Cold Cases: Bremer Profiler auf der Spur ungelöster Mordfälle

Audio vom 13. September 2021
Eine Polizeiabsperrung vor einem Park in einem Grüngelände
Bild: Imago | localpic
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Warum hat jemand gemordet? Was waren die Beweggründe? Axel Petermann ging drei mysteriösen Fällen nach, an der sich die Kriminalpolizei zuvor die Zähne ausgebissen hatte.

Axel Petermann war früher Leiter der Mordkommission in Bremen und hatte schon mit vielen Gewalttaten zu tun. Trotz der Geständnisse der Täter hat ihm bei seiner Arbeit immer eins gefehlt: Zu verstehen, warum Menschen in bestimmten Situationen töten. Bei der Bremer Polizei hat er die Dienststelle für operative Fallanalyse mit aufgebaut, was zu Beginn bei den eigenen Kollegen nicht nur auf Verständnis stieß. Inzwischen ist der pensionierte Kriminalist Petermann einer der bekanntesten Fallanalytiker, wie Profiler in Deutschland genannt werden. Und hat in seinem neuesten Buch "Im Auftrag der Toten" in drei bis dato ungelösten Mordfällen ermittelt.

"Grundlage dafür ist, sich intensiv mit den Spuren am Tatort auseinandersetze, mit den Verletzungen, mit der Todesart eines Opfers, um die Sprache des Täters zu verstehen", sagt Petermann. Es sei beispielsweise entscheidender zu schauen, was ein Täter tut, als was er sagt. Niemand müsse böse sein, um Böses zu tun. Das solle sich in seinem neuen Buch wiederfinden, erklärt Petermann. Und "dass es nicht immer nur die Fremden sein müssen, die Verbrechen begehen." Er will vermitteln, wie extrem Menschen in Extremsituationen plötzlich ticken können.

Die Sprache des Täters verstehen

Der Bremer Pionier des Profilings hat auch nach seiner Pensionierung 2014 nie aufgehört, zu ermitteln. Gemeinsam mit seiner Frau ist er Botschafter der Hilfsorganisation ANUAS, die Angehörige unterstützt, die Menschen bei Gewalttaten verloren haben. Seine Erfahrung und sein Spürsinn sind immer wieder gefragt, wenn es darum geht, rätselhaften Verbrechen und ungeklärten Taten nachzuspüren. Er möchte Angehörigen dabei helfen und Antworten liefern, wenn das offizielle Ermittlungsergebnis unbefriedigend ist.

Er nimmt sich solcher Fälle pro bono, also unentgeltlich, an, allerdings mit der Bedingung, über die Fälle schreiben zu dürfen. Drei davon beschreibt er in seinem neuen Buch.

Cover des Buches von Axel Petermann "Im Auftrag der Toten"
Auf der Spur von "cold cases": Axel Petermann. Bild: Heyne

Eine Familie will nicht glauben, dass sich ihre Tochter in Athen selbst getötet haben soll. Dann ist da der Mann, der seine Lieblingstante erstochen haben soll und das vehement bestreitet. Und es geht um den mysteriösen Tod von zwei jungen Mädchen in der Schweiz. "Die Fälle haben mich so berührt, dass ich gesagt habe, da muss ich versuchen, etwas Licht ins Dunkel zu bringen", so Petermann. Drei Jahre war er damit befasst. War an den Tatorten, in Athen, auf Kreta, wiederholt in der Schweiz und in München.

Bei seinen privaten Ermittlungen läuft der Autor nicht immer in offene Arme. Elementar sei die Einsicht in die Ermittlungsakten, die ihm in der Schweiz beispielsweise verwehrt wurde. Bekommen hat er sie dann über Umwege. Ohne Akten gehe es eben nicht, erklärt er, "man kann gar nicht in die Tiefe gehen und seriös recherchieren". Im Münchener Fall hatte er die kompletten Akten und doch waren nicht alle begeistert, denn am Ende zog er daraus ein völlig anderes Resümee als die damaligen Ermittler.

"Das ist aber auch nicht meine Aufgabe", so Axel Petermann. Er sei dafür da, um herauszufinden, was geschehen ist, ob ein Verdächtiger die Tat begangen haben kann und, so sagt er, "jemandem dann auch auf den Kopf zu sagen: Du bist es gewesen".

Autorinnen und Autoren

  • Ansgar Langhorst Moderator
  • Wolfgang Rumpf Moderator
  • Johanna Kroke

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Vormittag, 13. September 2021, 11:10 Uhr