Stephanibrücke: Wie kann Bremens Sorgenkind noch geholfen werden?

Der Bund muss die Stephanibrücke erneuern. Wann, ist noch unklar. Dafür soll noch dieses Jahr eine Machbarkeitsstudie die Frage nach dem "Wie" beantworten.

Blick auf die Stephani-Brücke
Immer noch stark genug für 100.000 Fahrzeuge täglich? Bremens Stephanibrücke muss außerordentlichen Belastungen Stand halten. Bild: Radio Bremen | Dirk Osmers

Keine fünf Monate noch. Dann wird Bremen die Verantwortung für die Bundesfernstraßen in seinen Landesgrenzen weitgehend los. Denn mit dem 1. Januar übernimmt die vor zwei Jahren gegründete Autobahn GmbH des Bundes die Planung, den Bau und den Erhalt dieser Straßen. Mit der Stephanibrücke auf der B6, über die täglich gut 100.000 Fahrzeuge donnern, übergibt Bremen dem Bund allerdings ein echtes Sorgenkind.

Bevor es jedoch soweit ist, möchte das Amt für Straßen und Verkehr (ASV) die Weichen für die Zukunft der Bundesbrücke im Bremer Stadtgebiet stellen: Es möchte eine Machbarkeitsstudie für ihren Neubau anstoßen. Thomas Sauer, Leiter der Abteilung Brücken- und Ingenieurbau im ASV, hofft für den kommenden Herbst auf das grüne Licht der Baudeputation, um die Studie ausschreiben zu können.

Bauzäune halten Radfahrer und Fußgänger fern

Der Fahrradweg unter der Stephanibrücke in Bremen
Ein schwerer Bauzaun verhindert auf der Stephanibrücke, dass dort allzu viele Fußgänger und Radfahrer Platz finden. Fragt sich: Wie lange noch? Bild: Radio Bremen | Serena Bilanceri

Dass an der Brücke Fundamentales geschehen muss, ist seit Jahren bekannt. Insbesondere aufgrund des enormen Verkehrsaufkommens, das zur Bauzeit 1967 niemand vorhergesehen hatte, weist die Brücke erhebliche Materialermüdungserscheinungen auf. Besonders die fast 10.000 Lkw, die Tag für Tag über die Brücke fahren, hätten hieran einen erheblichen Anteil, sagt Sauer, zumal die Lastwagen seit 1967 immer schwerer geworden seien. Um zu verhindern, dass das Gesamtgewicht der Brücke kritische Höhen erreicht, müssen dort daher seit Sommer 2017 Lastwagen einen Abstand von wenigstens 50 Metern zueinander halten. Auch gilt für sie ein Überholverbot.

Doch auch unterhalb der Autofahrbahnen bietet die Brücke seit drei Jahren ein ungewöhnliches Bild. Dort beschneiden Bauzäune die Geh- und Radwege um knapp die Hälfte ihrer ursprünglichen Breite von 4,50 Metern. Auf diese Weise möchte das Amt für Straßen und Verkehr verhindern, dass es zu Menschenansammlungen auf der Brücke kommen kann: eine Maßnahme, die Bremen viel Spott eingetragen hat. So amüsierte sich das Satire-Magazin "extra 3" im August 2017 insbesondere darüber, dass Bremen zur Entlastung der Brücke Fußgänger und Radfahrer einengt, statt eine Fahrspur für die ungleich schwereren Lkw und Pkw zu sperren.

Brücke kann noch bis zu 20 Jahre halten

Die Bremer Stephanibrücke
Eine der großen Verkehrsadern Bremens: die Stephanibrücke aus der Vogelperspektive. Bild: Radio Bremen

Dabei sind die Gründe dafür, dass das ASV keine Autofahrbahn auf der Brücke sperren möchte, weithin bekannt: Wer mit dem Auto von Bremen nach Delmenhorst oder Oldenburg fahren muss und umgekehrt, kommt an den ineinander übergehenden Bundesstraßen 75 und 6 kaum vorbei – und damit auch nicht an der Stephanibrücke. Er müsste schon gewaltige Umwege in Kauf nehmen, um die Strecke zu umfahren. Entsprechend staut sich der Verkehr dort selbst dann regelmäßig, wenn alle Spuren freigegeben sind.

Aufgrund der aktuellen Vorsichtsmaßnahmen sei die Brücke derzeit immerhin "verkehrssicher", beschreibt Thomas Sauer den Status quo. Werde die Brücke in den kommenden zwei Jahren gezielt verstärkt, könne das Bauwerk noch zwölf bis 20 Jahren halten, sagt er. Zu diesem Ergebnis sei das ASV in den vergangenen Monaten auch aufgrund halbjährlicher Sonderprüfungen gelangt. Dabei habe man herausgefunden, dass Teile der Träger versteift werden könnten, um zu verhindern, dass sich altes Metall in diesen Trägern verdrehe.

Auf welche Weise und zu welchen Kosten der Bund die marode Brücke aber tatsächlich verstärken wird, ehe sie schließlich einem Neubau weicht, darüber wird voraussichtlich nächstes Jahr die Autobahn GmbH des Bundes entscheiden.

Viele Problemfelder – kein Platz für Bauarbeiten

Maßgeblich für diese Entscheidung der Bundesgesellschaft könnte jene Machbarkeitsstudie werden, die das Amt für Straßen und Verkehr gerade anstößt, glaubt Sauer. Schon jetzt geht er davon aus, dass mehrere Büros gemeinsam die Studie erstellen werden, gelte es doch, zu sehr unterschiedlichen Fragen Fachwissen einzubringen, das weit über das rein technische Knowhow hinausgehe. Sauer denkt dabei unter anderem an den Lärmschutz sowie an den Umweltschutz, da die Brücke über die Weser mitsamt ihrer Fauna führt.

Vor allem aber sollten bei der Planung des Neubaus allerhand "innerstädtische Problemfelder" angegangen werden, sagt Sauer. So müssten die Anschlüsse auf der Altstadtseite überdacht werden, ebenso der abfließende Autoverkehr aus der Überseestadt, die es noch gar nicht gab, als die Stephanibrücke in ihrer jetzigen Form vor 53 Jahren gebaut wurde. Am schwersten aber wiege: "Man braucht Platz, um eine Brücke zu bauen. Doch den gibt es bei der Stephanibrücke kaum."

So schließt sich an die Stephanibrücke stadteinwärts eine weitere Brücke an. Außerdem laufen die Eisenbahnschienen in Richtung Bahnhof in einer Rechtskurve auf das marode Bauwerk zu. Beides enge den Spielraum für die Bauarbeiten enorm ein, sagt Sauer. Umso wichtiger sei es, mithilfe der Machbarkeitsstudie zu klären, was überhaupt für ein Brückenneubau möglich ist.

Sind Bremens Brücken sicher?

Video vom 15. August 2018
Die Bremer Stephanibrücke
Bild: Radio Bremen

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  • Alexander Schnackenburg Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 17. August 2020, 23:30 Uhr