Kita-Studie: Bremen fehlen bis zu 250 Erzieher

  • In Krippen kommt in Bremen im Schnitt eine Fachkraft auf 3,3 Kinder
  • Bei Kindern zwischen drei und sechs Jahren liegt das Verhältnis bei 1 zu 7,7
  • Bundesweit hat Bremen das zweitbeste Betreuungsangebot
Ein Betreuer hilft einem Kind sich eine Jacke anzuziehen.
Trotz eines vergleichsweise guten Betreuungsschlüssels erfüllt Bremen die Empfehlungen der Bertelsmann Stiftung nicht. Bild: Imago | Westend61

Die Qualität von Krippen und Kindergärten stagniert in Bremen – zumindest, wenn man sie an der Entwicklung des Betreuungsschlüssels misst. Zu diesem Ergebnis kommt das Ländermonitoring "Frühkindliche Bildungssysteme" der Bertelsmann Stiftung. Demnach betreut eine Fachkraft in Bremer Krippen im Schnitt 3,3 Kinder unter drei Jahren. Der Wert liegt zwar etwas unter dem westdeutschen Durchschnitt (1 zu 3,4), hat sich im Vergleich zu 2012 aber um 0,1 Punkte verschlechtert. Bei den Kita-Kindern zwischen drei und sechs Jahren ist das Verhältnis in Bremen 1 zu 7,7. 2012 war das Verhältnis noch 1 zu 8,1. Damit bietet Bremen hinter Baden-Württemberg bundesweit die zweitgünstigsten Betreuungsverhältnisse. Zudem erreichen die Kitas in Bremen fast die Empfehlungen der Stiftung, 1 zu 3 bei Krippen und 1 zu 7 bei Kindergärten.

128 Fachkräfte und 122 Leitungen fehlen

In Bremen verfügt knapp ein Drittel der Einrichtungen über keine Personalressourcen für die Leitung, allerdings haben 23 Prozent eine angemessene Leitungsausstattung, teilt die Bertelsmann Stiftung mit. Den zusätzlichen Ausbaubedarf beziffert die Stiftung auf 122 Leitungskräfte, für die rund sieben Millionen Euro jährlich veranschlagt werden müssten. Zudem fehlen laut Bertelsmann-Stiftung 128 Fachkräfte in Vollzeit, wofür rund sechs Millionen Euro jährlich bereitgestellt werden müssten.

Bund und Länder sollten sich in den anstehenden Verhandlungen zum Gute-Kita-Gesetz auf eine Verbesserung der Personalschlüssel und Leitungsausstattung konzentrieren.

Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung.

Nur bundesweit einheitliche Standards könnten gleiche Bildungschancen für alle Kinder und faire Arbeitsbedingungen für die Fachkräfte sicherstellen, sagte Jörg Dräger. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, GEW, fordert ein Bundes-Kita-Qualitätsgesetz. "Der Geburtsort eines Kindes dürfe nicht über dessen Bildungsweg entscheiden", sagte die GEW-Vorsitzende Marlis Tepe in der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Tepe forderte den Bund auf, jährlich rund zehn Milliarden Euro zusätzlich in den Kita-Bereich zu investieren.

Große Unterschiede in Niedersachsen

In niedersächsischen Krippen und Kindergärten hat sich die Qualität der Betreuung verbessert. So kamen am 1. März 2012 rein rechnerisch bei den unter Dreijährigen 4,2 Kinder auf eine Fachkraft, am 1. März 2017 waren es 3,8 Mädchen und Jungen. Damit ist das Betreuungsverhältnis für jüngere Kinder allerdings noch immer etwas ungünstiger als im westdeutschen Durchschnitt (1 zu 3,4). Bei den Drei- bis Sechsjährigen muss eine Fachkraft in Niedersachsen im Schnitt 8,2 Kindergartenkinder betreuen – 0,5 mehr als in Bremen.

Auch innerhalb von Niedersachsen gebe es ein Gefälle zwischen den Wohnorten, hieß es. Bei den Kindergartenkindern ist der Personalschlüssel am ungünstigsten in den Landkreisen Leer, Wittmund und Hameln-Pyrmont, in der Region Hannover und im Landkreis Northeim. Bei den Krippen stehen die Landkreise Helmstedt, Goslar und Leer sowie die Stadt Wolfsburg am schlechtesten da.

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Dieses Thema im Programm: Bremen Vier, Vier News, 28. August 2018, 10 Uhr