Warum die "deutsche Kartoffel" doch gar nicht so deutsch ist

Video vom 25. Juni 2021
Braune und rote Kartoffeln auf der Erde
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Die Kartoffel gilt als das Gemüse der Deutschen. Dabei kommt sie gar nicht von hier. Im Rhododendron-Park lassen gibt es viele weitere eingewanderte Pflanzen.

Die Natur holt sich alles wieder – nur in anderer Zusammensetzung. Wandel und Veränderung in Flora und Fauna gibt es seit Jahrmillionen. Nur hat der Mensch diesen Prozess arg beschleunigt. Das sagt Dr. Hartwig Schepker, der Parkleiter des Bremer Rhododendron-Parks. Beim Spaziergang durch den Botanischen Garten seines Parks geraten Besucherinnen und Besucher immer wieder ins Staunen, welche Pflanzen alle ursprünglich nicht von hier sind.

In solchen Gartenanlagen stellen Europäer seit vielen hundert Jahren das aus, was sie beim Pflanzensammeln in der ganzen Welt so gefunden haben: So schädliche Pflanzen wie der Riesenbärenklau, der einst ein Geschenk des Zaren für den Botanischen Garten Wiens war, bevor er ausgewildert zur Plage für die Landschaft wurde. Passend dazu läuft in diesem Parkteil noch bis zum 15. Oktober die Posterausstellung "Neue Wilde". Mit dem Fokus auf die Arten, die in ihrem Lebensraum Menschen und anderen Pflanzen Probleme machen.

Das sind die Bremer "gebietsfremden Arten"

Im Botanischen Garten finden sich aber auch die sogenannten "gebietsfremden Arten", die sich der Mensch nutzbar gemacht hat – sei es, um sich daran zu erfreuen, an ihnen zu gesunden oder schlicht, um satt zu werden.  Einige Beispiele zu Arten, die unser Leben bereichern, aus diesem Bremer Garten:

1 Bienenweide

Lila blühende Blumen mit Bienen in einem Garten
Bild: Radio Bremen

Schön und nützlich ist die Bienenweide (Gattung Phacelia) gleich dreifach: Sie ist Futterplatz für Insekten wie Bienen und Hummeln, Futter für die Tiere, aber auch eine nützliche Düngepflanze, wie Dr. Annelie Dau, die Leiterin der Grünen Schule in der Botanika Bremen, erzählt. Um schlechte Böden besser zu machen wird sie als sogenannte Zwischenfrucht ausgesät und dann untergepflügt. Sie kommt ursprünglich aus Nordamerika.

2 Rhododendron

Weiß blühende Blumen in einem Garten
Bild: Radio Bremen

Schön sind die Rhododendren im Park besonders in ihrer Blüte. Dr. Hartwig Schepker spricht davon, dass eine Verwertung als Arzneipflanze bei vielen Arten noch unerforscht ist. Wohltuend ist aber in jedem Fall die beruhigende Wirkung des Grüns und der Duft auf den Menschen. Die meisten Zierpflanzen auf unseren Fensterbänken und in unseren Gärten kommen nicht von hier. Ein Rhododendron im Park kam gar als kleiner Busch von einer japanischen Insel, deren Namen er trägt: Yakushimanum.

3 Salbei

Lila blühender Lavendel im Garten
Bild: Radio Bremen

Schön, heilend und geschmackvoll ist der Salbei und tatsächlich eine der ganz alten nichtheimischen Arten, die einst über Eurasien und den Mittelmeerraum bis zu uns kamen. "Salbei, Thymian, Lavendel und ganz viele andere Gewürz- und Arzneipflanzen sind für uns hier so selbstverständlich, dass keiner mehr auf den Gedanken kommen würde, dass sie hier ursprünglich nicht heimisch waren," sagt die Naturkundlerin Dr. Annelie Dau.

4 Kartoffel, Spargel, Mais, Tomate

Fünf rote Tomaten liegen auf dem Boden
Bild: Radio Bremen

Lecker, aber nicht von hier sind ganz viele unserer Feldfrüchte. Der Mensch hat sie mitunter bei seiner Erforschung der Welt entdeckt, mitgebracht und dann noch einiges damit gemacht, sagt Dr. Hartwig Schepker. Die Kartoffel kommt aus den Anden. Den Ursprungsort des Spargels vermuten Forscher in Eurasien. Der Mais stammt aus Lateinamerika, genauso wie die Tomate. Die ist aus Sicht des Biologen ein gutes Beispiel dafür, was Mensch sich alles mit einer Pflanze ausdenkt, wenn sie ihm schmeckt: Anfangs sind wahrscheinlich einige wenige Arten eingeführt worden. Und dann ist über die Jahrhunderte das daraus geworden, was wir heute auf dem Küchentisch haben: Hunderte Sorten Tomaten von voll rot bis fast schwarz – in unendlich vielen Formen.

Mehr zu diesem Thema

Autor

  • Volker Kölling Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 25. Juni 2021, 19:30 Uhr.