Adieu Stoffmaske? Eine Bremerin mit einer Hommage in 7 Punkten

War's das vorerst mit den bunten Stoffmasken? Unsere Autorin Marike Deitschun hat ihre vielen Masken geliebt – denn sie erinnern sie an Menschen und Momente.

An einer Leinen hängen viele bunte Stoffmasken.
Eine Maske aus Bayern hat unsere Autorin noch nicht – obwohl sie dort geboren ist. Bild: Imago | Future Image

Medizinische Masken müssen jetzt in vielen Bereichen des Lebens in Bremen und Bremerhaven getragen werden. Bedeutet das, die teils kreativen Stoffmasken sind Geschichte? Vorweg gesagt: Ich besitze relativ viele Stoffmasken. Für mich stand das Pandemie-Symbol auch für Nachhaltigkeit, Mode und war irgendwie auch eine Art Statement. Ich liebe alle meine Stoffmasken. Alle meine 14 Stück.

1 Aussortiert: Meine allerersten Masken

Meine ersten drei Masken habe ich im Frühjahr gekauft. Ein rechteckiges Modell aus einem einfachen zweilagigen Stoff. Diese trage ich schon seit dem Sommer nicht mehr, obwohl sie mir doch irgendwie noch gefallen – also farblich und vom Stoff her. Ihr Nachteil: Sie haben keinen Metallbügel an der Nase. Für mich als Brillenträgerin ein echtes Mund-Nasen-Schutz-No-Go.

2 Selbstgnäht: Nicht in Serie

Eine Frau mit Brille und einer Stoffmaske mit Katzen drauf
Fünf Stunden hat es gedauert, diese Maske zu nähen. Bild: Radio Bremen | Marike Deitschun

Als im Frühjahr alle anfingen Masken selbst zu nähen, habe auch ich meinen Bastel-Nähkasten geöffnet und damit begonnen. Für ein handgenähtes Mundstück aus einem alten weißen T-Shirt und buntem Motivstoff mit kleinen Katzen drauf habe ich rund fünf Stunden gebraucht – begleitet von unzähligen Pressekonferenzen im Fernsehen zum Thema Corona. Nach drei von mir selbstgenähten runden Masken, die eher wirkten wie ein Maulkorb, war Schluss. Keine Serien-Produktion. Die Erinnerung bleibt – an die kurze kreative Phase und das Glücksgefühl, etwas selbst gemacht zu haben.

3 Lieblingsmaske: Hauptsache Pünktchen

Meine Lieblingsmaske wurde aber Maske Nummer sieben: Klassisch schwarz mit weißen Punkten. An den grauesten Tagen kam sie zum Einsatz und verdeckte mein Gesicht unter Mütze, Schal und dicker, zugezogener Winterjacke. Zwischen all den wettervermummten, masketragenden Bremerinnen erkennen mich meine Freundinnen an genau dieser Maske. Sie erinnert mich an den Sommer.

Wie oft habe ich sie gewaschen, ausgekocht und getrocknet. Wenn es schnell gehen musste, kam mein Föhn zum Einsatz. Ohne diese Maske wollte ich meine Wohnung nicht verlassen. Jetzt liegt sie meist traurig auf der Heizung im Flur. Die Maske aus dem Viertel passt einfach zu mir und zu allem, was auch Punkte trägt. Und das ist nicht wenig – betrachtet man meinen Kleiderschrank mal genauer.

4 Hochzeitsmaske: Individuell mit Herzchen

Eine Frau mit Brille und Maske auf der "Trauzeugin" steht
Nicht sehr praktisch, aber mit Aussage: Trauzeugin 2020. Bild: Radio Bremen | Marike Deitschun

Dann ist da die blaue Maske mit weißen Herzen, die ich als Trauzeugin im Juni trug. Passend zu Kleid, Frisur und Anlass sagten die Herzchen:" Love will never be cancelled". Als Trauzeugin habe ich noch selbst Masken gestaltet – für die kleine Runde von zehn Hochzeitsgästen. Für jeden individuell beschriftet mit Funktion und Herzchen. Braut, Bräutigam, Trauzeugin, Schwiegermutter. Für mich sind meine Masken Erinnerungen an Menschen und Momente. Zu Hause im Homeoffice bleibt mein Gesicht nackt. Nur im Kontakt mit Freunden und Fremden kommen meine Masken zum Einsatz. Je seltener, je schöner.

5 Statement-Maske: Das bin ich

Ein Mann mit Bart trägt eine Mund-Nasen-Maske mit dem Logo von Radio Bremen in den Farben der verschiedenen Wellen und Redaktionen.
Auf einer Seite das Logo von Radio Bremen jeweils in den Farben der verschiedenen Wellen und Redaktionen. Auf der anderen Seite der Schriftzug "Radio Bremen". Bild: Radio Bremen | Birgit Reichardt

Im Herbst bekam ich eine Maske von Radio Bremen. Nicht die erste, die etwas über mich aussagt. Schon zuvor habe ich die ein oder andere Solidaritäts-Maske mit Aufdruck erstanden, um zu sagen: Ja, Bremer Konzerte sind mir verdammt wichtig. Oder: Ich will, dass diese Kulturräume bleiben und bin bereit, sie zu unterstützen. Diesen innersten Wunsche habe ich als Maske auf die Straße getragen und lächle unter der Maske vor mich hin, wenn ich andere Bremer sehe, die auch Position beziehen.

6 Für jede Gelegenheit die perfekte Maske

Im Laufe der Corona-Pandemie fing ich an, je nach Gelegenheit unterschiedliche Masken zu tragen: Die Stoffmaske mit den Punkten zum Spazierengehen, die vom Arbeitgeber auf beruflichen Terminen. Und: Immer wenn ich eine Situation – wie im Supermarkt oder in der Straßenbahn – nicht einschätzen konnte, griff ich zur FFP2-Maske. Leider nicht waschbar und trotz Make-Up und Lippenstiftflecken mit der richtigen Pflege mehrmals verwendbar.

Eine medizinische Maske habe ich nie besessen. Dem Kauf stand die Nachhaltigkeit im Weg. So offensichtlich sind diese Masken als Einwegprodukt konzipiert, dass ich lieber gleich zur FFP2-Maske griff. Zwar werden FFP2-Masken auch als Einwegprodukt entworfen, für mich bieten sie aber einen besseren Schutz, sie sind einfach robuster.

7 Das Maske-Brille-Ohrringe-Kopfhörer-Mützen-Getüddel

Und noch heute nehme ich vier Dinge mit, wenn ich meine Wohnung verlasse: Schlüssel, Geldbeutel, Smartphone und den Plastikbeutel mit den Masken. Bald kommt die OP-Maske dazu. Ganz aussortieren werde ich meine Stoff-Masken aber noch nicht, frisch gewaschen bleiben sie in meiner Handtasche für den Notfall: Besser als nichts.

Bis zum Ende der Pandemie bleibt mir nun auch mit medizinischen Masken ein Ziel. Ohne Getüddel die Maske einhändig auf und absetzen. Und das mit Brille, Ohrringen, Kopfhörer und Mütze. Wenn ich das geschafft habe, dann ist die Pandemie hoffentlich vorbei und all meine Masken werden Erinnerungen.

Autorin

  • Marike Deitschun Autorin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 24. Januar 2021, 19:30 Uhr