Wie sehr der Müll den Bremern stinkt – und was sie selbst dagegen tun

Wie sehr der Müll den Bremern stinkt – und was sie selbst dagegen tun

Audio vom 16. Juli 2021
Menschen sammeln Müll mit Zangen und Säcken (Archivbild)
Immer mehr Bremerinnen und Bremer sammeln in ihrer Freizeit Müll im öffentlichen Raum. Sie wollen sich nicht mit der zunehmenden Verschmutzung des öffentlichen Raums abfinden. Bild: DPA | David Young
Bild: DPA | David Young

Ein paar Kippen hier, zerfetzte Tüten dort: Der Müll auf den Straßen nimmt zu. Doch immer mehr Bremer tun etwas dagegen. In der Stadt sind es allein 80 Initiativen.

Ob am Bremer Werdersee oder im Speckenbütteler Park in Bremerhaven – in gewisser Weise bietet sich dem Betrachter immer öfter das nahezu gleiche Bild: jede Menge Müll. "Die Leute gehen immer schlechter mit dem öffentlichen Raum um, warum auch immer", sagt Lena Endelmann von der Bremer Stadtreinigung dazu. Durch Corona habe sich das Problem weiter verschärft. "In der Seuche ist viel Einweggeschirr in Umlauf gebracht worden", erklärt Endelmann. Die entsprechenden Plastikgabeln und Pappteller prägten das Bild in Bremens Parkanlagen.

Doch mit dem Müll im öffentlichen Raum hat auch die Zahl derer im Land Bremen zugenommen, die etwas dagegen tun. So haben sich bei der Bremer Stadtreinigung innerhalb eines Jahres rund 80 Initiativen und Privatpersonen gemeldet, die ohne Bezahlung, aus eigenem Antrieb regelmäßig Müll auf den Straßen und in den Grünanlagen sammeln. Einfach, damit Bremen ein bisschen sauberer wird.

"Mega eklige Kippen"

Zu den Aktivisten zählt auch Marcel aus Blumenthal. Er macht beim so genannten Kippen-Marathon mit, der am Wochenende beginnt, und bei dem es darum geht, so viele Kippen wie möglich auf den Straßen Bremens zu sammeln und dem Recycling zuzuführen.

"Ich muss gestehen: Als Jugendlicher war ich auch so naiv und hab relativ viel auf den Boden fallen gelassen." Heute, als Erwachsener denke er anders. Denn sein Sohn sei elf Monate alt. Die Vorstellung, dass er eine Kippe vom Boden aufheben könnte, um sie in den Mund zu nehmen, findet Marcel "mega eklig".

Daher hat sich Marcel als Solo-Sammler bei der Bremer Stadtreinigung online angemeldet. Wer das macht, bekommt Sammelequipment wie eine Zange, Handschuhe und Müllsäcke gestellt. Immer mehr Leute tun es Marcel gleich. Und das ist auch nötig. So habe sich die Zahl der illegalen Müll-Ablagerungen in Bremen von 2014 bis 2020 etwa verdreifacht, sagt Lena Endelmann von der Stadtreinigung.

Müll auch in den Dörfern

Ein Greifer zum Müllsammeln hat sich eine Papiertüte gekrallt!
Zangen wie diese gehören zur Standardausrüstung ehrenamtlicher Putzkräfte im öffentlichen Raum. Bild: schuetz-mediendesign | schuetz-mediendesign

Aber nicht nur im Zentrum Bremens, sondern überall liegt Müll rum. Selbst in Dörfern, wie Borgfeld zumindest einmal eines war. Dort sammeln Freiwillige schon seit mehr als 30 Jahren Müll, berichtet Johannes Rehder-Plümpe vom Bürgerverein. Der Müll finde sich insbesondere in Borgfeld-Mitte und dort, wo Kohlfahrten stattfinden. Dort müssten vor allem Schnapsflaschen aufgesammelt werden: "Das ist schade", findet Rehder-Plümpe.

"Nicht mein Müll, aber mein Planet"

Gut dagegen ist, dass das bürgerliche Engagement gegen Müll zur Zeit einen neuen Schub erfährt. So engagieren sich inzwischen gut 40 Bremerinnen und Bremer aus mehreren Stadtteilen im Netzwerk "Clean up your City – Bremen", das monatlich zu Müll-Sammelaktionen in Bremen lädt. "Nicht mein Müll, aber mein Planet" lautet das Motto der Initiative.

Allerdings scheint nicht jeder dieses Motto zu verstehen. So berichtet Katrin von ihren Aufräumaktionen mit Clean up your City: "Manche Leute gucken einen echt an, als würde man hier Strafarbeit leisten." Sie aber wolle einfach nur nicht darauf warten, dass andere für sie etwas in Ordnung brächten, was sie störe.

Mit dieser Einstellung steht Katrin glücklicherweise nicht allein da. Bei der Bremer Stadtreinigung beobachtet man mit großer Freude, das sich immer mehr Initiativen und Einzelpersonen melden, um eigene Sammelinitiativen in Bremen zu gründen.

"Kippen-Marathon"

Am morgigen, 17. Juli beginnt zudem der von der Bremer Stadtreinigung, dem BUND und Clean up your City – Bremen initiierte Kippen-Marathon. Unter dem Motto "Gemeinsam für ein kippenfreies Bremen!" können dabei alle Bremerinnen und Bremer vom 17. bis 24. Juli für den eigenen Stadtteil möglichst viele Zigarettenkippen sammeln. Der Stadtteil, der am Ende die meisten Zigarettenstummel gesammelt hat, gewinnt eine Spendensumme von 3.000 Euro für ein gemeinnütziges Projekt.

Laufschuhe, Mülltüten, Handschuhe: So funktioniert Plogging

Video vom 7. April 2021
Eine Person in Sportsachen trägt Handschuhe und hebt eine Maske vom Boden auf.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Autoren

  • Mario Neumann Autor
  • Alexander Schnackenburg Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Morgen, 16. Juli 2021, 8:40 Uhr