Interview

So tickt Deutschlands bester Zoo-Azubi

Marc Tetzlaff spielt in der Tierpfleger-Liga ganz oben: Er ist Deutschlands bester Zoo-Azubi. Hier erklärt er, was seinen Job besonders macht und warum er Zoos wichtig findet.

Marc Tetzlaff beim Füttern von Pinguinen
Marc Tetzlaff bei seiner Arbeit im Zoo am Meer in Bremerhaven. Bild: Zoo am Meer Bremerhaven
Was ist das für ein Gefühl, der beste Nachwuchstierpfleger zu sein?
Ich habe diesen Sommer meine Ausbildung beendet und bei diesem Prüfungsergebnis ist man dann schon begeistert. Vor allem es mit so einer hohen Punktzahl geschafft zu haben, 95 von 100 möglichen Punkten.
Wie beweist man denn, dass man der Beste ist?
Es gibt dort zwei Prüfungen: Zum einen die theoretische und zum anderen die praktische. Die Theorieprüfung habe ich in Bremerhaven bei der IHK gemacht. Die geht etwa fünf Stunden und man wird alles Mögliche gefragt, das ist ganz breit gefächert. Wichtig ist natürlich gerade für Tierpfleger: Welche Tiere sind gefährlich und wie steht es um die eigene Sicherheit?
Wie gefährlich ist denn dieser Job?
Bei den wirklich gefährlichen Tieren wie Eisbär, Schimpanse und Puma, die wir bei uns in Bremerhaven haben, ist natürlich immer ein Gitter dazwischen. Es gibt also nie Kontakt zwischen Tier und Tierpfleger. So haben die Tiere keine Möglichkeit uns zu verletzen.
Waren denn Tierthemen bei Ihnen auch schon in der Schule die Lieblingsthemen?
Ja, also Biologie war immer mein Lieblingsfach. Und wenn es dort praktischer wurde und es um Tiere ging, hat es mich sehr interessiert. Aber auch privat war ich stets naturbegeistert und so war es eigentlich schon immer klar, dass es in diese Richtung geht.
Haben Sie selber auch Haustiere?
Ich habe zwei Kaninchen. Der Vorteil ist, dass ich die auch streicheln kann. Ganz im Gegensatz zum Eisbären. Kaninchen sind jetzt nicht meine Traumhaustiere, aber sie sind einfach zu pflegen. Man hat was Lebendiges in der Wohnung. Ich habe auch nach der Arbeit gerne was mit Tieren zu tun.
Gab es schon mal gefährliche Situationen im Job?
Wir haben natürlich auch mit Tieren zu tun, bei denen man aufpassen muss. Zum Beispiel Robben, bei denen wir auch auf die Anlage gehen. Und gerade die großen Seelöwen können natürlich schon mal zubeißen. Da kann schon was passieren. Ich habe aber noch keine Situation erlebt, in der es brenzlig wurde. Da muss man natürlich seine Tiere kennen und einschätzen können. Das gehört zu einem guten Tierpfleger dazu und ist etwas, worüber die Prüfungsnote nicht viel aussagt. Daher bin ich auch vorsichtig damit zu sagen, dass ich der beste Tierpfleger bin.
Es gibt ja Menschen, die finden den Zoo nicht gut und werfen ihm Freiheitsberaubung vor. Was sagen Sie dazu?
Kritik ist immer etwas, worüber man diskutieren muss. Und gerade das hat in den letzten Jahren dazu beigetragen, dass sich Zoos verbessert haben. Wenn man sich Zoos vor 50 Jahren ansieht, dann stehe ich nicht dahinter. Aber ich bin der Meinung, dass wir mittlerweile einen guten bis sehr guten Standard haben und deswegen sollte man mit Zookritikern immer das Gespräch suchen. Ich weiß, es klingt immer so gebetsmühlenartig, aber wir machen Artenschutzerhaltung und es gibt viele Beispiele für Tierarten, die so nicht mehr existieren würden. Mit Hilfe der Zoos können wir Tiere vor dem Aussterben bewahren und sobald ihre Lebensräume wieder hergestellt sind, können wir die Population wieder aufbauen.
Bald geht es für Sie nach Vietnam. Was werden Sie dort machen?
Ich arbeite dort in einer Auffangstation für hoch bedrohte Affenarten, die dort auch gezüchtet und anschließend ausgewildert werden. Außerdem werden wir dort Aufklärungsarbeit bei der Bevölkerung vor Ort leisten.
Der beste Tierpfleger-Azubi, Marc Tetzlaff, nimmt eine Auszeichnung entgegen.
Marc Tetzlaff erhält die Auszeichnung zum besten Nachwuchstierpfleger Deutschlands. Bild: DIHK/Jens Schicke

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Sonntag aus Bremerhaven, 9. Dezember 2018, 13:45 Uhr