Wie schnell fließen Corona-Soforthilfen in Bremen?

Rund 14.500 Anträge auf Soforthilfe haben Bremer Unternehmer, Freiberufler und Künstler gestellt. 2000 sind bisher bewilligt. Viele warten auf ihr Geld.

Geldscheine liegen auf einem Formular
Bis die Anträge auf Soforthilfe bei Bremer Unternehmern sind, kann es dauern. Bild: DPA | Martin Moxter

Schnelle und unbürokratische Hilfe: Das hatte die Bundesregierung, aber auch Bremens Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) den Unternehmen versprochen. Viele leiden unter dem Corona-Stillstand. Die Einnahmen fallen aus, während die Kosten weiterlaufen. Aber: Fließen die Hilfen wirklich schnell? Eine Nachfrage bei Kleinunternehmern, Selbstständigen und Künstlern.

Wie viel "sofort" steckt in den versprochenen "Soforthilfen"?

Für eine erste Antwort hilft der Blick auf die nackten Zahlen: Der Berg der entsprechenden Anträge wächst bis heute, sagt das Wirtschaftsressort, 14.500 solcher Anträge sind allein in Bremen bisher eingegangen, Tendenz weiter steigend. Und von denen sind bisher 2.000 bewilligt worden. Die große Mehrheit der Antragsteller – 12.500 – wartet also nach wie vor auf eine Bewilligung. Einer ist Ulf Lange, Goldschmied. Er betreibt zwei Schmuckgeschäfte in Bremen und wartet auf die Auszahlung der Soforthilfe.

"Wir haben heute schon geguckt aber noch nichts eingegangen. Wir haben den Antrag am 24. März gestellt. Wir haben eine Bestätigung bekommen. In erster Linie ging es um Kosten, die beglichen werden sollten." Die Kosten, von denen Lange spricht, sind Miete, Strom, Versicherung und ähnliches. In seinem Fall summiert sich das auf eine Antragshöhe von 11.250 Euro, weil er für mehrere Monate zusammen beantragt.

Knapp über zwei Wochen Wartezeit – kein Einzelfall

Mit seiner bisherigen Wartezeit steht Lange nicht alleine da. Im Antragsberg stecken viele, die schnell beantragt haben, um auch schnell an Geld zu kommen. Aber trotz des Versprechens, die Beantragung sei "unbürokratisch", müssten ein paar Unterlagen mit eingereicht werden, dann werde jeder Fall geprüft. Insofern habe Lange auch Verständnis – ein Stück weit. "Ich kann das verstehen, die machen ihre Arbeit und werden das Stück für Stück abarbeiten, aber mittlerweile sind wir an einem Punkt, wo wir das Geld schon brauchen."

Auch andere Bremer, wie Rena Nowakowski aus Arbergen, haben sich hilfesuchend an Radio Bremen gewandt. Sie betreibt mit ihrem Mann einige Ferienwohnungen in Dornumersiel und musste sämtliche Buchungen stornieren, ihr Antrag auf Soforthilfe ist vom 26. März. Seitdem wartet sie und ist verwundert, dass es auf der Website der Bremer Aufbau-Bank – das ist die wichtigste Anlaufstelle für solche Anträge – keinerlei Hinweise zum Bearbeitungsstand gibt.

Mehr als 100 Mitarbeiter bei der Aufbau-Bank

Eine durchschnittliche Bearbeitungszeit gibt es nicht, weil es am Ende doch Einzelfälle sind, die einzeln bearbeitet werden müssen. Dann fehlen auch mal Unterlagen, die nachgefordert werden müssen oder ähnliches. Aber: Mut machen kann man den wartenden Antragstellern trotzdem. Laut Wirtschaftsressort wurde zumindest bisher kein einziger Antrag abgelehnt. Und geflossen sind bereits sieben Millionen Euro.

Das macht auch Ulf Lange Hoffnung: "Ein befreundetes Paar, das eine Confisserie betreibt, hat einen Tag vor uns beantragt und hat vor zwei Tagen das Geld bekommen. Deswegen haben wir Hoffnung, dass wir jetzt auch bald dran sind."

Für die erwähnte Anlaufstelle arbeiten mittlerweile mehr als 100 Mitarbeiter der Bremer Aufbau-Bank (BAB) und der Bremerhavener Gesellschaft für Investitionsförderung und Stadtentwicklung (BIS) – und seit gestern hilft zusätzliches Personal von Handelskammer und Handwerkskammer, um die Bearbeitungszeit zu verkürzen.

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Autor

  • Christian Schwalb

Dieses Thema im Programm: Bremen Vier, Die Vier am Morgen, 9. April 2020