Was folgt auf Karstadt? Die ungewisse Zukunft der Bremer Warenhäuser

Karstadt in Bremerhaven, Kaufhof in der Papenstraße und wohl auch Karstadt Sports in der Sögestraße: Das Land Bremen verliert fast alle Warenhäuser. Wie geht es weiter?

Logo Galeria Kaufhof und Karstadt an einer Häuserfassade (Montage)
Muss bundesweit bis zu 62 große Warenhäuser und 20 Karstadt Sports-Filialen schließen: der Konzern Galeria Karstadt Kaufhof. Bild: Radio Bremen/Imago | Martin von Minden

Noch liegen den Vermietern die Kündigungen aus der Galeria Karstadt Kaufhof-Zentrale in Essen gar nicht vor. Nicht der Frankfurter Immobiliengesellschaft DIC Asset AG, der das Kaufhof-Gebäude in der Bremer Papenstraße gehört, und auch nicht der Bremer Ruddat GmbH und Co. KG, die die Immobilie von Karstadt Sports in der Sögestraße ihr Eigen nennt.

Entsprechend zurückhaltend äußern sich Sprecher beider Immobiliengesellschaften gegenüber buten un binnen: Man müsse die Nachricht erst einmal verifizieren. Ein Nachnutzungskonzept könne man nicht einfach so aus dem Ärmel schütteln und habe es auch nicht in der Schublade liegen. Klar sei aber: Lange Leerstände gelte es unbedingt zu vermeiden, was allerdings auch möglich sein sollte, seien ihre Immobilien doch sehr attraktiv. Fragt sich: Für wen?

Wende für Warenhäuser

Denn die große Zeit der Warenhäuser ist vorüber. Insbesondere der Online-Handel hat ihnen den Rang abgelaufen. Das belegen diverse Studien. Entsprechend war die Lage der Warenhäuser schon vor Aufkommen der Corona-Pandemie angespannt, noch ehe Galeria Karstadt Kaufhof ankündigte, bis zu 62 seiner großen Warenhäuser zu schließen, darunter jenes in der Bremer Papenstraße und das einzige Warenhaus Bremerhavens in der Bürgermeister-Smidt-Straße.

Eingang Karstadt Sports
Wird der Bremer Sögestraße wahrscheinlich verloren gehen: Karstadt Sports. Bild: Imago | Sabine Gudath

Auch 20 Karstadt Sports-Filialen soll es – Stand heute – treffen, wahrscheinlich auch jene in der Bremer Sögestraße. Bereits in der ersten Juli-Woche muss Galeria Karstadt Kaufhof ein Sanierungskonzept für den im Schutzschirmverfahren befindlichen Konzern bei Gericht einreichen.

Mahnmal Hertie in Delmenhorst

Die Hertie-Ruine in Delmenhorst (Archivbild)
Der Alptraum in der Nachbarschaft: die Hertie-Ruine in Delmenhorsts Fußgängerzone. Bild: DPA | Carmen Jaspersen

Was Bremen und Bremerhaven danach im schlechtesten Fall blühen könnte, davon zeugt im benachbarten Delmenhorst seit nunmehr elf Jahren das leerstehende Hertie-Gebäude inmitten der Fußgängerzone. Zugleich lässt der Anblick erahnen, wie schwer es mittlerweile sein muss, Nachmieter für leerstehende Warenhäuser zu finden. Dabei mangelt es nicht an Ideen. "Vielleicht muss man Warenhäuser heute kleiner denken", sagt etwa Jan König, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Nordwest.

Auch Jens Ristedt, Vorsitzender der Cityinitiative Bremen Werbung, glaubt: "Es kommt für Warenhäuser nicht mehr so sehr auf Größe, sondern eher auf Kleinteiligkeit und Individualität an." Ristedt kann sich daher vorstellen, dass zur Nachnutzung eines Warenhauses ähnliche Ladenkonzepte infrage kommen, wie sie in Einkaufszentren auf der grünen Wiese Gang und Gäbe sind: Statt eines großen teilen sich dort viele kleine Mieter die Verkaufsflächen.

Kauft Zech Kaufhof-Immobilie in der Papenstraße?

Die Außenfassade des Galeria Kaufhof Gebäudes in der Bremer Innenstadt.
Steht vor einer ungewissen Zukunft: Das Kaufhof-Gebäude in der Bremer Papenstraße.

Insbesondere im Fall des Kaufhof-Gebäudes in der Papenstraße erscheinen derzeit allerdings noch viele andere Szenarien denkbar. Bereits im vorigen Herbst hat sich der Bremer Unternehmer Kurt Zech mit der derzeitigen Eigentümerin des Gebäudes, der Frankfurter Investmentgesellschaft DIC Asset AG, darauf verständigt, dass er die Immobilie bei seinen Plänen für die Umgestaltung der Bremer City einbeziehen darf. Zech ist bereits der Haupteigentümer der Karstadt-Immobilie Ecke Obernstraße/Sögestraße sowie des Parkhauses Bremen Mitte, das abgerissen werden soll.

Dass er nun das Kaufhof-Gebäude in der Papenstraße nicht einfach nur in Pläne einbeziehen, sondern kaufen wird, halten Branchenkenner für eine ziemlich wahrscheinliche Variante, zu der sich derzeit allerdings weder die Zech Group noch die DIC Asset AG äußern möchten. Sollte es zu dem Deal kommen, könnten Zechs Pläne von einer City Galerie mit neuen Rundwegen um die Lloyd-Passage erheblich an Dynamik gewinnen. Denkbar wäre eine Mischnutzung aus Handel, Gastro und Wohnen auf dem Areal.

Doch so weit ist es noch nicht. Dem Vernehmen nach noch bis zum 31. Oktober residiert Galeria Karstadt Kaufhof in dem Gebäude wie auch einige Untermieter. Zusammen belegen sie etwa 40 Prozent der Immobilie, teilt Peer Schlinkmann, Sprecher der DIC Asset AG mit.

Saturn möchte Papenstraße nicht räumen

Der wohl bekannteste dieser Untermieter sitzt in den beiden oberen Etagen: Saturn. Und einfach so das Feld räumen möchte die Elektronikkette offenbar nicht. Eine Sprecherin des Unternehmens teilt mit: "Aktuell prüfen und bewerten wir die Situation und befinden uns hierzu auch in Gesprächen mit allen Beteiligten. Der Standort des Saturn-Marktes in der Papenstraße ist für unsere Kunden absolut relevant und damit auch für uns weiterhin interessant."

Wie Saturn, so möchte einem Bericht des "Weser-Kurier" zufolge auch der zweitgrößte Untermieter im Gebäude, Edeka Bredow, "nicht kampflos" den Standort in der Papenstraße aufgeben.

Bremerhaven hofft auf Deutschen Städtetag

Die Filiale von Karstadt in Bremerhaven.
Wird eventuell demnächst abgerissen: Karstadt in Bremerhaven.

Doch so viele Fragen rund um Galeria Karstadt Kaufhof in Bremen daher vorerst offen bleiben – in Bremerhaven ist die Lage noch vertrakter. Bei den Überlegungen für die Neugestaltung der Innenstadt ist offenbar ein Abriss des Karstadt-Hauses nicht ausgeschlossen.

Nach Informationen von buten un binnen werden in Gesprächen mit Eigentümern und Investoren mehrere Optionen geprüft. Bremerhavens Oberbürgermeister Melf Grantz möchte am heutigen Donnerstag an einem Treffen des Städtetags teilnehmen. Es gehe darum, dass sich die Städte abstimmen, um gemeinsam gegenüber Galeria Karstadt Kaufhof sowie den Immobilieneigentümern aufzutreten und zu retten, was zu retten ist. Die Städte befürchten ein Ausbluten der Fußgängerzonen.

Autoren

  • Alexander Schnackenburg
  • Dirk Bliedtner

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 22. Juni 2020, 19.30 Uhr