Weltblutspendetag: Werden schwule Spender diskriminiert?

Nicht jeder darf für andere Blut spenden. Besonders eine Regelung für homosexuelle Männer wirft Fragen auf – auch bei Bremer Betroffenen.

Ein Beutel mit Spenderblut liegt neben einem Blutspender.
Beutel mit Spenderblut. Bild: DPA | Sebastian Gollnow

Blutspenden retten oft Leben. Doch Spender sind rar, weshalb am heutigen Welttag der Blutspende wieder viele Menschen aufgerufen werden, ihr Blut für andere zu geben. Und doch ist nicht jeder, der dies will, willkommen. So dürfen homosexuelle Männer in Deutschland zwar mittlerweile Blut spenden – aber nur, wenn sie ein Jahr lang keinen Sex hatten. Dies hat die Bundesärztekammer in der zuletzt 2017 aktualisierten Richtlinie Hämotherapie festgelegt. So soll das Ansteckungs- und Erkrankungsrisiko für die Empfänger einer Blutspende möglichst ausgeschlossen werden.

Diese Regelung stößt auf Kritik. "Ein Jahr im Zölibat leben, um dann Blut zu spenden, ist realitätsfern", sagt Reiner Neumann, Vorstand des Bremer Rat-und-Tat-Zentrums, das im Viertel schwule und lesbische Menschen berät. Dabei habe der Europäische Gerichtshof schon entschieden, dass Menschen auch in diesem Bereich nicht aufgrund ihrer sexuellen Orientierung diskriminiert werden dürften. Dies habe jedoch nicht ausgereicht.

Regelung bringt nur "Scheinsicherheit"

Außerdem sei die Sicherheit auch nur eine Scheinsicherheit, schließlich könnten homosexuelle Männer ihre Ausrichtung auch einfach anders angeben, sagt Neumann. "Grundsätzlich sollte da noch einmal nachgebessert werden."

Roland Knauff, Geschäftsführer von Rat und Tat fügt an, dass wissenschaftliche HIV-Tests Aids bereits sechs Wochen nach der Infektion nachweisen könnten. "Der Zeitraum von einem Jahr ist da völlig willkürlich gesetzt."

Zwölf-Monats-Frist sei unbegründet

Rückenwind bekommen die beiden Bremer auch aus Berlin. "Die im Jahr 2017 aktualisierte Hämotherapierichtlinie führt die Diskriminierung von schwulen und bisexuellen Männern weiter fort", sagt Kirsten Kappert-Gonther, Obfrau der Bundestagsfraktion der Grünen im Ausschuss für Gesundheit. Eine Frist von zwölf Monaten ohne Sex für eine Blutspende sei sachlich unbegründet.

"Sexuelle Beziehungen zwischen Männern stellen nicht per se ein Sexualverhalten mit einem hohen Übertragungsrisiko für durch Blut übertragbare Infektionskrankheiten dar", so Kappert-Gonther. Das Risiko bemesse sich vielmehr nach der individuellen Anzahl von Sexualpartnern und ob der Sexualverkehr geschützt oder ungeschützt ablaufe. Somit ist auch die gesonderte Nennung von transsexuellen Personen mit sexuellem Risikoverhalten nicht nachvollziehbar.

Sexuelle Beziehungen zwischen Männern stellen nicht per se ein Sexualverhalten mit einem hohen Übertragungsrisiko (...) dar.

Kirsten Kappert-Gonther, Obfrau der Grünen Bundestagsfraktion im Ausschuss für Gesundheit

In Bayern hat sich jetzt im Übrigen die FDP des Themas angenommen. Sie fordert mittlerweile per Online-Petition eine Änderung der Richtlinie.

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 14. Juni 2019, 23:30 Uhr