Wie es nach dem Kohleausstieg mit der Bremer Energiewende weitergeht

Energie aus Klärschlamm oder Holz ist eine Alternative. Erdgas dagegen soll nur als Brücken-Technologie dienen. Die Zukunft könnte in kleinen Anlagen liegen.

Audio vom 7. Juli 2021
Ausblick vom Kohlekraftwerk Bremen-Hafen auf das Stahlwerk.
Bild: Folkert Lenz
Bild: Folkert Lenz

 

Das swb-Kohlekraftwerk Hafen wird heute offiziell abgeschaltet. Damit endet die Verstromung von Kohle an dem Traditionsstandort im Bremer Industriehafen nach über 65 Jahren. Wenn das Kraftwerk vom Netz geht, reduziert sich der CO2-Ausstoß von Bremen auf einen Schlag um mehr als zehn Prozent. Das reicht allerdings noch lange nicht, um die Klimaziele zu erfüllen und die Emissionen des Klimagases Kohlendioxid so schnell wie gewünscht zurückzufahren. Die Kohlekraftwerke Bremens produzieren zusammen mit dem Stahlwerk bislang mehr als die Hälfte des CO2 in der Stadt. Ab 2045 soll Deutschland klimaneutral wirtschaften. Das hat der Bundestag beschlossen. Was also tut Bremen, um den Wechsel von fossiler zu erneuerbarer Energie bei der Produktion von Strom und Wärme hinzubekommen?

Statt Kohlekraftwerk bald Klärschlamm-Verbrennung

Wer sich auf das Dach des stillgelegten Heizkessels vom Kraftwerk Hafen stellt, sieht 90 Meter tiefer die Zukunft: Dort entsteht gerade der Neubau einer Klärschlamm-Verbrennungsanlage. Vier Abwasserverbände und Energieversorger aus Bremen, dem Oldenburgischen und Ostfriesland wollen dort ab 2022 rund 1.600 Haushalte mit Strom und bis zu 2.900 Haushalte mit CO2-neutraler Fernwärme versorgen. So werden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Denn ab 2029 ist es verboten, Klärschlamm auf Felder zu kippen. Bei der Verbrennung wird zudem Wärme und Strom gewonnen.

Im äußersten Bremer Norden soll bis Anfang 2024 das Kraftwerk Farge umgerüstet werden. Noch wird im Ofen des 350-MW-Blocks Steinkohle verfeuert. Später soll es laut Betreiber Onyx Power Altholz sein: Paletten, Fußbodenbeläge oder z.B. Fenster und Türen aus Abrissgebäuden könnten per Schiff nach Farge geliefert werden. Giftiges Altholz wie Bahnschwellen sollen dort nicht verbrannt werden, verspricht Onyx Power. Die Anwohner sind allerdings skeptisch. Der Betreiber hat jetzt erste Pläne bei den Behörden eingereicht. Das Umweltressort sieht das Projekt kritisch: Weiterhin werde ja CO2 emittiert, sagt Klimaschutzsenatorin Maike Schaefer (Grüne). Außerdem will sie ein großes Augenmerk auf die Reinhaltung der Luft legen. Onyx Power kontert: Das Kraftwerk sei nötig, um Strom zu haben, wenn keine Energie aus Sonne oder Wind komme.

Kraftwerk in Bremen-Hastedt soll auch abgeschaltet werden

Im kommenden Jahr will die swb ein weiteres Kohlekraftwerk abschalten: den Block 16 in Bremen-Hastedt. 140 Millionen Euro investiert der Konzern dort in ein Erdgas-Blockheizkraftwerk, dessen Rohbau in Sichtweite des Weserwehrs schon steht. Die neun Gas-Motoren sollen 70 Prozent CO2 gegenüber dem Betrieb mit Steinkohle einsparen. Trotzdem sei das Ganze nur für einen Übergang gedacht, prognostiziert swb-Vorstand Torsten Köhne. Auf Dauer will die swb sich von fossilen Brennstoffen verabschieden. Also auch von Gas.

Müllheizkraftwerk Bremen
Das Müllheizkraftwerk am Bremer Blockland wird nach Einschätzung der swb noch länger benötigt (Archivbild). Bild: SWB AG

Köhne setzt dabei weiter auf Abfallverwertung. Trotz mehr Recyclings werde es immer genug Müll geben, ist sich der Energie-Manager sicher. So haben das Mittelkalorik-Kraftwerk im Industriehafen und das Müllheizkraftwerk der swb am Blockland wohl noch lange nicht ausgedient. Schon deshalb, weil das Müllheizkraftwerk mit dem neuen Erdgas-Kraftwerk in Hastedt per Fernwärmeleitung verbunden werden soll, um noch mehr Haushalten und Betrieben Wärme zu liefern. Im Ausbau der Fernwärme sieht die swb zumindest in Städten die Zukunft.

Jenseits von Kraftwerken aber könnten Strom und Wärme künftig vermehrt von kleineren Anlagen kommen. Die Abwärme von Produktionsbetrieben ist heute vielfach ungenutzt. Wärmepumpen sind im Kommen. Und Geothermie: Power aus der Erde. Photovoltaik und Solarzellen werden bald Standard auf Hausdächern sein – und Pflicht! So liegt die Zukunft der Energieversorgung wohl nicht mehr allein bei den Großen der Branche: Auch das ist die Energiewende.

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Autor

  • Folkert Lenz

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Morgen, 7. Juli 2021