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Down-Syndrom: Bluttest für Schwangere wird von Krankenkassen bezahlt

Video vom 19. August 2021
Eine Mutter hält ihre mit Trisomie21 erkrankte Tochter in den Armen.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Der Bluttest auf Down-Syndrom wird in einigen Fällen zur Kassenleistung. Worüber Schwangere dabei informiert werden müssen, hat heute der Gemeinsame Bundesausschuss entschieden.

Der Gemeinsame Bundesausschuss hat heute entschieden, unter welchen Bedingungen der nicht-invasive Pränataltest künftig von den Krankenkassen übernommen wird. Schwangere müssen bald nicht mehr bezahlen, um zu erfahren, ob ihr Kind eine Trisomie hat. Kritiker warnen vor dem Beschluss.

Was ist der nicht-invasive Pränataltest?
Den nicht-invasiven Pränataltest, kurz NIPT, gibt es seit 2012. Damit kann schon im ersten Drittel der Schwangerschaft festgestellt werden, ob der Fötus genetische Erkrankungen haben könnte. Untersucht wird dafür eine Blutprobe der Schwangeren. Früher war dafür ein Fruchtwassertest nötig, bei dem aber die Gefahr einer Fehlgeburt besteht. Mit dem Bluttest kann festgestellt werden, wie wahrscheinlich es ist, dass das ungeborene Kind neben den zwei üblichen Chromosomen ein drittes hat. Das ist dann ein Zeichen für eine Trisomie. Mit dem Test können Frauen herausfinden, ob ihr Kind Trisomie 18, 13 oder 21 haben könnte – komplett sicher ist das Ergebnis aber nicht.
Was ist der Gemeinsame Bundesausschuss und was entscheidet er genau?
Der Gemeinsame Bundesausschuss ist ein Gremium des Gesundheitswesens, das darüber entscheidet, welche Leistungen Krankenversicherte eigentlich beanspruchen können. In dem Gremium sitzen Vertreter der Ärzteschaft, der Kliniken und der Krankenkassenvertreten, Patientenvertreter kommen ohne Stimmrecht dazu. Der Ausschuss hatte schon 2019 beschlossen, dass Krankenkassen in Einzelfällen die Kosten für den NIPT übernehmen. Schon da war die Entscheidung an eine umfassende Beratung geknüpft worden. Beim jetzigen Entscheid ging es nun um den Inhalt der sogenannten Versicherteninformationen. Das klingt kompliziert, bedeutet aber, dass Ärztinnen und Ärzte bei der Beratung von Schwangeren künftig bestimmte Infos verpflichtend weitergeben müssen, wenn sie über den Bluttest informieren. Konkret geht es darum, wie der Bluttest abläuft, welche Ergebnisse herauskommen können, wie die einzuordnen sind, was die nächsten möglichen Schritte sind, sollte der Test ein auffälliges Ergebnis bringen und ob die Schwangere ihn überhaupt machen lassen möchte.
Was ändert sich jetzt?
Bevor die Regelung greift, müssen noch ein paar bürokratische Hürden genommen werden: Das Bundesgesundheitsministerium muss den Beschluss prüfen und er muss im Bundesanzeiger veröffentlicht werden. Das wird vermutlich bis zum Frühjahr 2022 dauern. Der Test hat früher zwischen 129 und 428 Euro gekostet. Künftig soll dieser Test in Einzelfällen von den Krankenkassen übernommen werden. So, wie das bislang schon für die Fruchtwasserpunktion oder die Gewebeentnahme aus der Plazenta gilt. Das heißt also nicht, dass künftig jede Schwangere einfach so einen solchen Test auf Kosten der Krankenkasse machen kann. Es gilt: Ein solcher Bluttest kann zum Beispiel dann angewendet werden, wenn sich aus anderen Untersuchungen ein Hinweis auf eine Trisomie ergeben hat.
Die Entscheidung trifft nicht nur auf Zuspruch. Wer kritisiert den Beschluss?
Behindertenverbände, Kirchen und auch einige Ärzte hatten sich bereits im Frühjahr mit einem offenen Brief an den Bundesausschuss gewandt und die anstehende Entscheidung kritisiert. Konkret geht es darum, dass die Vorgaben, wann eine Schwangere den Test machen kann, zu schwammig formuliert seien. Kritiker fürchten deshalb eine "Reihenuntersuchung", weil viele Frauen für die Kassenleistung in Frage kämen: Letztlich beschäftigten sich die meisten Schwangeren mit der Frage, ob ihr Kind Trisomie haben könnte. Auch sei nicht klar benannt worden, dass der NIPT kein gesichertes Diagnoseverfahren sei.
Schon 2019 hatten Kritiker gewarnt, dass die Zahl der Abtreibungen von Kindern mit Trisomie steigen werde, wenn die Kassen den Test bezahlen.

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Autorin

  • Lisa-Maria Röhling Autorin

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Morgen, 19. August 2021, 8:36 Uhr