Mehr Geld für Beschäftigte im Bremer Gastgewerbe

  • Tarifausschuss stimmt Allgemeinverbindlichkeit zu
  • Aktueller Tarifvertrag gilt künftig für alle im Gastgewerbe
  • 20.000 Beschäftigte bekommen höhere Löhne
Eine Kellnerin nimmt die Bestellung von 2 Gästen auf einer Terasse auf.

Mit der Zustimmung des Tarifausschusses kann der Bremer Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD) den Tarifvertrag im Hotel- und Gaststättengewerbe für allgemeinverbindlich erklären. Den Antrag auf die Allgemeinverbindlichkeit hatten die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (GNN) und der Arbeitgeberverband Dehoga gestellt.

Allgemeinverbindlichkeit bedeutet, dass sich jeder Arbeitnehmer der Branche auf diesen Tarifvertrag berufen kann — egal, ob er in einer Gewerkschaft organisiert ist oder nicht.

Der Tarifausschuss muss der Allgemeinverbindlichkeit zustimmen, damit sie umgesetzt werden kann. Der Ausschuss selbst setzte sich aus Vertretern der Arbeitnehmer- und Arbeitgeberseite zusammen.

Diese Nachricht freute am Montag auch die Arbeitnehmerkammer. Schließlich bedeutet sie, dass in Zukunft alle rund 20.000 Beschäftigten im Gastgewerbe im Land Bremen höhere Löhne bekommen würden.

Die beschlossene Allgemeinverbindlichkeitserklärung ist ein wichtiger Meilenstein, um Lohndumping zu verhindern und die Branche attraktiver für Fachkräfte zu machen.

Ingo Schierenbeck
Ingo Schierenbeck, Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer Bremen

Die Arbeitnehmerkammer schätzt, dass so der sinkenden Tarifbindung entgegengetreten werden kann.

Mehr als 20.000 Beschäftigte im Bremer Gastgewerbe

Laut der Kammer wächst das Gastgewerbe im Land Bremen. In den vergangenen zehn Jahren sei die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze um fast 50 Prozent gestiegen. Aktuell seien es fast 10.000 solcher Beschäftigten in Bremen. Dazu kämen noch einmal mehr als 10.000 Minijobber. Jedoch müssten 13 Prozent der sozialpflichtig Beschäftigten ihr Einkommen durch staatliche Hilfe aufstocken — sonst würde es nicht reichen. Gerade deshalb sei die Allgemeingültigkeit des aktuellen Entgeldtarifvertrages wichtig, so die Arbeitnehmerkammer.

Bislang sei der Durchschnittslohn eines Vollzeitbeschäftigten in dieser Branche am niedrigsten — er lag bei gerade einmal 2.080 Euro brutto im Monat. Fast drei Viertel der Arbeitnehmer würden zum Niedriglohn arbeiten.

Auch das Risiko der Altersarmut ist im Gastgewerbe besonders hoch. Das ergab eine Mitgliederbefragung "Koordinaten der Arbeit", die 2017 von der Arbeitnehmerkammer vorgenommen wurde. Damals gaben mehr als 55 Prozent an, im Alter auf Unterstützung Dritter angewiesen zu sein. Der Branchendurchschnitt liegt bei 31 Prozent.

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 14. Mai 2018, 19:30 Uhr