Knusprig und öko: Europas erste Bio-Grillen kommen aus Bremen

Ein Bremer Agraringenieur hat mittels Crowdfunding seine Idee einer Grillen-Zucht in die Tat umgesetzt. Aus den Insekten sollen bald Bio-Lebensmittel werden.

Video vom 2. März 2020
Zu sehen ist eine Hartschale wo mehrere Bio-Insekten drauf sind.

Florian Berendt denkt über Bremens Grenzen hinaus: Was passiert mit der Welt? Die Menschen werden immer mehr – die Umwelt leidet und die Lebensmittel werden knapp. Wie kriegen wir trotzdem möglichst alle satt? Und das auch noch nachhaltig? Mit der Landwirtschaft, wie wir sie gerade betreiben, funktioniert das allein nicht mehr, meint er.

Da er sich seit Jahren mit Insekten beschäftigt, fand er eine nachhaltige und gesunde Nahrungsalternative: die Grille. Sie bietet mit ihren vielen Proteinen, Fetten und Vitaminen eine nahrhafte Essensgrundlage und ist dabei auch noch leicht zu züchten. So entschied sich Berendt dazu, per Crowdfunding-Aufruf seine Start-Up-Idee einer Bio-Grillen-Zucht in die Tat umzusetzen.

Wie funktioniert die Grillen-Zucht?

Bio-Grillen als Mahlzeit
Massentierhaltung mal anders: die Bremer Grillen-Zuchtboxen.

Das Team um Berendt benutzt alte, aber entsprechend umgebaute Container, in denen die Zuchtboxen der Grillen stehen. Dort herrschen um die 30 Grad Raumtemperatur und eine Luftfeuchtigkeit von unter 40 Prozent. Die Grillen haben dunkle Rückzugsecken in ihren Zuchtboxen und natürlich Wasser und Futter.

Ein Container bietet genug Platz für Millionen von Grillen. Ist das artgerecht? Florian Berendt sagt: Ja! Circa 30 Tage lang wachsen die Grillen in ihren Boxen auf, bis sie am Ende zwischen 0,5 und 1 Gramm wiegen. Das Konzept der Grillen-Zucht ist laut Berendt kein Hexenwerk und kann überall auf der Welt funktionieren.

Bio und regional soll es sein

Bio-Grillen als Mahlzeit
Ein ungewohnter Snack: getrocknete Grillen.

Bei dem Bremer Start-Up werden nicht "nur" Grillen gezüchtet. "Bio-Grillen" sollen es sein. Gefüttert werden die Insekten mit biologischem Gemüse, altem Bio-Brot, -Keksen und -Haferflocken. Alles Abfallprodukte, die bei Bioproduzenten übrig bleiben. Alles nachhaltig und alles regional. Entsprechend werden die Insekten anschließend zu verschiedensten Bio-Lebensmitteln verarbeitet werden: Man kann sie ausbacken und pur essen, beispielsweise als Salat-Topping, verfeinert mit Chili oder Knoblauch. Auch Pizza- und Brotteig oder aber Burgerpatties kann man aus ihnen produzieren. Der Clou: Je nach Fütterung lässt sich auch der Geschmack der Grillen variieren.

Letztendlich bleibt es Geschmackssache

Für Florian Berendt sind seine Grillen nicht "nur" Insekten oder ein Produkt, sondern der Versuch, die Welt ein bisschen besser zu machen. Sie sollen eine echte Alternative zu Fleisch, Fisch und Co. sein. Denn wissenschaftlich bewiesen ist: Grillen sind dank ihrer Proteine, Vitamine und Eiweiße extrem nahrhaft.

Bremerhavener Klimahaus serviert Insekten

Video vom 26. Januar 2019
Ein Gericht auf einem Teller, man erkennt eine große Kartoffel und ein Insekt.

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Autor

  • Rudy Schönborn

Dieses Thema im Programm: Bremen Vier, Bremen Vier läuft, 20. Mai 2020, 12:15 Uhr