Darum kämpft diese Bremer Ingenieurin um sauberes Wasser für alle

"Mein Wunsch ist, sauberes Wasser für jeden" – Mareike Demel

Audio vom 28. Juli 2021
Mareike Demel
Mareike Demel Bild: Radio Bremen | Hendrik Plaß
Bild: Radio Bremen | Hendrik Plaß

Mareike Demel engagiert sich bei "Ingenieure ohne Grenzen". Ein Schock seien die Armut und fehlende Wasserversorgung in anderen Ländern gewesen, sagt sie. Das will sie ändern.

Mit Mareike Demels Hilfe ist eine Regenwasser-Zisterne für die Schule in dem kleinen Dorf Kanty im westafrikanischen Land Guinea entstanden. Die Zisterne versorgt die Menschen nun mit Brauchwasser. Vorher mussten sie mehrmals täglich Wasser in 20-Liter-Kanistern über 120 Höhenmeter schleppen.

Die Leute haben uns super offen in Empfang genommen, weil das für sie ein Zeichen war, dass das Leben weitergeht.

Mareike Demel über ihren ersten Besuch in Guinea

Regenwasser in einer Zisterne zu sammeln, lohnt sich in Kanty: Während der jährlichen Regenzeit fällt dort innerhalb von fünf Monaten durchschnittlich dreimal so viel Regen, wie im ganzen Jahr in Bremen.

Hilfe zur Selbsthilfe

Im November 2015, kurz nach dem Ende der Ebola-Epidemie in Guinea, war Mareike Demel für einen ersten Erkundungsbesuch vor Ort und wurde von den Dorfbewohnerinnen und Dorfbewohnern sehr offen empfangen, wie sie erzählt. "Weil das für sie ein Zeichen war, dass das Leben weitergeht."

Mein Wunsch ist, dass irgendwann jeder Mensch Zugang zu sauberem Wasser hat.

Mareike Demel über die Vision für ihr Engagement

Dass eine Frau als Ingenieurin das Projekt leitet, war ungewohnt für die Menschen in Kanty. Neu für sie war auch, beim Bau der Zisterne mitzuentscheiden. "Wir haben versucht, sie immer in die Entscheidung mit einzubinden. Beispielsweise, indem wir gesagt haben, wir haben verschiedene Varianten und wir können das machen oder das," sagt Demel. Denn "Hilfe zur Selbsthilfe" sei eine der Leitlinien von "Ingenieure ohne Grenzen".

Schon während ihres Studiums entschied sich Mareike Demel dafür, sich bei "Ingenieure ohne Grenzen" zu engagieren. Sie wollte ihr Wissen sinnvoll nutzen: "Mein Wunsch ist, dass irgendwann jeder Mensch Zugang zu sauberem Wasser hat. Und dazu möchte ich gerne einen Beitrag leisten."

Fehlende Infrastruktur für Demel ein Schock

Schon als Austauschschülerin in Kanada war Demel aufgefallen, wie unterschiedlich weltweit mit Abfallentsorgung und Abwasser umgegangen wird, wie die Ingenieurin weiter erzählt. Nach dem Abi studierte sie Umwelttechnik an der Hochschule Bremen und anschließend Produktionstechnik an der Uni Bremen. Heute arbeitet sie beim Bremer Abwasserunternehmen "Hansewasser". Sie betreut als Projektmanagerin den Bau der Klärschlamm-Verbrennungsanlage im Bremer Industriehafen. Ab Ende 2022 soll hier Klärschlamm verbrannt und dabei seltenes Phosphor zurückgewonnen werden. Gleichzeitig werden Strom und Fernwärme produziert.

Wie arm und wie wenig Infrastruktur in so einem Land ist, das kann man nur wahrnehmen, wenn man vor Ort ist. Das hat mich wirklich schockiert.

Mareike Demel, Ingenieurin

Seit Mareike Demel die sehr rudimentäre Wasser- und Abfall-Infrastruktur in Guinea gesehen hat, weiß sie diesen Bereich in Deutschland noch viel mehr zu schätzen: "Wie arm und wie wenig Infrastruktur in so einem Land ist, das kann man nur wahrnehmen, wenn man vor Ort ist. Das hat mich wirklich schockiert."

In Guinea entsteht inzwischen das nächste Projekt, an dem sie für "Ingenieure ohne Grenzen" beteiligt ist. Im Dorf Massarankissidou soll eine Wasserversorgung aufgebaut werden, um die hygienischen Bedingungen zu verbessern. Die Corona-Pandemie erschwert das Projekt allerdings. Zurzeit erfassen Partner vor Ort wichtige Planungsdaten. Wenn es die Pandemie-Lage zulässt, soll ein Team aus Bremen im nächsten Frühjahr nach Guinea fliegen. Vielleicht ist Mareike Demel dann als Ingenieurin wieder dabei.

Autor

  • Hendrik Plaß Moderator

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 28. Juli 2021, 18:05 Uhr