Was ist gut in diesem Jahr? Diese Bremer und Bremerhavener verraten es

Corona legt zeitweise das öffentliche Leben lahm. Dazu verbreitet eine Rezession Angst. Vielleicht ist es sinnvoll, einmal die Perspektive zu wechseln – was ist gut?

Video vom 14. September 2020
Eine Frau schaut in die Kamera, daneben steht der Text "Was war in diesem Jahr eigentlich schön?".
Bild: Radio Bremen | Rebecca Küsters

Insolvenzen und Arbeitslosigkeit greifen um sich, die Beschränkungen im alltäglichen Leben sind auch Monate nach dem Lockdown erheblich. Das schlägt vielen wohl zurecht aufs Gemüt. Manchmal kann es sinnvoll sein, auf das zu blicken, was man hat. Was bei allen Schwierigkeiten gut gelaufen ist. Denn auch in der Pandemie gibt es Lichtblicke: kleine, größere und ganz persönliche.

Hoshyar Sibar, 26, Bremen-Nord, Azubi in einem OP-Pflegeteam

Hoshyar Sibar in Krankenhauskleidung.
Ist glücklich über seinen Ausbildungsplatz am Klinikum Bremen-Nord: Hoshyar Sibar. Bild: Hoshyar Sibar

"Ich finde gut, dass ich seit August einen Ausbildungsplatz am Klinikum Bremen-Nord habe. Ich habe lange versucht, einen Ausbildungsplatz in Deutschland zu bekommen. Das war nicht einfach. Ein Jahr lang habe ich Bewerbungen geschrieben. Ich habe auch das freiwillige soziale Jahr in der Pflege gemacht. Das war schon mein Traum als Kind: in der Medizin arbeiten.

Und jetzt habe ich diesen tollen Ausbildungsplatz mit den ganzen schönen Themen! Erst dachte ich: Das wird schwierig. Deutsch ist nicht meine Muttersprache. Ich bin ein Kurde aus Syrien. Aber dann habe ich gesehen: Es klappt gut. Die anderen in der Schule sind jünger als ich, 17 bis 20 Jahre alt. Aber trotzdem verstehen wir uns gut, sehr gut. Wir machen ganz viel zusammen. Für mich ist es ein schönes Jahr, obwohl es diese schlimme Krankheit gibt."

Margarethe Berger, 70, Delmenhorst, Schaustellerin in Bremen

Magarethe Berger mit Schmalzkuchen in einem Jahrmarktsstand.
Schaustellern: Margarethe Berger hat einen Stand am Bahnhofsvorplatz. Bild: Radio Bremen | Alexander Schnackenburg

"Ich finde besonders gut, dass die Menschen so zusammengehalten haben. In dieser ganz schwierigen Situation waren sie füreinander da, auch in meinem Beruf. Wir haben drei Monate kein Geld verdient. Aber das meistern wir, weil wir zusammenhalten. Ich bin zwar schon ein bisschen älter. Aber es gibt bei den Schaustellern ja auch junge Familien. Und die schwimmen sich einfach frei – oder versuchen es wenigstens. Das finde ich ganz toll."

Aische und Celina, Bremerhaven, Schülerinnen

Aische und Celina.
Dürfen sich endlich wieder persönlich treffen: die Schülerinnen Aische und Celina. Bild: Radio Bremen | Dirk Bliedtner

"Wir haben uns ja lange Zeit nur per Handy sehen können. Und Celina hatte Geburtstag und dann haben wir über Telefon gesungen. Das war echt schön. Und wir haben mal Zeit gehabt, über manche Dinge nachzugrübeln, so dass man sich schon ein bisschen neu orientieren konnte – was man so weiter machen will im Leben."

Fabian Tilch, 26, Gröpelingen, arbeitssuchend

Fabian Tilch vor einer Straßenbahn.
Freut sich, dass er wieder mit seiner Verlobten zusammen ist: Fabian Tilch. Bild: Radio Bremen | Alexander Schnackenburg

"Ich finde gut, dass dieses Jahr doch noch Lockerungen stattgefunden haben nach dem Lockdown. Ich finde sowieso gut, dass die Regierung immer wieder auf die Lage reagiert. Für mich persönlich ist gut, dass ich mit meiner Verlobten zusammen bin – wieder zusammen. Das ist sogar sehr gut."

Michael Knudsen, Bremerhaven

Michael Knudsen in Bremerhaven.
Hat einen schönen Umzug hinter sich: Michael Knudsen. Bild: Radio Bremen | Dirk Bliedtner

"Mein Umzug war gut, Komplettentrümpelung. Das hat gut getan."

Celina Franzmeier, 20, Bahnhofsvorstadt, Reinigungskraft, Carina Janssen, 18, Gröpelingen, medizinische Fachangestellte

Celina Franzmeier und Carina Janssen auf dem Bremer Bahnhofsvorplatz.
Freuen sich über Arbeit und rücksichtsvolle Menschen: Carina Janssen (links) und Celina Franzmeier. Bild: Radio Bremen | Alexander Schnackenburg

Celina Franzmeier: "Den guten Sommer fand ich schön, die Wärme. Und: Dass ich endlich einen Job gefunden habe!" Carina Janssen: "Ich finde gut, dass sich alle an die Corona-Maßnahmen halten, an die Masken und an das Abstand-Halten: im Bus, in der Bahn und auch in den Krankenhäusern und in den Praxen."

Marysol Schalit, 38, Viertel, Sopranistin

Marysol Schalit.
Freut sich über unverhoffte Open-Air-Konzerte: Opernsängerin Marysol Schalit. Bild: Theater Bremen | Felix Bernason

"Was ich in dieser Zeit besonders schön finde, ist, dass für mich im Sommer trotz Corona eine Menge aufgeploppt und entstanden ist. Zum Beispiel, dass ich Konzerte in der Schweiz machen kann. Das konnte ich gut mit Bremen, wo ich fest am Theater engagiert bin, kombinieren. Ich bin ja Schweizerin und finde es immer schön, wenn ich auch mal in meinem Land arbeiten darf.

Da haben sich ein paar Konzerte ergeben – ein bisschen auch durch Corona. Es wurde zwar ganz viel abgesagt, hat dann aber teilweise in anderer Form doch stattgefunden, sogar mit Orchester. Open Air, natürlich immer mit Abstand und so, aber trotzdem superschöne Sachen. Gerade jetzt in Tessin oder davor in Bern.

Aber auch in Bremen mit den Bremer Philharmonikern hatten wir sehr spontan vor den Sommerferien eine Matinee in der Meierei. Und dann hat uns die Meierei gleich noch mal engagiert für ein Abendkonzert. Einen bunten Strauß haben wir da aufgeführt, ein paar Mozart-Arien und -Duette zum Beispiel. Das sind Sachen, die sonst nicht auf diese Art entstanden wären."

Özer Yildiz, 65, Schwachhausen, Inhaber eines Reisebüros

Oezer Yildiz auf dem Bremer Bahnhofsvorplatz.
Kann diesem Jahr kaum etwas Positives abgewinnen: Özer Yildiz. Bild: Radio Bremen | Alexander Schnackenburg

"Ich finde dieses Jahr gar nichts gut. Obwohl – etwas Gutes gibt es doch für mich: Ich bin mit meiner Familie zusammen. Ich habe eine Wohnung, habe zu essen und zu trinken. Und warmes Wasser habe ich auch."

Tanja Krebs, 51, Delmenhorst, Mitarbeiterin der Lebenshilfe, und Tocher Sarah, 14

Tanja und Sarah Krebs auf dem Bremer Bahnhofsvorplatz.
Finden, dass sich die Menschen gut umeinander kümmern: Tanja und Sarah Krebs. Bild: Radio Bremen | Alexander Schnackenburg

Tanja Krebs: "Ich finde gut, dass es sehr viele Leute gibt, die sich um andere kümmern. Sei es, indem sie irgendwelche Spielzeuge nach draußen stellen, sei es in der Öffentlichkeit. Man merkt, wie die Leute Abstand halten und trotzdem Nähe suchen. Die Leute sehen Corona sehr negativ, entwickeln aber gleichzeitig mehr Zusammenhalt dadurch." Sarah Krebs: "Ich finde toll, dass die Leute sehr viel Acht geben, damit sie sich nicht mit Corona anstecken."

Viviane, Steven und Maris, Bremerhaven-Urlauber aus Berlin

Vivan, Steven und Marvin am Deich in Bremerhaven.
Urlauber aus Berlin wohlauf in Bremerhaven: Viviane, Steven und Maris. Bild: Radio Bremen | Dirk Bliedtner

"Unsere Familie ist gesund, unser Kind wurde zwei Jahre alt und darüber sind wir sehr glücklich. Jetzt machen wir hier Urlaub in Tossens. Ist echt schön hier – wir hatten eigentlich andere Sachen geplant, aber uns dann für den Norden entschieden und sind froh drüber."

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Autoren

  • Alexander Schnackenburg
  • Dirk Bliedtner

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Sonntag aus Bremerhaven, 13. September 2020, 12:20 Uhr