hoffnung auf geeignete Förderprogramme. Imbisse, Restaurantbetreiber, Eventunternehmen, Messebauer, Schausteller, IT-Unternehmen, Künster und Einzelhändler: Sie alle seien schwer von der Krise betroffen, sagt Stührenberg. Die WFB Wirtschaftsförderung Bremen hat daher angekündigt, ab sofort 16 zusätzliche Berater für die Task Force abzustellen.

Corona-Fall bei Lürssen

Fabrikhalle mit Schriftzug der Lürssen-Werft.
Hat an seinem Werftstandort in Bremen-Aumund mittlerweile einen bestätigten COVID-19-Fall: Lürssen.

Oliver Grün, Sprecher der Lürssen-Werft, teilt unterdessen mit: "An unserem Werftstandort in Bremen-Aumund haben wir einen bestätigten COVID-19-Fall."

Der betroffene Mitarbeiter wurde umgehend nach Hause geschickt, ebenso "alle mit ihm in engem Kontakt stehenden Mitarbeiter". Die Werftengruppe habe verschiedene Präventionsmaßnahmen umgesetzt, die das potentielle Ansteckungsrisiko mit dem Coronavirus für die Mitarbeiter verringern sollten. Dabei folge Lürssen den Empfehlungen des Robert Koch-Instituts sowie den Vorgaben der Gesundheitsämter.

Bremer Senat verspricht Rettungspaket für kleinere Unternehmen

Video vom 17. März 2020
Eine Einkaufssituation in einem Bäckerbetrieb.

Autoren

  • Daniel Hoffmann
  • Alexander Schnackenburg
  • Sebastian Manz

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 18.3., 19.30 Uhr