Das sagen Jugendliche aus Bremen zur Corona-Impfung für Schüler

Ein Jugendlicher bekommt eine Covid 19-Impfung
Viele Jugendliche in Bremen und umzu erhoffen sich durch die Corona-Impfung beinahe vergessene Freiheiten in ihrer Freizeit. Bild: Imago | Sven Simon

Gut so! Das sagen viele Jugendliche aus Bremen zur Freigabe von Corona-Impfstoffen für alle ab zwölf. Sie wollen sich impfen lassen. Doch es gibt auch Kritik.

Für Amir aus Bremen-Findorff ist der Fall klar: "Natürlich möchte ich geimpft werden. Dann kann ich wieder mit einem besseren Gefühl Leute treffen", sagt er. Damit spricht der 13-jährige vielen Jugendlichen im Land Bremen aus der Seele. Die Mehrheit freut sich darüber, dass die Europäische Arzneimittelbehörde Ema den Biontech-Impfstoff für alle ab einem zwölfjährigen Lebensalter zugelassen hat und daher demnächst auch in Deutschland alle ab zwölf gegen Corona geimpft werden dürfen.

"Macht keinen Spaß mehr, zuhause rum zu sitzen"

So sagt die 13-jährige Leah aus Bremerhaven-Wulsdorf: "Es macht keinen Spaß mehr, zuhause rum zu sitzen." Sie möchte endlich wieder in den Kletterpark gehen und an Pfadfinder-Treffen ohne Maske teilnehmen. Beides, so ihre Hoffnung, wäre mit der Impfung einfacher oder schneller möglich.

Bennit aus Bremen-Findorff, ebenfalls 13, verspricht sich von der Impfung, dass er sich wieder leichter mit Freunden treffen kann. Ohnehin wünscht er sich wieder mehr Bewegungsfreiheit. Schon länger möchte er gern im Verein Volleyball spielen. Doch die Pandemie hat ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht. Für Bennit ist klar: "Das mache ich dann nach Corona." Oder eben: nach der Impfung.

Sein Kumpel Alexander möchte zwar nicht Volleyball spielen, aber endlich wieder zum Ju-Jutsu-Training gehen. Doch an Kampfkünste und andere Kontaktsportarten war zuletzt nicht zu denken. Ebenso wenig ans Schwimmen.

Ich wäre gern mal wieder in einem Schwimmbad.

Alexander (13 Jahre)

All dies unternähme er umso lieber, wenn er geimpft wäre: "Ich würde mich dann einfach sicherer fühlen", sagt Alexander.

Impfungen könnten Zeltfahrt erleichtern

Teenager im Schwimmbad, werden mit dem Mobiltelefon fotografiert
Endlich wieder ins Schwimmbad! Davon träumen derzeit viele Jugendliche in Bremen und umzu. Auch deshalb wollen sie geimpft werden. Bild: Imago | fStop Images

Wie ihm, so scheint es vielen Jugendlichen aus Bremen und umzu im zweiten Jahr der Pandemie vor allem um Sicherheit zu gehen. Das Wort fällt immer wieder. Sicherheit sei das A und O, sagt etwa auch der 17-jährige Mathis aus Bremerhaven-Leherheide. Als Jugendbetreuer bei den "Falken" hat er die erste Impfung bereits bekommen.

Jetzt hofft er, dass möglichst viele Jugendliche, auch solche, die jünger sind als er, bald geimpft werden. "Wir wollen mit einer kleinen Gruppe ins Zeltlager fahren", verrät er seine Pläne für die Sommerferien. Die Chancen dafür, dass die Fahrt nicht nur irgendwie, sondern halbwegs unbeschwert standfände, wäre umso größer, je mehr Jugendliche geimpft wären, sagt Mathis.

Mit dieser Position steht er nicht allein da. Auch der 15-jährige Raul aus Bremen-Findorff wünscht sich "mehr Freiheit, ohne ein blödes Gefühl haben zu müssen." Er möchte im Sommer mit seinem Vater in die Türkei fliegen. "Wenn ich dann geimpft wäre, würde ich mich sicherer fühlen", sagt er dazu. Auch sei er es leid, sich ständig Corona-Tests zu unterziehen und mit einer Maske herumzulaufen.

"Ich möchte anderen nicht den Impfstoff wegschnappen"

Zwei Teenager im Kimono beim Kampf
Die Sehnsucht nach Kontaktsport ist bei vielen Jugendlichen in Bremen offenbar groß. Bild: Imago | Chromorange

Auch für den 16-jährigen Devante aus Bremen-Vahr steht fest, dass er sich gegen das Coronavirus impfen lassen möchte. "Ich möchte mich endlich wieder vernünftig mit Freunden in Clubs treffen", sagt er. Auch sähe er gern mal wieder ein Kino von innen, verfolge ein Konzert oder nähme am Judo-Training teil.

Bei allem Freiheitsdrang sei jedoch auch klar, dass es gerecht zugehen müsse. Er wisse, dass der Impfstoff knapp sei und er daher wohl noch eine Weile warten müsse, ehe er an die Reihe käme.

Der 12-jährige Taylan aus Bremen-Findorff sagt aus diesem Grund sogar: "Ich möchte anderen nicht den Impfstoff wegschnappen." Er fände es besser, wenn zuerst alle an die Reihe kämen, für die Corona besonders gefährlich sei. "Aber dann will ich mit der ganzen Familie in den Freizeitpark", fügt er hinzu.

"Ich möchte mich nicht impfen lassen"

Doch so sehr sich offenbar die meisten Jugendlichen in Bremen und umzu darüber freuen, dass in Deutschland bald alle ab zwölf gegen Corona geimpft werden können, gibt es doch auch einige kritische Stimmen. So hat der 13-jährige Thoralf aus Weyhe Bedenken, wenn es um das Impfen geht

Ich möchte mich gar nicht impfen lassen.

Thoralf (13 Jahre)

Zwar fehlten auch ihm, wie vielen anderen, die gemeinsamen Orchesterproben und ähnliche Aktivitäten. Doch die Langzeit-Nebenwirkungen, die eine Corona-Impfung bei Jugendlichen haben könnten, seien noch nicht ausreichend gut untersucht worden, sagt Thoralf. Also wolle er zumindest noch warten, ehe er sich selbst impfen lasse. Sollte neben der Europäischen Zulassungsbehörde Ema auch die Ständige Impfkommission (Stiko) die Impfung für alle ab zwölf Jahren empfehlen, so würde er noch einmal darüber nachdenken.

Ob es aber tatsächlich dazu kommen wird, ist zumindest fraglich. So hat Stiko-Chef Thomas Mertens am Freitagnachmittag gegenüber dem NDR erklärt, dass sich die Stiko nicht von der Politik und auch nicht durch die Entscheidung der Ema unter Druck setzen lassen wolle.

Es muss geklärt werden, welchen Nutzen die Kinder selber von der Impfung haben und ob sich eine klare medizinische Indikation ergibt.

Thomas Mertens, Ständige Impfkommission

Bleibt es beim Nebeneinander von Impfzentren und Impfen beim Hausarzt?

Video vom 27. Mai 2021
Eine Aufnahme eines Arms, der geimpft wird.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

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  • Alexander Schnackenburg Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 28. Mai 2021, 18 Uhr