Warum es in Bremen so viele Bombenfunde gibt

Gesperrte Straßen, Hoffen und Bangen bei der Entschärfung – in Bremen werden oft Bomben gefunden, wie zuletzt in Hastedt, in der Überseestadt oder in Farge. Warum das auch an der Weser liegt, erklärt ein Sprengmeister.

Eine Kugelschreiberspitze zeigt auf einem Luftbild von Bremen Bombentreffer aus dem zweiten Weltkrieg.
Ein Kugelschreiber weist auf eine Stelle, an der eine Bombe vermutet wird. Rechts im Bild sind Bombenkrater zu sehen. Die historischen Aufnahmen benutzt der Kampfmittelräumdienst für seine Arbeit.
Wie viele Bomben wurden in Bremen seit Kriegsende gefunden?
Seit 1945 haben Spezialisten rund 16.500 Blindgänger gefunden, also solche Bomben, die beim Aufprall auf der Erde nicht explodiert sind. Hinzu kommen noch 95.000 Brandbomben, berichtet Andreas Rippert, Leiter des Kampfmittelräumdienstes in Bremen. Die Hansestadt stand bei der Gesamtbombenlast an siebter Stelle unter den deutschen Städten, das entnimmt Rippert einer Zusammenstellung des Militärhistorikers Olaf Groehler in seinem Buch "Bombenkrieg in Deutschland". Rund 25.500 Tonnen seien im Krieg auf die Stadt hinabgegangen.
Wie viele Bomben liegen noch in der Erde verborgen?
Eine solche Zahl zu schätzen, ist wohl kaum möglich. Rippert nennt es "Kaffeesatzleserei". Allerdings dürfte angesichts der 173 Luftangriffe auf Bremen im Zweiten Weltkrieg noch einiges gefunden werden. "Seit 2002 hat sich die Zahl der gefundenen Bomben pro Jahr bei etwa zehn eingependelt", sagt der Sprengmeister. "Es gibt natürlich auch mal Ausreißer nach unten oder oben. So wie 2014. In diesem Jahr haben wir 24 Bomben gefunden." 2016 waren es 16 Bomben.
Warum trafen gerade die Hansestadt derart viele Bomben?
Einmal war Bremen wegen seines Hafens und der Rüstungsindustrie ein wichtiges strategisches Ziel. Allerdings sei es auch ein beliebtes "Ausweichziel" gewesen, sagt Rippert. Und auch ein dritter Punkt kann eine Rolle spielen. "Bremen war schon in der ersten Zeit des Krieges gut erreichbar. Die Piloten flogen bei Vollmond und haben sich an den Gewässern orientiert. Bremen, Hamburg oder die Städte am Rhein waren daher erkennbar", sagt Rippert. Später habe es dann Peilstrahler gegeben, mit deren Hilfe sich die Piloten besser orientieren konnten.
Wie gefährlich sind die Bomben, die noch unter der Erde liegen?
Besonders gefährlich sind sogenannte Langzeitzünderbomben. "Sie könnten jederzeit hochgehen", sagt Rippert. Das liegt an der Funktionsweise. Eine Scheibe aus Zelluloid oder Kunststoff hält hierbei den Schlagbolzen fest. Wird einen solche Bombe aus der Luft abgeworfen, dann zerbricht im Inneren in der Regel eine Glas-Ampulle mit Aceton. Das Aceton löst schließlich das Zelluloid auf und löst den Schlagbolzen aus, so dass die Bombe explodiert. Doch auch Bomben, bei denen das Gefäß mit Aceton nicht zerbrochen ist, können noch hochgehen. Nämlich dann, wenn das Plastik oder Zelluloid wegen Altersschwäche porös geworden ist.
Wie geht der Kampfmittelräumdienst vor?
Die Sprengmeister bekommen Hinweise meist von Bürgern, die etwas auf ihrem Grundstück vermuten, oder von Bauunternehmern. Bevor Bauarbeiten beginnen, untersuchen sie das Gelände. Auch die Bombe, die jetzt in Hastedt gefunden wurde, hat man so entdeckt. Der Dienst bietet Einweisungen speziell für das Personal von Baufirmen an. Haben die Experten eine Bombe gefunden, entscheiden sie, ob sie vor Ort entschärft oder an einen anderen Ort gebracht und kontrolliert gesprengt werden muss.
  • Verena Patel

Dieses Thema im Programm: Hörfunknachrichten, 12. Oktober 2017, 10 Uhr