Meinungsmelder

An möglicher Corona-Impfpflicht scheiden sich in Bremen die Geister

Eine Hälfte ist dafür, eine dagegen: Bei der Frage, ob eine Corona-Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen notwendig ist, sind die Meinungsmelder uneins wie selten.

Video vom 14. Januar 2021
Eine Spritze, die in einer Ampulle mit einem Impfstoff gesteckt wird.
Bild: Radio Bremen

Die von Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) aufgeworfene Frage, ob eine Impfpflicht gegen Corona für bestimmte Berufsgruppen wie Krankenpfleger erforderlich ist, spaltet die Radio Bremen Meinungsmelder. 48 Prozent der 3.050 Befragten lehnen die Idee ab, 45 Prozent sind dafür.

Was halten Sie von einer Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen?

Hier können Sie sich externe Inhalte (Text, Bild, Video…) von Datawrapper anzeigen lassen

Stimmen Sie zu, stellt Ihr Browser eine Verbindung mit dem Anbieter her.
Mehr Infos zum Thema Datenschutz.

Für diejenigen, die eine Impfpflicht in einzelnen Berufen befürworten, ist der Selbst- und Fremdschutz der maßgebliche Aspekt. Meist geht es den Befürwortern um den Schutz des Pflegepersonals sowie älterer und pflegebedürftiger Menschen. So fordert der 87-jährige Dieter Rabe aus Schwachhausen die Impfpflicht für das Krankenhauspersonal und für Pflegekräfte in Altenheimen, allerdings auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Kitas sowie für die Lehrkräfte an Schulen und Hochschulen.

Die 46-jährige Katja Kanning aus Ottersberg fände eine Impfpflicht zumindest für Pflegekräfte und Ärzte angebracht, ebenso Kevin Kügler aus Schwachhausen: "Kritische Infrastrukturen wie Kliniken, Pflegeheime und Arztpraxen müssen hundertprozentig geschützt sein. Nur so kann ein Weiterbetrieb gewährleistet werden, ohne die Pandemie weiter zu befeuern", argumentiert der 26-jährige.

Auch Pflegekräfte bei Frage der Impfpflicht gespalten

Während in Bremens und Bremerhavens Krankenhäusern gerade die Impfung des Personals begonnen hat, zeigen sich auch die Pflegekräfte unter den Meinungsmeldern gespalten bei der Frage, ob eine Impfpflicht in ihren Berufen zielführend wäre. Die 26-jährige Krankenschwester Janina Fröhlich aus Ricklingen ist dafür.

Ich arbeite auf einer Corona-Station und kann nicht fassen, dass manche Kollegen sich nicht impfen lassen wollen. Es kommt immer wieder zu Fehlern im Hygienekonzept und so zu Ansteckungen, welche verhindert werden können! Meiner Meinung nach wäre eine Impfpflicht sehr sinnvoll!

Meinungsmelderin Janina Fröhlich

Auch Antonia E. aus Horn-Lehe arbeitet in der Pflege. Sie aber ist gegen eine Impfpflicht: "Es gibt Kollegen, die Bedenken aufgrund der zu kurzen Testphase haben. Solang sie Masken tragen und regelmäßige Tests machen, finde ich diese Entscheidung in Ordnung", sagt sie. Damit liegt die 22-jährige auf einer Linie mit Anja Kornemann aus Walle. Sie arbeitet in einem Seniorenwohnheim und hat beobachtet, dass sich dort weder alle Bewohnerinnen und Bewohner noch alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter impfen lassen wollen. Das respektiert die 55-jährige.

Ich bin mit dem Selbstbestimmungsrecht aufgewachsen und möchte das nicht wieder untergraben sehen. Ich lasse mich impfen, weil ich es will. Und diesen Willen lasse ich jedem.

Meinungsmelderin Anja Kornemann

Die 39-jährige Imke Huntemüller aus Hastedt führt noch ein anderes Argument gegen eine Impfpflicht speziell in der Pflege an: den Mangel an Fachkräften. Sie sagt: "Derzeit können wir über jede Pflegekraft glücklich sein. Wenn jemand den Beruf ausüben möchte, sich aber nicht impfen lassen möchte, meinetwegen! Durch die Tests sollte ein Risiko ausgeschlossen sein."

Die 63-jährige Sabine Diers aus der Östlichen Vorstadt sähe in einer Impfpflicht für das Krankenhaus- und Pflegeheimpersonal gar "eine Zumutung". Sie spricht von einer "absurden Forderung", gerade mit Hinblick auf den Mangel an Impfdosen. Das sieht Thomas Jacobi aus Kattenturm ganz ähnlich. Der 45-jährige fragt zudem: "Was sind die Konsequenzen, wenn man sich nicht impfen lassen will?"

Der 21-jährige Jaron Wördemann aus Horn-Lehe schließlich fände es kritisch, Menschen zwanghaft ein Medikament zu verabreichen, dass noch nie getestet werden konnte.

Wer sollte zur Impfung verpflichtet werden?

Hier können Sie sich externe Inhalte (Text, Bild, Video…) von Datawrapper anzeigen lassen

Stimmen Sie zu, stellt Ihr Browser eine Verbindung mit dem Anbieter her.
Mehr Infos zum Thema Datenschutz.

Unter jenen Meinungsmelderinnen und Meinungsmeldern, die sich grundsätzlich eine Impfpflicht gegen Corona vorstellen können, fordert ein Drittel die Impfpflicht für die gesame Bevölkerung. Zwei Drittel dagegen finden, dass eine Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen ausreichend wäre.

Damit meinen die Befragten keinesfalls ausschließlich Menschen, die in Krankenhäusern oder in Pflegeeinrichtungen arbeiten, auch wenn sie diese meist zuerst anführen. Sie denken auch an andere Leute, die beruflich unweigerlich eng mit ihren Mitmenschen in Kontakt kommen: an Feuerwehrleute und Friseure ebenso wie an Polizistinnen und Polizisten oder auch Taxifahrer und Taxifahrerinnen.

Autor

  • Alexander Schnackenburg Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 14. Januar 2020, 19:30 Uhr