Interview

So viele Weltkriegsbomben schlummern noch im Boden

Viele Bomben liegen immer noch als Blindgänger in der Erde. 70 Jahre nach Kriegsende sind längst noch nicht alle gefunden. Wieso erklärt uns ein Bremer Sprengmeister.

Video vom 11. Juni 2018
Eine Bombe aus dem zweiten Weltkrieg.
Bild: Radio Bremen

Wenn ein Blindgänger zufällig in einer Baugrube entdeckt wird, rückt die Truppe vom Kampfmittelräumdienst an. Einsatzleiter Thomas Richter erklärt uns, dass Bremen und Bremerhaven bevorzugte Ziele der alliierten Bombenverbände im Zweiten Weltkrieg waren. Denn hier wurden Kriegsschiffe und U-Boote gebaut, aber auch Flugzeuge, militärische Ketten- und Transportfahrzeuge sowie Munition.

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Bomben sind sein Geschäft: Thomas Richter leitet die Einsätze des Kampfmittelräumdienstes. Bild: RadioBremen
Wie oft wurde Bremen bombardiert?
Es gab insgesamt 173 registrierte Luftangriffe auf Bremen. Es könnten auch noch einige mehr sein, da in den letzten Kriegstagen keine genauen Registrierungen mehr vorgenommen wurden. Für Bremerhaven sind 52 Luftangriffe registriert.
Wie viele Bomben wurden dabei jeweils abgeworfen?
Auf Bremen ist eine Gesamtbombenlast von 25.513 Tonnen niedergegangen: 41.629 Sprengbomben und 847.785 Brandbomben. Bremerhaven hat insgesamt 426.933 Bomben über sich ergehen lassen müssen, davon etwa 2.400 Stück Sprengbomben. Nach Angaben der Westalliierten Streitkräfte lag die Gesamttonnage noch sehr viel höher.
Wie hoch ist die Blindgängerrate?
Man spricht von zirka zehn bis 15 Prozent Blindgängern. Das ist aber mit Vorsicht zu betrachten. Die Rate kann auch deutlich höher sein, wie zum Beispiel beim Löwenhof in der Überseestadt. Mithilfe von alten Luftbildern können wir die Bombenkrater von den nicht explodierten Sprengkörpern unterscheiden.
Bleistiftspitze zeigt auf einem Luftbild einen Blindgänger zwischen Bombenkratern
Anhand solcher Luftbilder können die kleinen dunklen Kreise als Blindgänger erkannt werden. Bild: Radio Bremen
Wie viele Blindgänger werden in Bremen noch vermutet?
Spezialisten sprechen von 16.000 Blindgängern, die während und kurz nach Kriegsende schon geräumt wurden. Über eine verbliebene Zahl möchte ich nicht sprechen, da dies reine Spekulation ist. Die letzte Bombe wird wahrscheinlich nie gefunden werden. Man muss auch andere Munition für eine Gefahrenabschätzung mit einbeziehen. So war Bremen von einem starken Gürtel von Flugabwehrgeschützen umgeben. Die vorrückenden Truppen der Alliierten haben Bremen mehrere Tage lang mit Artillerie beschossen, da der Kampfkommandant nicht kapitulieren wollte. Die Granatblindgänger sind auf Luftbildern nicht zu erkennen und können auch auf Flächen liegen, die keine Bombardierung aufweisen.

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Autor

  • Hauke Hirsinger

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 11. Juni 2018, 19:30 Uhr

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