Bremer Abitur 2021: Trotz Corona besser als in den Jahren zuvor?

Audio vom 15. Juli 2021
Abiturprüfung an einem Gymnasium (Archivbild)
Bild: DPA | Sebastian Kahnert
Bild: DPA | Sebastian Kahnert

Die Sorgen waren groß. Doch es sieht besser aus als befürchtet. Lehrkräfte loben die Schüler für ihre Selbstorganisation. Und es gibt weitere Gründe für das gute Abschneiden.

Zwar hat das Bildungsressort noch nicht alle Noten aus Bremens Schulen ausgewertet. Auch fehlen dem Ressort noch die Ergebnisse aus Bremerhaven. Aber schon jetzt kann man sagen, dass Bremens Abiturientinnen und Abiturienten dieses Jahr im Durchschnitt etwas besser bei ihren Prüfungen abgeschnitten haben als in den Jahren zuvor, Corona mit all seinen Einschränkungen für den Schulbetrieb zum Trotz. Zur Orientierung: 2020 und 2019 erreichten Bremens Abiturienten im Schnitt eine 2,4 als Abschlussnote. Jetzt wird es wohl näher Richtung Zwei gehen.

Aufgrund der bislang vorliegenden Daten lasse sich sagen, dass die Ergebnisse der Schülerinnen und Schüler in Mathe, Deutsch und Englisch etwa genauso seien wie in den Vorjahren, teilt Aygün Kilincsoy aus dem Bildungsressort mit. Zumindest im Fach Biologie sei aber sogar eine erhebliche Verbesserung zu beobachten, sowohl im Leistungskurs als auch im Grundkurs, so Kilincsoy weiter.

Niedersachsen auch besser als im Vorjahr

Woran auch immer es liegt: Bremen scheint beim Abitur dem Beispiel des Nachbarlands Niedersachsen zu folgen. Dort liegt der diesjährige Notendurchschnitt der Abiturientinnen und Abiturienten bei 2,38 und ist damit etwa um eine fünftel Note besser ausgefallen als in den meisten anderen Jahren. Die jungen Menschen hätten "Enormes" geleistet, kommentierte Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) die Ergebnisse der Abschlussprüfungen. Tonne legte dabei Wert auf die Feststellung, dass Niedersachsen die gleichen Bewertungsmaßstäbe bei der Beurteilung der Leistungen zugrunde gelegt habe wie sonst. Auch die Qualität des Abis sei die gleiche.

Das gelte auch für Bremen, versichert Anke Braunschweiger, Direktorin der Wilhelm-Olbers-Oberschule in Hemelingen und Sprecherin der Schulleitungen der Oberschulen Bremens. Sie vermutet, dass auch die Durchschnittsnote der Bremer Abiturienten letztlich etwas besser sein wird als voriges Jahr. Denn Bremens und Niedersachsens Schulen hätten in der Pandemie ähnlich agiert.

Es war gut, dass unsere Schülerinnen und Schüler dieses Mal 30 Minuten mehr Zeit für die schriftlichen Prüfungen hatten.

Schulleiterin Anke Braunschweiger

Auch hätten sie davon profitiert, dass die Abiturprüfungen dieses Jahr etwas später als üblich stattgefunden hätten. "Es gab bei uns nach den Osterferien noch drei Wochen prüfungsvorbereitenden Unterricht", so Braunschweiger. In anderen Jahren gebe es nur eine Woche prüfungsvorbereitenden Unterricht. Vielleicht noch schwerer aber wiege, dass die Schülerinnen und Schüler aufgrund der Pandemie und des damit einhergehend stark eingeschränkten Freizeitangebots kaum von der Schule abgelenkt worden seien.

"Kein Sport, keine Party, keine Disco!"

Das glaubt auch Claudia Dreyer, Schulleiterin des Gymnasiums an der Hamburger Straße und Sprecherin der Gymnasien in der Stadt Bremen. "Kein Sport, keine Party, keine Disco! Was als Einschränkung empfunden wurde, könnte zum besseren Gelingen der Prüfung geführt haben", fasst sie ihre Eindrücke zusammen.

Positiv ausgewirkt habe sich auch, dass Abiturientinnen und Abiturienten in der Regel ein hohes Maß an Selbstorganisation und digitaler Kompetenz mitbrächten. Dadurch kämen sie mit Distanzunterricht meist besser zurecht als jüngere Schülerinnen und Schüler. Schließlich seien die Abschlussklassen in Bremen beim Präsenzunterricht bevorzugt worden: "Ab Anfang Mai kamen sie im letzten Jahr als erste zurück, zumindest in Halbgruppen waren sie eigentlich immer in der Schule präsent und hatten die Lehrkräfte an ihrer Seite", sagt Dreyer.

Weniger Themen in Mathe und Bio

Eine Lehrerin schreibt mit Kreide an die Tafel.
Für die Mathe-Prüfungen mussten Bremens Abiturienten dieses Jahr nicht so viel Stoff lernen wie 2020. Bild: DPA | Michael Weber

Uwe Sudmann, Leiter des Gymnasiums Links der Weser und Mitglied der Schulleitungsvereinigung Bremen, führt das gute Abschneiden der Bremer Abiturienten auch darauf zurück, dass Bremen aus Fehlern des Jahres 2020 gelernt habe.

Die Matheprüfung in Bremen war 2020 zu schwer.

Schulleiter Uwe Sudmann

Daher habe man damals sogar die Mathenoten der Schüler im Nachhinein um zwei Punkte anheben müssen. Dieses Mal dagegen habe Bremen den Themenkreis für die Prüfungen in Mathe, aber auch für Bio stärker eingegrenzt: "eine sinnvolle Veränderung", findet der Schulleiter.

Speziell am Gymnasium Links der Weser habe sich auch sehr positiv bemerkbar gemacht, dass sich die Abiturienten mithilfe der kostenlosen Lernangebote durch "Chancenwerk" zusätzlich gezielt auf die Prüfungen hätten vorbereiten können. "Diese Möglichkeit hat etwa ein Viertel unserer Abiturienten genutzt", sagt Sudmann.

Lobend äußert er sich auch zur Rolle einer Arbeitsgruppe aus Vertretern der Schulbehörde und Oberstufenleitern, die das Schuljahr vorigen Sommer sehr gut auf der Lernplattform "iIslearning" vorbereitet habe. "Diesen Austausch mit der Behörde müssen wir unbedingt auch für das kommende Schuljahr fortsetzen", sagt Sudmann. Denn wegen des ungewissen Fortgangs der Pandemie müsse man damit rechnen, dass auch das kommende Schuljahr für alle Beteiligten, insbesondere für Abiturienten schwierig werde. Dennoch sei er zuversichtlich: "Wir sind jetzt alle viel weiter, gerade beim Distanzunterricht", sagt er.

Das Bildungsressort will es genau wissen und befragt die Schulen, was zum guten Abschneiden der Abiturienten beigetragen hat und was sich daraus für die Zukunft lernen lässt. Die Ergebnisse sollen im September vorgestellt werden.

Rückblick April: So bereiten sich Bremer Schüler auf das Abi vor

Video vom 23. April 2021
Eine Abschlussklasse ist im Präsenzunterricht im Klassenraum anwesend. Alle tragen Masken und haben ihre Tablets bei sich.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

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  • Alexander Schnackenburg Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Vier, Vier News, 15. Juli 2021, 12 Uhr