Wie eine der ersten deutschen Bowlingbahnen Bremerhaven beflügelte

Eine der ersten Bowlingbahnen Deutschlands gab es in Bremerhaven. Wegen Corona musste sie nach 55 Jahren schließen – mit ungewisser Zukunft. Ein früherer Stammgast erinnert sich.

Ein Mann wirft eine Kugel auf einer Bowlingbahn.
Aufschwung der Bowling-Szene: Mit einer der ersten Bahnen entwickelte sich der Sport ab den 1960er Jahren in Bremerhaven. Bild: Hans-Ulrich Kahle

Eine erloschene Leuchtreklame für ein bekanntes amerikanisches Erfrischungsgetränk prangt an der weiß und dunkelblau gekachelten, leicht schäbig wirkenden Fassade. Im Foyer ist alles dunkel, keiner da. Durch die Glastüren ist blaugemusterter Teppichboden zu erkennen. Auf dem verspiegelten Tresen stehen zwei Paar Bowlingschuhe. Vorbei scheinen die Glanzzeiten von früher, als der Laden brummte. Kurz nach der Öffnung der Bahn, 1965, ging Hans-Ulrich Kahle als Schüler zum ersten Mal bowlen. Seine Klasse machte einen Ausflug in die Bowlinghalle.

Audio vom 7. Februar 2021
An einer heruntergekommenen Wand hängt eine Cola-Werbung.
Bild: Radio Bremen | Catharina Spethmann

Wie Bowling nach Bremerhaven kam

Ein Mann im weißen Kittel hält ein Fotoalbum in der Hand.
Hans-Ulrich Kahle erinnert sich gerne an die Bremerhavener Bowling-Zeit. Bild: Radio Bremen | Catharina Spethmann

"Also, das hat damals einen großen Eindruck hinterlassen", erinnert sich Kahle. Er habe etwas Glück gehabt und als blutiger Anfänger ganz gut gespielt. "Ich bin dann sofort hängengeblieben bei dem Sport, zumal das amerikanisch war", sagt Kahle. "Und ich fand alles Amerikanische damals irgendwie gut." Modern habe die Bowlinghalle mit ihren 20 Bahnen gewirkt, etwas futuristisch, immer mit Popmusik im Hintergrund – anders als die deutschen Kegelbahnen, die auf den früheren Stammgast etwas altbaksch wirkten. "Dieses war ja letztlich ein anderer Sport, wirkte außerordentlich modern, und uns beeindruckte auch diese elegante Bewegung von den Amerikanern, die uns da ja Lehrmeister waren, für uns Anfänger, seinerzeit."

Gemeinsamer Sport mit amerikanischen Soldaten

Ein Mann in Sportkleidung hat Blumen in der Hand und lacht.
Mit seiner Mannschaft "Fortuna" konnte Hans-Ulrich Kahle viele Erfolge feiern. Bild: Hans-Ulrich Kahle

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren viele Amerikaner in Bremerhaven stationiert. Eigentlich hatten sie ihre eigene Bowlingbahn in Weddewarden. Trotzdem spielten sie gerne mit der Mannschaft, in der auch Hans-Ulrich Kahle trainierte – als der jüngste. Alle anderen waren etwa 20 Jahre älter. In jedem Team durfte damals ein Ausländer spielen. "Der Betreiber hat dann immer den besten Amerikaner in unsere Mannschaft geholt, so dass wir damals in der Mannschaft 'Fortuna' ziemlich erfolgreich waren."

Wir haben Freundschaftskämpfe bei den Amerikanern in Weddewarden gemacht. Das war also eine sehr schöne Zeit.

Hans-Ulrich Kahle, Bremerhavener Bowling-Pionier

Der Betreiber damals hieß Hermann Schmidt, genannt Smitti, 1970 deutscher Einzelmeister im Bowling. Er betrieb vor der Halle in Bremerhaven bereits eine in Mannheim. Bremerhaven hatte also zwar nicht die allererste, aber eine der ersten Bowlinghallen in Deutschland. Schmidt habe den Bowlingsport in Bremerhaven unglaublich gefördert, sagt Kahle. Er sei auch die treibende Kraft für die Verbindung zu den Amerikanern gewesen und habe diese auf die Bahn geholt. "Und wir haben Freundschaftskämpfe bei den Amerikanern in Weddewarden gemacht", so Kahle. "Das war also eine sehr schöne Zeit."

Von Bremerhaven mit der Nationalmannschaft in die USA

Als Hans-Ulrich Kahle 24 war, hatte er es mit seiner Mannschaft nicht nur in die Bundesliga geschafft, sondern nahm in der Nationalmannschaft sogar an der Weltmeisterschaft 1971 in Milwaukee in den USA teil. Aber in den Jahren danach war irgendwann die Luft raus. "Es war auch nicht mehr die Stimmung wie früher da." Die Amerikaner seien nicht mehr so da gewesen und auch nicht das frühere Gemeinschaftsgefühl. "Es war plötzlich das Gefühl einer gewissen Leere da."

Ende der Bowlingbahn nach 55 Jahren?

An einer heruntergekommenen Wand hängt eine Cola-Werbung.
Zu Beginn der Corona-Pandemie schloss die Bowlinghalle in Bremerhaven nach 55 Jahren. Bild: Radio Bremen | Catharina Spethmann

1980 hörte Hans-Ulrich Kahle mit dem Bowlingspielen auf. Seitdem habe er nur alle fünf bis zehn Jahre ab und zu mal gespielt – und gemerkt, dass das Training fehlte. Er hat dann lieber Tennis gespielt. Und die Bowlingbahn? Liegt dunkel und verlassen an der vielbefahrenen Langener Landstraße. Ihr jetziger Betreiber hat sie übrigens, so sagt er, 1995 von der irischen Rockband U2 gekauft, die mehrere Bowlingbahnen als Geldanlagen gehabt haben soll. Wie es mit der Halle weitergeht, kann er noch nicht sagen.

Autorin

  • Catharina Spethmann

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Vormittag, 25. Januar 2021, 10:40 Uhr.