Gemeinsam trotz Corona: So wird aus der Abstandsregel Kunst

Das Projekt "2 Meter Kunst" soll Künstler, Kneipiers und Spaziergänger im Viertel und der Neustadt in der Corona-Krise zusammenbringen. Eine wichtige Regel bleibt stets gewahrt.

Video vom 2. Mai 2020
Zwei Meter Kunst - dieser Schriftzug wurde auf eine Fensterfront geklebt.

Gemeinsam ist man weniger allein. Das empfinden auch Bremer Künstler und Gastronomen so. Vom Corona-Lockdown wollen sie sich nicht isolieren lassen. Im Gegenteil: Eine der wichtigsten Maßnahmen, die Abstandsregel von zwei Metern, haben sie jetzt einfach in ein Kunstprojekt verwandelt. Es heißt "2 Meter Kunst". Die Idee: Fensterfronten von derzeit leeren Kneipen, Cafés und Restaurants dienen seit Dienstag für einige Wochen als Schaufenster für die Werke Bremer Maler, Illustratoren und Fotografen. Verkauft werden sollen sie kontaktlos per QR-Code.

Zwölf Gaststätten im Viertel und der Neustadt sind dabei: Litfass, Maerz, Fehrfeld, Lei, Urlaub, Horner Eck, Papp, Carlitos, Charlotte Gainsbourgh, Drittel Bar, Mêyman und Kukoon. Ausgestellt werden Malereien, Illustrationen und Fotografien, aber auch Keramik und Webereien von 14 Künstlerinnen und Künstlern. "Wir wollten ein solidarisches Projekt machen", sagt Inga Marggraf. Sie organisiert die Spaziergängerkunstausstellung mit ihrer Galerie Arrt Pop. "Die Existenzängste sind für viel Menschen sehr belastend", sagt die 31-Jährige. Sie sehe das gerade bei vielen Künstlern, aber auch Gastronomen.

Dazu zählt auch Ramona Krasnowski, Inhaberin des "Lei" am Sielwall. Als sie eines Abends per Mail von der Idee erfuhr, war sie sofort Feuer und Flamme. Am nächsten Morgen um acht Uhr rief sie bei Inga Marggraf an. "Ich finde die Idee fantastisch, ich mach sofort mit. Wann geht das los?", wollte Krasnowski wissen. Denn die Lei-Inhaberin ist in Zeiten von Corona dankbar über jede Möglichkeit, ihre Gastronomie und das Viertel lebendig zu halten. Denn das fällt von Tag zu Tag schwerer.

Für ihre neun Mitarbeiter hatte sie schon zu Beginn des Lockdowns Kurzarbeit angemeldet. "Da kam aber noch keine Nachricht", sagt sie. Vom einstigen Umsatz, das hat sie gerade nochmal ausgerechnet, macht sie derzeit 8 Prozent. Und jetzt komme das nächste Problem. "Die Leute laufen mir natürlich weg. Denn die brauchen ja Arbeit", sagt Krasnowski. Die Hälfte von ihnen habe daher schon gekündigt.

Noch keine Einmalzahlungen für Künstler

Die Schwarz-Weiß-Fotografien, die jetzt in den Fenstern ihres Restaurants hängen, gefallen der 46-Jährigen sehr. Schließlich hat sie selbst zwei Jahre in Berlin Fotografie studiert. Der Fotograf selbst, Jasper Wessel, studiert derzeit noch in Oldenburg, wohnt aber in der Bremer Neustadt. Die Bilder des 28-Jährigen – Fernsehturm, Parkhaus, Straßenbahnhaltestelle – waren eigentlich für eine andere Ausstellung gedacht. "Die ist aber wegen Corona abgesagt worden, als ich die Drucke schon bestellt hatte", sagt er.

Für Wessel ist die Fotografie vor allem ein teures Hobby. Andere Künstler müssen auch von ihren Einnahmen leben. "Ich kenne viele, die einen Antrag auf Einmalzahlungen gestellt haben", sagt Galeristin Marggraf. Bisher habe von den Künstlern, die wir jetzt ausstellen, aber noch keiner etwas bekommen.

Und umso länger es dauert, desto schwieriger wird es für sie.

Inga Marggraf, Galerie Arrt Pop

Denn auch Jobs wie Bühnenbildner, Ladenbauer oder in der Gastronomie, mit denen sie sich sonst über Wasser hielten, fielen derzeit oft weg, sagt Marggraf.

Ein kleiner Trost könnte für die Beteiligten der Verkauf eines ihrer jetzt ausgestellten Werke sein. Denn von dem Geld dürften die Künstler 70 Prozent der Erlöse behalten. 20 Prozent gehen an die Kneipen. 10 Prozent fließen darüber hinaus an die Flüchtlingshelfer von Sea-Watch.

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Autor

  • Kristian Klooß

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 29. April 2020, 23:30 Uhr