Verden ehrt Pferde-Stars: Kennen Sie noch diese Helden ihrer Zeit?

Lucky Luke auf Jolly Jumper (Archivbild)
Bild: Imago | United Archives
Bild: Imago | United Archives

Black Beauty und Jolly Jumper kennt jeder. Aber wie hieß noch der Schimmel aus "Herr der Ringe"? Im Deutschen Pferdemuseum werden Erinnerungen an Pferde-Legenden wach.

Sie waren Hochleistungssportler, reitbarer Untersatz von Comic-Comboys, Romanfiguren oder auch Streitrösser von Königen und Kaisern: Hinter jedem dieser Pferde steckt eine Geschichte, die von Erfolg, Leid oder Freude erzählt. Die Tiere haben teils ganze Kindheiten begleitet, sie waren Helfer in der Not, lustige Freunde und je nachdem, wie alt Sie selbst sind, könnten auch Sie eine Erinnerung an sie haben. Acht der 20 Pferde, denen das Pferdemuseum Verden in einer Ausstellung ein Denkmal setzt, stellen wir Ihnen kurz vor.

1 Totilas

Matthias Alexander Rath auf "Totilas" bei der EM 2015 (Archivbild)
Auf Dressurreiter Matthias Alexander Rath und Pferd Totilas lastete nach dem millionenschweren Verkauf ein enormer Erfolgsdruck, dem sie kaum gerecht werden konnten. Bild: DPA | Gladys Chai von der Laage

Eines der weltweit berühmtesten Dressur- und Zuchtpferde der vergangenen Jahre ist Totilas. Gemeinsam mit seinem niederländischen Reiter Edward Gal konnte der Rappe zeitweilig Rekorde in den drei schwersten Dressurprüfungen halten. Dementsprechend wertvoll war das niederländische Warmblut, als es vor knapp zehn Jahren für einen zweistelligen Millionenbetrag an Paul Schöckemöhle verkauft wurde. Zum Zeitpunkt des Verkaufs im Jahre 2010 war dies eine Rekordsumme, wodurch Totilas zeitweise das teuerste Pferd der Welt war. An die Erfolge mit Gal konnte der neue Reiter in Totilas Sattel, Matthias Rath, aber nie anknüpfen. Der Hype um den lackschwarzen Hengst mit Spitzname "Toto" wurde in der Pferdeszene kontrovers diskutiert. Seiner Sportkarriere folgte die als Deckhengst – über seinen Tot hinaus. Totilas, der oftmals als "Wunderpferd" bezeichnet wurde, verstarb im alter von 20 Jahren im vergangenen Dezember an einer Kolik. Wer Nachkommen züchten will, kann dies mit seinem eingefrorenem Sperma für eine Decktaxe von 3.500 Euro.

2 Halla

Springreiter H.G. Winkler 1955 auf "Halla"
Springreiter H.G. Winkler und die "Wunderstute" Halla waren ein legendäres Team. Hier im Jahre 1955. Bild: Imago | Zuma Wire

Ein weiteres "Wunderpferd" machte in den 1950ern von sich reden: Die Hessenstute mit dem Namen Halla. Zusammen mit ihrem Reiter Hans Günter Winkler holte die Springstute insgesamt drei Mal olympisches Gold und wurde zweifache Weltmeisterin. Legendär ist ihre gemeinsame Teilnahme an den Olympischen Reiterspielen 1956 in Stockholm. Springreiter Winkler, der sich einen schweren Leistenbruch zugezogen hatte, konnte nur mit Tabletten, Spritzen und Zäpfchen gegen die Schmerzen an den Start gehen. Und doch gewannen Halla und er das Springen und damit letztendlich doppeltes Gold – zum einen für die deutsche Mannschaft, zum anderen für Reiter Winkler und seine Halla. Nach dem Ende der Sportkarriere brachte sie noch acht Fohlen zur Welt und wurde stattliche 34 Jahre alt. Ihr zu Ehren wurde der Name Halla von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung FN gesperrt, womit kein anderes Pferd jemals mit dem Namen Halla als Turnierpferd eingetragen werden darf. Womit sie endgültig einzigartig bleibt. Und wer aufmerksam den Film Ostwind geschaut hat: Dort wird behauptet, Halla sei die Großmutter von Ostwind beziehungsweise die Urgroßmutter des Fohlens Ora.

3 Black Beauty

Das Pferd "Black Beauty" galoppiert über eine Weide (Archivbild)
Immer gut für ein Happy End: Black Beauty. Bild: DPA | Everett Collection/Disney

Der 1877 veröffentlichte Roman der britischen Autorin Anna Sewell beleuchtet eine dunkle Seite der Pferdehaltung. In dem gleichnamigen Buch erzählt das Reit- und Kutschpferd Black Beauty in der Ich-Perspektive von seinem leidvollen Alltag als Nutztier. Thematisiert werden in dem berühmten Roman Fehler in der Tierhaltung und im Umgang mit den Pferden, weshalb das literarische Werk "Black Beauty" (Schwarze Schönheit) als früher Wegweiser für den Tierschutz gilt. Was allerdings zu Lebzeiten von Sewell wenig Resonanz fand. Um so berühmter wurde der Rappe durch diverse Verfilmungen. In einer Kinoversion spielte Uschi Glas mit. Wer die Geschichte von Black Beauty gelesen oder als Film oder Serie gesehen hat, der weiß, dass es am Ende ein Happy End für das Pferd gibt. In der Suchmaschine der Deutschen Reiterlichen Vereinigung FN werden 117 eingetragene Pferde gleichen Namens angezeigt.

4 Condé

Das Pferd Condé steht zwischen Bäumen vor einer Landschaft. Im Hintergrund steht ein Haus mit eine Kuppel.
Ein Kupferstich zeigt Condè. Bild: Deutsches Pferdemuseum

Condé war das Lieblingspferd von Friedrich dem Großen und führte ein durchaus luxuriöses Pferdeleben. Es heißt, der König fütterte den Fliegenschimmel reichlich mit Melonen und Feigen. Der Wallach hatte die edelste Weide der Zeit, denn er durfte sich im Schlosspark von Sanssouci als Leibreitpferd des "alten Fritz" frei bewegen. Nach seinem Tod wurde das Tier der Nachwelt erhalten, die Haut präpariert und ausgestopft und wurde zuletzt im Deutschen Historischen Museum ausgestellt, jedoch im Zweiten Weltkrieg durch eine Luftmine zerstört. Erhalten geblieben ist jedoch Condés Skelett und steht im Anatomischen Museum des Institutes für Veterinär-Anatomie in Dahlem.

5 Mister Ed

Mister Ed aus der gleichnamigen amerikanischen TV-Serie (1961-1965)
Mister Ed telefonierte gern. Bild: Imago | Everett Collection

Mister Ed wird vielen aus dem Fernsehen noch ein Begriff sein. Das sprechende Pferd von Architekt Wilbur Post wurde in den 1960er Jahren zu einem Serienhelden und 1963 mit einem Golden Globe ausgezeichnet. Die gleichnamige US-amerikanische Schwarzweiß-Serie erreichte ein weltweites Publikum. In Deutschland wurde der Quotenhit erstmals 1962 in der ARD gezeigt. Funfacts für den Hippologen-Smalltalk: Der Palomino hatte auch ein Stuntdouble – das Quater Horse "Pumpkin", das ihm zum Verwechseln ähnlich sah. Nachdem zunächst eher zweifelhafte Trainingsmethoden zum Einsatz gekommen waren, Mister Ed zum "Sprechen" zu bringen, lernte der Wallach schnell. Es heißt, er habe schnell begriffen, dass Redepausen des Schauspielers als sein Einsatzzeichen zu verstehen waren.

6 Pegasus

Pegasus-Bronzestatue (Archivbild)
Pegasus als geflügeltes Pferd ist und war ein äußerst beliebtes Motiv in der Kunst. So gibt es viele Abbildungen und Staturen von ihm, wie diese hier aus Bronze. Bild: Imago | Imagebroker

Auch das wohl bekannteste Pferd aus der griechischen Mythologie ist in der Verdener Ausstellung vertreten: Pegasus. Besonders viele Geschichten und Erzählungen ranken sich um das geflügelte Pferd. Eine davon erzählt, wie Pegasus für den Göttervater Zeus Blitz und Donner durch den Himmel transportiert haben soll. Der vielerorts bekannte Name sorgte dafür, dass eine ganze Reihe von Flugobjekten nach ihm benannt wurden. Darunter eine türkische Fluglinie, eine Trägerrakete, eine Flügelrossfisch-Gattung, eine Schadsoftware, eine Reihe von Satelliten und diverse Achterbahnen weltweit. Und auch ein eigenes Sternbild, nördlich des Himmelsäquators, wurde nach ihm benannt.

7 Jolly Jumper

Cover eines Luky-Luke Comics
Neben Lucky Luke, den Daltons und Hund Rantanplan ist Jolly Jumoer eine der wichtigsten Figuren. Bild: DPA | Lemage

Eine Pferde-Legende aus dem franko-belgischen Comic Luky Luke ist Jolly Jumper (übersetzt soviel wie "ausgelassener Springer"), das Pferd der lässigen Hauptfigur. Jollys Wesenszüge schwanken im Laufe der Comics immer wieder – vom zunächst klassischen, sprachlosen Pferdsein zu fast schon menschenähnlichen Verhaltensweisen. So kann sich Jolly nicht nur mit anderen Pferden unterhalten, sondern plaudert in späteren Ausgaben der Comicserie auch mit seinem Freund Lucky Luke. Und von wem stammen diese Dialoge? Von keinem geringerem als René Goscinny, der auch Asterix und Obelix die Worte in den Mund legte.

8 Schattenfell

Zwei ein Junge füttert das Pferd Schattenfell, während ein Mann mit Schwert daneben steht und zusieht.
Schattenfell, ist in Tolkiens Buch ein grauer Hengst. Das Aquarell von Anke Eißmann aus dem Jahr 2003 heißt "Visiting Shadowfax". Bild: Anke Eißmann

Ein weiteres Pferd aus der Literatur reiht sich ein in die Ausstellung des deutschen Pferdemuseums: Schattenfell stammt aus dem Fantasy-Epos "Herr der Ringe", das eines der erfolgreichsten Bücher des 20. Jahrhunderts ist. Das silbergraue, in der Filmtriologie als weiß dargestellte Pferd, gilt als das edelste und größte Ross Mittelerdes. Dementsprechend trägt es auch eine der Hauptfiguren durch den Ringkrieg – den Zauberer Gandalf. Dargestellt wurde Schattenfell in zwei der Trilogie-Filme vom Andalusier-Schimmel Blanco. Seine Trainerin musste ihn schweren Herzens im Dezember 2014 einschläfern lassen. Deren Vater war übrigens auch ein berühmter Tiertrainer – unter anderem für das berühmte Hollywood-Pferd Trigger, das Roy Rogers oder auch Olivia de Havilland geritten haben. Aber das ist eine andere Geschichte ...

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Autorin

  • Rena Lossau

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 15. Juni 2021, 12:38 Uhr