Infografik

Darum bleiben einige Paare länger zusammen als andere

Die Statistiken zeigen, dass viele Ehen in Bremen nach fünf Jahren in die Brüche gehen. Was ist dann das Geheimnis langer Beziehungen? Eine Expertin antwortet.

Ein älteres Paar steht vor einer Fensterscheibe.
Wer auch bei Auseinandersetzungen dem Partner gegenüber fair bleibt, hat laut Wissenschaftlern bessere Chancen, längere Beziehungen zu führen. (Symbolbild) Bild: DPA | Robert Kneschke

Genau 3.117 Bremer Paare haben sich das Jawort im Jahr 2019 gegeben, das zeigen die Daten des Statistischen Bundesamtes. Gleichzeitig haben sich 1.106 Paare im kleinsten Bundesland scheiden lassen. Die meisten Scheidungen gab es nach nur fünf Jahren Ehe. Wie schaffen es Paare aber, langfristig zusammenzubleiben? Gibt es dafür ein geheimes Erfolgsrezept? buten un binnen hat eine Paarberaterin gefragt.

Frau Fuchs, viele Beziehungen enden bereits nach kurzer Zeit, andere nach wenigen Jahren. Dann gibt es jedoch Menschen, die bis zum Lebensende zusammenbleiben. Wie kriegen sie das hin? Was ist ihr Geheimnis?
Die Literatur zu diesem Thema füllt mittlerweile Bibliotheken. Laut John Gottman, dem wichtigsten Forscher auf diesem Gebiet, ist vor allem eines wichtig: Wie Paare auf Konflikte reagieren. Dass sie es schaffen, auch während einer Auseinandersetzung in einem positiven, freundlichen, emotionalen Ton zu bleiben – ohne gegenseitige Anklagen und Vorwürfe. Und wichtig ist auch, dass man überhaupt mit Konflikten umgeht – und sie nicht totschweigt.
"Geheimnis" ist übrigens auch ein gutes Stichwort: Es ist gar nicht schlecht, wenn Paare Geheimnisse voreinander haben. Dass man eine absolute, hundertprozentige Transparenz in der Beziehung braucht, ist ein Missverständnis. Es ist gut, wenn der Partner ein wenig geheimnisvoll bleibt. Damit meine ich aber natürlich nicht, dass man bewusst etwas verheimlicht, zum Beispiel irgendwelche Sucht, Schulden oder Geliebte.
Gibt es vielleicht auch andere Elemente, die eine langlebige Beziehung fördern? Zum Beispiel, wenn die Partner sich sehr ähnlich sind?
Man muss nicht unbedingt ähnlich sein. Aber wenn es gar nicht möglich ist, positive gemeinsame Erlebnisse zu haben, weil die Interessen extrem unterschiedlich sind, dann ist das schon problematisch. Ein Paar braucht positive, gemeinsame Erfahrungen. Oder bei der Ordnung und Sauberkeit, wenn man zusammenwohnt: Eine gewisse Übereinstimmung ist schon sehr hilfreich. Gegensätze können aber auch spannend sein, sie helfen einem, über sich hinauszuwachsen. Insofern braucht man beides.
Sie haben die Konfliktlösung als wichtigste Frage bezeichnet. Wie kann eine erfolgreiche Kommunikation aussehen?
Man braucht den Mut, oder die Bereitschaft, sich mit seiner Verletzlichkeit dem anderen anzuvertrauen. Viele Menschen haben Schwierigkeiten damit. Statt dem Partner oder der Partnerin zu sagen: "Ich brauche dich" oder "Ich habe Angst", werden sie ärgerlich und aggressiv. Weil es Furcht einflößend sein kann, dem anderen zu offenbaren, dass man verletzlich ist. Das ist dann für beide schwierig. Und man braucht Geduld. Denn manche Themen müssen immer wieder und immer wieder besprochen werden.

Scheidungen im Land Bremen im Jahr 2019

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Viele sagen, dass das Verliebtsein und die Attraktion schnell vorbei sind. Dafür wächst dann die Vertrautheit. Muss das immer so sein?
Einen Nachlass der Aufregung, der Verliebtheit gibt es auf jeden Fall. Die Unterschiede bestehen jedoch darin, auf welches Niveau sie absinken. Das ist bei Paaren sehr unterschiedlich. Manchmal sinken sie auf 90 Prozent ab, manchmal auf zehn. Und dieser Unterschied hängt von mehreren Faktoren ab.
Anziehung entsteht grundsätzlich durch eine gewisse Distanz. Diese Distanz ist aber nicht künstlich herstellbar. Sie kann nur dadurch erreicht werden, dass man eigene Aktivitäten pflegt und eigene Bedürfnisse entwickelt. Aber auf der Grundlage einer sicheren Beziehung – nicht, weil man versucht, sich dadurch interessanter zu machen.
Kann man dann eine Beziehung retten, die nicht mehr gut läuft, aber beide Partner nicht aufgeben möchten?
Ich glaube, dass es oft ein sprachliches Missverständnis gibt. Im Deutschen sagt man: "Ich habe eine Beziehung". Aber eine Beziehung "hat" man nicht. Es ist nicht etwas, das man im Supermarkt kauft. Eine Beziehung ist eher ein Verb. Etwas, das man tut. Es ist wie, wenn man in ein neues Haus einzieht: Man freut sich am Anfang, aber ein Haus muss man pflegen. Und manchmal steht eine Renovierung an, etwas ist kaputtgegangen. Das darf auf keinen Fall versäumt werden, sonst wird der Schaden immer größer. Man muss sich darum kümmern. Und manchmal muss man Hilfe suchen, um die Krise zu überwinden.

Die hollywoodreife Liebesgeschichte von Wiebke und Heinz

Video vom 12. Oktober 2020
Ein Foto eines Paares.
Bild: Radio Bremen

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Autorin

  • Serena Bilanceri

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 17. Oktober 2020, 19:30 Uhr