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Grumpy-Cat und Hip-Hop-Hahn: Wo überall Stadtmusikanten zu finden sind

Ihren 200.Geburtstag verbinden viele mit der Stadtmusikanten-Bronze am Bremer Rathaus. An diesen Orten ist das Märchen-Quartett in der Stadt noch verewigt.

Die Bremer Stadtmusikanten als Graffiti-Wandbild daneben ist ein Ortschild mit der Aufschrift Neustadt zu sehen.
Bremer Lokalhelden treffen auf Internet-Star: Grumpy-Cat als Teil der berühmten Tierpyramide.

Die tierischen Gefährten kommen im Märchen nie an ihrem Ziel an: der Stadt Bremen. Dennoch sind sie hier überall zu finden. Sie sind das Markenzeichen der Stadt. Vor allem die Skulptur von Gerhard Marcks ist ein Touristenmagnet. Zwei Meter hoch. 66 Jahre alt. Gefertigt aus Bronze. Die wohl bekannteste Tierpyramide der Welt. Doch nicht nur neben dem Rathaus, sondern überall in der Stadt hat das Märchen seine Spuren hinterlassen. Wir haben einige der Orte besucht, an denen Esel, Hund, Katze und Hahn im Stadtbild noch auftauchen.

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Streetart mit den Stadtmusikanten

Überlebensgroß sind die Tiere an das Jugendfreizeitheim Neustadt gemalt: Rund fünf mal acht Meter ist das Wandbild groß. Eine Woche lang malten die Künstler an diesem Werk. Das 200 Jahre alte Märchen der Gebrüder Grimm entstaubten sie durch ein Internetphänomen: Grumpy-Cat. Die Kult-Katze erlangte im Netz aufgrund ihres ewig mürrischen Gesichtsausdrucks weltweite Berühmtheit.

Auch im Steintorviertel haben sich Graffiti-Sprayer von dem Märchen inspirieren lassen: In der Blücherstraße stehen Esel, Ziege, Mops und Katze übereinander, um für einen ökologischen Stromanbieter zu werben. In der Blumenstraße treten die vier Tiere als Hip-Hop-Combo auf. Mit Ghettoblaster, Turnschuhen, Bling-Bling-Kette und Baseballcap.

Ausgestopfte Musikanten

Kunstwerk von Maurizio Cattelan: Love Saves Life, 1995 und Love Lasts Forever, 1998, Tierpräparate, Tierskelette, Kunsthalle Bremen. Die Bremer Stadtmusikanten als ausgestopfte Tiere und als Skelette, sich gegenüber stehend
Echter geht es nicht: Die Stadtmusikanten als Tierpräparate und -skelette. Bild: Maurizio Cattelan

Wer die Tiere in Lebensgröße bestaunen will, kann diese noch bis Ende August in der Bremer Kunsthalle erleben. Neben Kitsch und Kunst stehen sie dort als ausgestopfte Tiere übereinandergestellt. Daneben Hahn, Katze, Hund und Esel als Skelette. Stefanie Gliedt ist Pressesprecherin der Kunsthalle und versichert auf Nachfrage: "Das sind echte Knochen. Zusammen kommen sie auf eine Höhe von rund 195 Zentimetern."

Tierische Bürgerschaft

Eine Frau fotografiert mit ihrem Mobiltelefon die Bremer Stadtmusikanten vor der Bremischen Bürgerschaft. Die Stadtmusikanten lesen Bücher und tragen die Farben von Werder: Grün und Weiß.
Ein beliebtes Fotomotiv bei Touristen: Die Bremer Stadtmusikanten vor der Bremischen Bürgerschaft.

Klassischer ist da schon der Auftritt vor der Bremischen Bürgerschaft. In den Werder-Farben Grün und Weiß sind die Stadtmusikanten ein beliebtes Fotomotiv bei Touristinnen und Touristen. Vertieft in drei Bücher sollen sie den Spaß am Lesen vermitteln. Nur wenige Meter entfernt sind die vier Tiere nicht zu sehen, aber normalerweise zu hören. Wer hier eine Münze in den Schlitz eines prunkvoll verzierten Gullideckels am Boden wirft, hört ein Krähen, Miauen, Bellen oder das I-ah des Esels. Es ist Bremens ungewöhnlichste Spendenbüchse: Das Bremer Loch. Die Einnahmen gehen an die Wilhelm Kaisen Bürgerhilfe, die damit bedürftige und benachteiligte Menschen unterstützt.

Räuberische Zwischenfälle

Im Jahr 2018 kamen über 18.000 Euro im Bremer Loch zusammen. Das müssen auch die Einbrecher gewusst haben, die das Loch Anfang Mai mit Gewalt öffneten. Laut der Geschäftsführerin der Bürgerhilfe, Sylvia Gerking, hatten sie es auf die Münzen abgesehen: "Spenden können weiterhin geleistet werden, allerdings gibt es ein akustisches Dankeschön der vier Stadtmusikanten erst wieder nach der Reparatur." Vorerst bleiben die Märchenhelden stumm. Nicht der einzige Diebstahl im Zusammenhang mit den Stadtmusikanten. Seit 1927 stehen die vier Gefährten auf dem Sieben-Faulen-Brunnen in der Böttcherstraße. Doch Anfang Januar 2018 fehlte plötzlich der Hahn aus Bronze. Jemand hatte ihn abgebrochen und mitgenommen. Und das nicht zum ersten Mal. Insgesamt sieben Mal verschwand das Federvieh von seinem Sockel.

Mal Schmiedekunst, mal Spielplatz

Außerhalb der Reichweite von Langfingern sind die goldenen Stadtmusikanten am Deutschen Haus angebracht. In rund fünf Metern Höhe sind sie Teil einer eisernen Schmiedearbeit. Ausgehungert klettern sie auf dem schwungvollen Wirtshausschild entlang. Nur wenige hundert Meter entfernt klettern wiederum andere auf den Stadtmusikanten herum: Im Hanseatenhof steht ein Stadtmusikanten-Karussell für Kinder. Die Tiere müssen als Sitzgelegenheit des Fahrgeschäfts herhalten. Angetrieben wird der Spielspaß nur durch Muskelkraft. Auch im Bürgerpark müssen die vier Tiere so einiges aushalten. Hier dienen sie als massive Klettermöglichkeit auf einem Spielplatz.

Stadtmusikanten sind eigentlich nicht in Bremen beheimatet

Bremer Stadtmusikanten

Das Märchen der Gebrüder Grimm ist aus dem Stadtbild Bremens nicht mehr wegzudenken. Ob als Wandbild in der Bischofsnadel, ob als Hauswandrelief am Herdentor, auf Verteilerkästen, als Weserradweg-Hinweisschilder, lesend in der Stadtbibliothek, als Einzelskulpturen in Osterholz-Tenever oder als Janosch-Zeichnung im Goldenen Buch der Stadt: Wer mit offenen Augen durch die Stadt geht, wird sie schnell überall entdecken. Und auch im Umland. In Syke sind an einer Hauswand die Huf-, Pfoten- und Fußabdrücke der vier Helden in einer Bronze verewigt – als Zeichen, dass sie hier auf ihrem Weg in die Stadt vorbeigekommen sind.

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  • Sebastian Heidelberger

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 3. Juli 2019, 19:30 Uhr