Diese Angebote geben in Bremen Halt gegen die Einsamkeit

Video vom 12. Juni 2021
Vier Seniorinnen treffen sich bei der Kirchengemeinde Arsten auf den "Klöönsnack"
Vier Seniorinnen treffen sich bei der Kirchengemeinde Arsten auf den "Klöönsnack" Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Der Lockdown hat viele Menschen dazu gezwungen auf soziale Kontakte zu verzichten. Doch mit den sinkenden Infektionszahlen ist gemeinsame Zeit nun wieder möglich.

Die Vögel zwitschern, sonst ist es auf dem Kirchhof in Arsten ruhig. Doch nach einigen Schritten über den Friedhof ertönt ein fröhliches Geplauder. Nicht unweit schnackt eine kleine Gruppe älterer Frauen munter drauf los. Erst seit kurzem dürfen sie sich hier wieder treffen, um zu klönen, zu lachen und der Einsamkeit aus dem Weg zu gehen.

"Ich habe vieles erlebt und durchgemacht. Den zweiten Weltkrieg, die Nachkriegszeit, Hungersnot, das Leben in der DDR. Doch die letzten eineinhalb Jahre waren für mich besonders schlimm", sagt Hanna Langelott. Der Grund: Einsamkeit.

Junge Menschen machen seit Beginn der Pandemie einen großen Bogen um mich. Das bringt mich furchtbar durcheinander.

Hanna Langelott, Rentnerin.

Ausgeschlossen und allein habe sie sich gefühlt, weil Treffen und Austausch kaum möglich waren. "Junge Menschen machen seit Beginn der Pandemie einen großen Bogen um mich. Das bringt mich furchtbar durcheinander", sagt sie mit traurigem Blick. Gleichzeitig sei sie sich darüber bewusst, dass dahinter kein böser Wille steckt. Umso glücklicher ist die Rentnerin nun darüber, dass sie nun wieder regelmäßig bei Treffen auf dem Kirchhof in Arsten dabei sein kann. "Das hat mir sehr gefehlt und gibt mir Halt. Wir reden hier über Gott und die Welt.

Von politischen Themen bis Online-Dating

Gespräche über durchaus politische Themen, Solidarität gegenüber jungen Menschen, die ihr Leben noch vor sich haben. Über Online-Dating in Corona-Zeiten im Vergleich zum unbeschwerten Kennenlernen beim Tanz am Wochenende, als die Frauen noch jünger waren. Es herrscht ein reger Austausch. Wenn Meinungen auseinandergehen, akzeptieren es die Frauen ohne hitziges Diskutieren, während ihnen der warme Sommerwind durch die grauen Haare streift.

Die 86-Jährige Hanna Langelott ist die treueste Besucherin der roten Bank auf dem Kirchhof in Arsten, die überdacht bei regnerischen Tagen für nötigen Schutz sorgt. Dort gibt es seit zwei Jahren das Angebot Kirchhof Klönsnack für ältere Menschen, die sich Austausch und sozialen Kontakt wünschen. Initiiert hat es Regine Kloft-Ollesch, die in der Gemeinde arbeitet.

Wenn ich mir vorstelle, dass ich später alleine bin, würde ich mich über ein Angebot wie dieses freuen.

Regine Kloft-Ollesch, Initiatorin des Kirchhofs Klönsnack

"Einsamkeit ist gerade bei der Arbeit mit älteren Menschen ein sehr präsentes Thema", sagt Kloft-Ollesch. "Wenn ich mir vorstelle, dass ich später alleine bin, würde ich mich über ein Angebot wie dieses freuen", erklärt sie ihren eigenen Antrieb, während ihr Hanna Langelott gespannt zuhört und immer wieder zustimmend nickt. Die beiden haben einen guten Draht, kennen sich schon viele Jahre. Meist sind es Frauen, die den Klönschnack suchen. "Viele der Männer sind schon verstorben und oft leben die Kinder und Enkelkinder nicht in der Nähe", weiß die Gemeindemitarbeiterin. An manchen Tagen sitzen nur zwei Personen auf der roten Bank im Grünen, an anderen versammeln sich bis zu acht Leute mit ihren Gehhilfen und Rollatoren um den Treffpunkt. Doch leer bleibt sie so gut wie nie. "Wer einmal kommt, kommt auch wieder", sagt Kloft-Ollesch stolz.

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Autorin

  • Maria Sandig

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 11. Juni 2021, 23:30 Uhr