Viren-Killer-Maske made in Bremen: Eine Erfindung für jedermann?

Bremer Forscher haben eine Schutzmaske entwickelt, die Viren tötet – per Laser. Damit sich die Covid-19 Laser Mask durchsetzt, darf sie jeder nachbauen. Es geht ganz einfach.

Asiatisch stämmiger Mann, Ende 30, trägt schwarze Atemschutzmaske, in deren Filter etwas rot leuchtet
Hat die Viren-Killer-Maske erfunden: der Ingenieur Hendra Kesuma. Bild: Radio Bremen | Alexander Schnackenburg

Es geschah irgendwo zwischen Bremen und München, am 19. März in einem ICE. Wegen des Corona-Lockdowns war das öffentliche Leben zu diesem Zeitpunkt bereits weitgehend zum Erliegen gekommen. Meldungen von astronomischen Preisen für noch so einfache Atemschutzmasken machten die Runde, beherrschten auch Gespräche der Fahrgäste, darunter der Erfinder, Ingenieurswissenschaftler und Raumfahrtexperte Hendra Kesuma aus Bremen.

Plötzlich hatte er die zündende Idee: Wenn Masken derartig knapp sind – warum dann auf Wegwerf-Masken setzen? Und wenn es sich schon nicht vermeiden lässt, dass Viren, zum Beispiel seitlich, irgendwie sogar in medizinische Atemschutzmasken mit Filter eindringen – weshalb entwickelt dann niemand eine Maske, die die Viren tötet? Der Gedanke ließ Kesuma nicht mehr los.

Zurück in Bremen brachte er seine Idee von der Viren tötenden Maske bei den "Bremen Dynamics" ein: einer NGO mit Räumen an der Uni, die sich der Motivation von Start Ups aus der Forschung verschrieben hat. Kesuma ist einer der Gründer der "Bremen Dynamics". Es dauerte nicht lang, da hatte er mit dem Ingenieur Bayram Örnek sowie dem Elektrotechnik-Studenten Erik Richter kreative Mitstreiter gefunden. In nur wenigen Wochen entwickelten und produzierten die drei Forscher einen Prototyp.

Patentieren lassen aber wollen sie sich die Maske nicht – im Gegenteil. Die Wissenschaftler hoffen, dass möglichst viele Menschen überall auf der Welt die Maske nachbauen. Die Bauteile hierfür bekommt man nahezu überall – und das für wenig Geld, für rund 50 Euro.

"Kein Fake"

Atemschutzmaske mit ein paar Chips und Drähten im Filter
Technik aus einem CD-Brenner: Die Bauteile der Covid-19 Laser Mask sind nicht teuer. Bild: Radio Bremen | Alexander Schnackenburg

"Das ist kein Fake", sagt Kesuma triumphierend und hält die Maske, wie zum Beweis, in die Luft. Auf den ersten Blick sieht sie aus wie eine gewöhnliche Trainingsmaske, ein Atemwiderstandsgerät, das seit einigen Jahren immer mehr Sportler nutzen, um ihre Atemmuskulatur zu trainieren. Tatsächlich bildet eine solche handelsübliche Trainingsmaske einen zentralen Bestandteil der Covid-19 Laser Mask, wie die Bremer Forscher ihr Produkt nennen.

Aus guten Gründen: "Der Clou ist der Laser", sagt Kesuma und deutet auf das rote Licht, das durch den Filter der Maske schimmert. Dort haben die Wissenschaftler einen Laser aus einem gewöhnlichen CD-Brennern eingebaut. "So ein Brenner kostet gebraucht 9 bis 15 Euro", erklärt Kesuma.

Das Gerät erzeuge zwei verschiedene Laserstrahlen: Infrarotstrahlen mit einer Wellenlänge von 780 Nanometern und rote Strahlen mit einer Wellenlänge von 650 Nanometern. Zusammen durchfluten sie den Maskenfilter lückenlos, erzeugen ein flächendeckendes Bild: "Die bringen jedes Virus um", ist sich Kesuma sicher. Er stützt sich bei seiner These auf eine Studie der Johns Hopkins University aus dem Jahr 2007. Hiernach erschüttern auch sichtbare Laser mit geringer Leistung Viren so stark, dass sie zerbrechen. Aktuelle Studien zu seiner Maske gibt es jedoch noch nicht.

Tödlich für Viren, aber nicht krebserzeugend

Strahlen aus einer Maske werfen auf weißem Untergrund ein flächendeckendes rot-gelbes Bild
Tödlich für Viren und Bakterien, nicht aber krebserzeugend: Die Laserstrahlen in der Covid-19 Laser Mask der Bremen Dynamics. Bild: Radio Bremen | Alexander Schnackenburg

Den Strom bezieht der Laser aus einer gewöhnlichen Power Bank, mit der Kesuma die Maske über ein USB-Kabel verbunden hat. Etwa zehn Stunden reiche der Strom, sagt er: "Damit ist man auch für einen Langstreckenflug gerüstet."

Noch wichtiger aber sei, dass die roten und infraroten Laserstrahlen des CD-Brenners aufgrund ihrer hohen Wellenlängen keinen Krebs erzeugten. Genau das sei der große Nachteil alter medizinischer Lasermasken mit UV-Strahlen gewesen. Noch zu Zeiten des Sars1-Virus seien derartige Masken, etwa in China, zum Einsatz gekommen – mit oftmals fatalen Folgen.

Diese schließen die Bremer Forscher für ihr Produkt aus. Sie hoffen, dass ihre Maske demnächst weltweit in Pflegeheimen und in Krankenhäusern zum Einsatz kommt, vielleicht sogar in Entwicklungsländern, wo die Versorgung des medizinischen Personals mit Schutzausrüstung oft besonders zu wünschen übrig lässt.

Noch aber ist Hendra Kesuma wohl der einzige Mensch weltweit, der gelegentlich die Covid-19 Laser Mask der Bremen Dynamics trägt. Dann etwa, wenn er, wie schon am 19. März, mit dem Zug unterwegs ist. "Die Leute gucken mich dann schon ein bisschen komisch an", sagt er schmunzelnd dazu. Doch das, gibt er sich zuversichtlich, werde sich noch ändern. Spätestens dann, wenn sich die Covid-19 Laser Mask in der Bevölkerung durchgesetzt habe.

Hier die Bauanleitung der Covid-19 Laser Mask

(Anmerkung der Redaktion: Wir weisen an dieser Stelle daraufhin, dass der unsachgemäße Umgang mit Laserstrahlen gefährlich sein kann.)

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  • Alexander Schnackenburg Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 12. Juni 2020, 23:30 Uhr