Radio-Bremen-Krimipreis für Anne Holt und Jan Costin Wagner

Ein weißer Handabdruck auf rotem Hintergrund (Symbolfoto)
Bild: iStock | photochecker

Heute werden gleich zwei Autoren geehrt: Anne Holt und der Preisträger des Vorjahres Jan Costin Wagner, da seine Gala damals coronabedingt ausgefallen war.

In diesem Jahr werden bei der Radio-Bremen-Kriminacht gleich zwei Krimipreise verliehen: Der Radio-Bremen-Krimipreis 2021 geht an Anne Holt, der Krimipreis 2020 wird Jan Costin Wagner übergeben. Die Gala musste im vergangenen Jahr coronabedingt ausfallen. Die Preisverleihung findet heute Abend um 20 Uhr im Foyer des Bremer Theater statt. Neben Lesungen aus dem prämierten Werken und gibt es auch Livemusik sowie ein Werkstattgespräch mit Jan Costin Wagner, Anne Holt und dem Krimi-Autor Gerhard Henschel über das Krimischreiben.

1 Anne Holt: eine hochpolitische Krimiautorin

Porträt von Anne Holt
Bild: Margarethe Miljeteik
Bild: Margarethe Miljeteik

Die Autorin Anne Holt erhält die Auszeichnung zum einen für die Klarheit, mit der sie gesellschaftlich brennende Konflikte in ihren Romanen thematisiert: von rechtsradikalen Terroranschlägen über Attentate auf hochrangige Politikerinnen bis zu Doping und Intrigen in einem mächtigen Sportverband. Zum anderen hat Anne Holt die Jury mit ihren liebevoll und treffsicher gezeichneten Figuren überzeugt, mit denen sie ihrer Zeit immer wieder voraus war. So schuf sie mit der Figur der Hanne Wilhelmsen schon Anfang der neunziger Jahre eine lesbische Ermittlerin, die später angeschossen wird und im Rollstuhl ermittelt – zu einem Zeitpunkt, als Diversity im bundesdeutschen Bewusstsein noch keine große Rolle spielte. Schon 2013 schrieb Anne Holt gemeinsam mit ihrem Bruder, einem Kardiologen, über einen Fußballspieler, der auf dem Spielfeld mit Herzversagen zusammenbricht – ein Szenario, das Ereignissen der zurückliegenden EM vorgriff.

Zur Person

Anne Holt, geboren 1958, wuchs in Norwegen und in den USA auf. Heute lebt sie mit ihrer Frau in Oslo. Ihr Lebenslauf scheint wie gemacht für eine Krimi-Autorin: Nach ihrem Studium der Rechtswissenschaften arbeitete sie einige Zeit als Polizeijuristin und Rechtsanwältin. 1996 wurde die Sozialdemokratin Norwegens Justizministerin. Wegen einer Erkrankung legte sie das Amt allerdings wenige Monate später nieder.

Die mehrfach preisgekrönten Kriminalromane der norwegischen Kriminalautorin werden in alle großen Sprachen übersetzt. Mit mehr als sieben Millionen verkauften Exemplaren gilt sie weltweit als eine der erfolgreichsten skandinavischen Autorinnen. Zwei ihrer Serien wurden erfolgreich verfilmt.

2 Jan Costin Wagner: "Das Leben, das den Tod überwindet"

Jan Costin Wagner
Bild: Susanne Schleyer
Bild: Susanne Schleyer

Da die Verleihung im vergangenen Jahr coronabedingt ausfallen musste, wird in diesem Jahr auch der Preisträger von 2020, Jan Costin Wagner ausgezeichnet. Er erhält die Auszeichnung für seine genauen Beobachtungen dort, wo andere lieber wegschauen. Ihn interessiert das, was in der Kriminalliteratur selten beleuchtet wird, obwohl es immer da ist: das Trauma der Angehörigen angesichts eines Gewaltverbrechens. Über die Jury-Begründung hat er sich sehr gefreut: "Die Perspektive derjenigen, die davon betroffen sind, die Angehörigen von Opfern, die Frage, wie man mit dem Tod lebt, wie das Leben den Tod überwinden kann – das sind alles Eckpfeiler meines Schreibens und die waren in der Jury-Begründung sehr stark enthalten und das hat mich sehr gefreut."

Seit 2003 lässt Jan Costin Wagner den finnischen Kommissar Kimmo Joentaa ermitteln. Den ersten Roman hatte er noch als allein stehende Geschichte geschrieben, doch am Ende des ersten Romans wusste er schon, dass Joentaas Geschichte noch nicht zu Ende erzählt ist. Heute sei er ein wichtiger Mensch für ihn, auch wenn er fiktional sei, sagt der Autor über seinen Protagonisten. Denn Joentaa ist menschenfreundlich, schweigsam und kann gut zuhören: "Was ich an dieser Romanfigur sehr mag und am Anfang gar nicht wusste, ist, dass er über die Bücher, über die Jahre hinweg, eine eigene Art der Bewältigung entwickeln würde. Und zwar eine, die ihn dann selbst seelsorgerisch für andere Menschen da sein lässt, die ähnlich Schlimmes erleben. Er schöpft also aus seiner Trauer eine Kraft, die sehr dem Leben zugewandt ist. Und ich glaube, in gewisser Weise kreist mein ganzes Schreiben darum: Aus den schlimmstmöglichen Szenarien das rauszufiltern, was uns doch in die Lage versetzt, dem Leben zum Sieg zu verhelfen."

Wagners Frau ist Finnin, und als Wagner zum ersten Mal nach Finnland reiste, sei ihm sofort klar gewesen, dass das ein Herzensort für ihn sein würde. Hier hat er schließlich auch seine Romanserie angesiedelt: "Also für mich ist Finnland in erster Linie ein Herzensort. Eine Heimat, die für mich immer auch rätselhaft geblieben ist. Also beides zugleich: Ich fühle mich dort sehr heimisch und es hat dieses Geheimnis noch bewahrt."

Den Mitschnitt der Veranstaltung sendet Bremen Zwei am 27. Oktober 2021 um 21 Uhr.

Autorinnen

  • Hilke Theessen Moderatorin
  • Maria Klindworth Assistentin
  • Sofie Donges

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Morgen, 16. Oktober 2021, 06:55 Uhr