Politik fordert Konsequenzen nach Brand auf Mülldeponie in Bremerhaven

  • CDU plädiert für Verlegung der Anlage
  • Bürgerinitiative spricht von einer systematischen Verharmlosung der Brände
  • Laut Feuerwehr bestand keine Gefahr für die Anwohner
Video vom 17. Juli 2020
Mehrere Feuerwehrleute löschen mit Schleuchen einen Berg aus Müll. Große Rauchwolken steigen in den Himmel auf.
Bild: Radio Bremen

Nach dem Brand auf der Mülldeponie "Grauer Wall" in Bremerhaven fordert die CDU eine Verlegung des Hausmüll-Zwischenlagers, in dem das Feuer ausgebrochen war. Es habe dort zum wiederholten Male gebrannt, so die Fraktion. Brände könnten aufgrund von Vergasungen auch in Zukunft nicht ausgeschlossen werden. Das Umweltschutzamt müsse kurzfristig mit der Bremerhavener Entsorgungsgesellschaft (BEG) einen Ersatzstandort suchen, der weit genug vom nächsten Wohngebiet entfernt ist.

Die regelmäßigen Brände sind den Anwohnern nicht länger zuzumuten. Niemand möchte in seiner unmittelbaren Nachbarschaft eine solche Gefahrenquelle haben.

Thorsten Raschen
Thorsten Raschen, Fraktionsvorsitzender der Bremerhavener CDU

Der umweltpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Jens Grotelüschen, nimmt den Brand zum Anlass, nochmal auf den Koalitionsvertrag zu verweisen: Ziel sei es immer noch, die Deponie so schnell wie möglich zu schließen. Spätestens 2030 solle der letzte Müll auf die Deponie gebracht werden. Dafür sei aber ein neues Müllentsorgungskonzept notwendig.

Die Bürgerinitiative "Keine Erweiterung Grauer Wall“ (BIKEG) fordert schon lange die Schließung der gesamten Deponie. Die Gefahr werde "systematisch verharmlost", sagte Sabine Hanisch vom Vorstand der Initiative nach dem Brand gegenüber buten un binnen.

Bevölkerung wurde spät informiert

Außerdem kritisieren CDU und FDP, dass die Bevölkerung zu spät über den Brand informiert worden sei. "Um ca. 18:15 Uhr stieg eine schwarze Rauchsäule über Speckenbüttel in die Höhe. Der Park war zu dieser Zeit von vielen Sportlern und Spaziergängern besucht, auf den Straßen spielten Kinder. Erst in den Regionalnachrichten um 19:40 Uhr wurde eine Warnmeldung herausgegeben, dass die Türen und Fenster geschlossen werden sollen. Zu diesem Zeitpunkt waren das Feuer und die Rauchwolke bereits verschwunden", schildert CDU-Fraktionsvorsitzender Thorsten Raschen. Dem schließt sich die FDP-Fraktion an. Die Warnhinweise seien deutlich zu spät gekommen.

Es ist belastend, dass es schon wieder einen Großbrand mit erheblicher Rauchentwicklung auf dem Deponiegelände gegeben hat. Die BEG als Betreiber muss mehr tun, um diese Brände zu verhindern.

Jens Grotelüschen im Gespräch mit buten un binnen
Jens Grotelüschen, umweltpolitischer Sprecher der Bremerhavener FDP-Fraktion

Laut Feuerwehr bestand keine Gefahr für die Anwohner

Der Brand war am Donnerstagabend ausgebrochen. Die Ursache ist bisher unklar. Nach Angaben der Feuerwehr brannte Hausmüll auf einer Fläche von etwa 50 mal 20 Metern. Rund 40 Feuerwehrleute waren an den Löscharbeiten beteiligt. Nach etwa zwei Stunden war das Feuer aus. Aufgrund der starken Rauchentwicklung war ein Messfahrzeug im Einsatz. Es konnten aber laut Feuerwehr keine erhöhte Schadstoffkonzentration gemessen werden.

Brand auf Mülldeponie in Bremerhaven

Video vom 16. Juli 2020
Feuerwehrmann Thomas Bartmann steht hinter 2 Mikros
Bild: Radio Bremen

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Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 17. Juli 2020, 19:30 Uhr