"Langweilig, fürchterlich": Sind das Bremens 5 größte Bausünden?

Über Geschmack lässt sich wohl streiten. Offenbar auch, was die Architektur einiger Gebäude in Bremen und Bremerhaven betrifft. Eine Auswahl der buten-un-binnen-User.

Blick auf Bremer Hauptbahnhof und das City-Gate
Für viele Bremerinnen und Bremer gehört die 2019 eingeweihte City-Gate-Passage im Dudler-Stil zu den schlimmsten Bausünden im Land Bremen. Bild: Radio Bremen | Karsten Klama

Für die einen sind sie geschmackvoll, für die anderen geschmacklos: viele "moderne" Gebäude. Es gibt offenbar eine recht übereinstimmende Meinung über die Architektur einiger Gebäude in Bremen und Bremerhaven: Alt ist schöner.

Die Innenstadt ist total verbaut – die schönen historischen Bauten gehen fast unter zwischen den unmöglichen und phantasielosen Klötzen – wie konnte das genehmigt werden – Schade.

Bri Evelyn - 4. Mai 2021, 09:23 Uhr.

Was die neuen Bauten betrifft, scheint es auch da so etwas wie einen Konsens zu geben: Neu? Nein, danke! Denn neu ist "grässlich, [...] nur noch einfarbiger Beton und Glas. Langweilig vom Stil und langweilig für die Augen", schreibt zum Beispiel Janina Schneider, eine buten-un-binnen-Userin auf Facebook. Außerdem passt für Viele das "Moderne" nicht wirklich in das historische Stadtbild.

Grüne Architektur wäre mal was Tolles, auch gut für das Klima. Oder einfach mal schauen, wie die neuen Häuser zu den alten Bauten passen würden.

Janina Schneider - 4. Mai 2021, 09:45 Uhr.

buten un binnen hat die Menschen in Bremen und Bremerhaven nach den größten Bausünden im Land Bremen gefragt. Das sind die am häufigsten genannten Antworten in den sozialen Netzwerken.

1 City Gate am Bremer Hauptbahnhof

Blick vom Bahnhofsvorplatz auf das City-Gate
Die hoch umstrittene City-Gate-Passage kostete mehr als 100 Millionen Euro und enthält Einkaufszentren, Büros und Gewerbeflächen. Bild: Radio Bremen | Christian Bordeaux

Die helle Naturstein-Fassade mit den schmalen Fenstern scheint kaum jemandes Geschmack in Bremen zu treffen. Viele finden die beiden Bauten schlicht und einfach "hässlich". Entworfen wurde das siebengeschossige Gebäude vom Schweizer Architekten Max Dudler.

Unser Hauptbahnhof ist ein wunderschönes altes Gebäude, vor allem, wenn es dunkel wird und die Lichter an sind. Dieses neu gebaute Ding vor dem Bahnhof macht die ganze Atmosphäre kaputt und der Blick auf den Bahnhof ist nicht mehr gegeben.

Jacky Desireé B - 4. Mai 2021, 08:16 Uhr.

Die fürchterlichen Gebäude vorm Bahnhof.

Kati Mari - 4. Mai 2021, 08:04 Uhr.

Der Bau hat mehr als drei Jahre gedauert und musste zwischendurch viele Monate auf Eis gelegt werden, weil es Probleme beim Tiefbau gab. Die Baugrube war so abgesackt, dass die BSAG-Straßenbahngleise und die Hochstraße in Schieflage gerieten. Nach einem Streit über die Ursache, trennte sich dann der Investor vom Tiefbauunternehmen. Das Grundstück am Bahnhofsvorplatz wurde 2012 für 5,7 Millionen Euro an die Hamburger Treuhandgesellschaft Achim Griese verkauft. Mittlerweile ist die Wachholtz Immobilien GmbH alleiniger Gesellschafter.

2 Bremische Bürgerschaft am historischen Bremer Marktplatz

Gebäude der Bremischen Bürgerschaft.
Die Idee hinter den Glasscheiben: Darin sollen sich Rathaus, Handelskammer und Roland spiegeln. Noch bevor das Haus der Bürgerschaft fertig gestellt wurde, hatten die Glasscheiben Risse, wegen der Sommerhitze 1966. Bild: Radio Bremen | Cengiz Kültür

Das Haus der Bürgerschaft scheint mit seiner Architektur der Nachkriegsmoderne aus Sicht vieler Bremer und Bremerinnen deplatziert – zwischen historischen Bauten wie Dom, Roland, Rathaus und dem Schütting. Vor dem Neubau befand sich an gleicher Stelle das Gebäude der Neuen Börse, die während des Zweiten Weltkrieg zerbombt wurde. 1957 hatte der Schütting, also die Handelskammer, das Grundstück dann an die Stadtgemeinde verkauft.

Die Bremische Bürgerschaft. Als ich das als Kind zum ersten mal gesehen hab, war ich auch schon schockiert.

Kai Siemer - 4. Mai 2021, 07:59 Uhr.

Und das mitten in der schönen historischen Altstadt.

Alexander Repty - 4. Mai 2021, 11:59 Uhr.

Das Haus der Bürgerschaft entstand zwischen 1963 und 1966 nach den Plänen von dem Berliner Architekten Wassili Luckardt. Gegen die modernen Entwürfe des Neubaus wurde jahrelang protestiert. Von 71 Modellen entschied sich der damalige Bürgerschaftspräsident August Hagedorn für den umstrittenen Entwurf von Luckardt. Das Haus der Bürgerschaft beherbergt die Bremische Bürgerschaft, also das Landesparlament der Freien Hansestadt Bremen und steht seit 1992 unter Denkmalschutz. Weiteres zur Geschichte kann man auf der Seite der Bremischen Bürgerschaft nachlesen.

... und steht auch noch unter Denkmalschutz.

Marijanne Eberl - 4. Mai 2021, 13:45 Uhr.

3 Kühne und Nagel an der Wilhelm-Kaisen-Brücke/Martinistraße

Neubau noch umgeben von Bauzäunen und Baucontainern
Das weltweit agierende Unternehmen beschäftigt inzwischen mehr als 60.000 Mitarbeiter. In dem neuen August-Kühne-Haus in Bremen arbeiten rund 800 Beschäftigte. Bild: Radio Bremen | Heike Kirchner

Viele Bremerinnen und Bremer können sich mit dem hellen treppenartigen Gebäude nicht anfreunden und wundern sich über die Technikanlage auf dem Dach des Unternehmens. Über die Höhe und Form des Gebäudes wurde auch schon im Vorfeld des Baus viel diskutiert. Das Gebäude, das sich in unmittelbarer Nähe der historischen Altstadt befindet, sollte nicht zu dominant wirken und die Domtürme verdecken. So wurde es vier Meter niedriger gebaut als geplant. Und doch sorgte dann die Silhouette für Aufregung. Auf dem Dach des Hochhauses sind hohe technische Lüftungsanlagen angebracht, von denen die Firmenleitung nicht gewusst haben soll. Die wurden dann im Nachgang verkleidet.

Der Kühne-Bau sieht aus wie ein Stück Flughafen-Terminal, der dort mal eben abgeladen wurde! Dieser Bau hat mir final gezeigt, wie schwach, machtlos und überflüssig unsere Regierungsvertreter in Bremen sind! Bau-Kultur, Tradition, Denkmalpflege, Stadtplanung alles am Tiefpunkt in dieser Stadt! Verkehrsplanerisch ist die Ecke auch noch lebensgefährlich! Ich schäme mich als Bremer für diesen Bau!

Jens A Meyer - 4. Mai 2021, 23:24 Uhr.

Mit der Einweihung des Neubaus 2019 wurde der Hauptsitz für das Deutschlandgeschäft von Hamburg nach Bremen verlagert. Das Speditionsunternehmen wurde 1890 von August Kühne und Friedrich Gottlieb Nagel gegründet. 1962 wurde das Vorgänger-Gebäude fertiggestellt, acht Jahre später wurde es um drei Etagen aufgestockt, 2017 dann wegen Platzmangel abgerissen. Um ein größeres Haus zu bauen, wurden der Stadt Bremen knapp 1.000 Quadratmeter Fläche abgekauft. Die Kreuzung musste dafür umgebaut werden. Rund 26 Millionen Euro hat der Neubau gekostet.

4 Das neue AOK-Gebäude in Bremerhaven

Das Gebäude der AOK in Bremerhaven
Im neuen Gebäude arbeiten rund 180 Beschäftigte. Auch die AOK-Niedersachsen ist hier angesiedelt. Bild: Patrick Florenkowsky

Preisgekrönt ist es, aber trotzdem fragt sich manch einer, was das eigentlich ist, wenn er oder sie am neuen Gebäude der AOK-Hauptgeschäftsstelle in Bremerhaven vorbeikommt. So zumindest empfinden es einige unserer Facebook-User. 

Das "neue" Gebäude der AOK Bremerhaven sieht aus wie ein Knast.

Christian Alpers - 4. Mai 2021, 07:36 Uhr.

Die ausgesprochen hässlichen Gebäude am Bremer Hauptbahnhof [...] gefolgt vom Meditarraneo oder wie das mittlerweile heißt und natürlich diese Knast ähnliche Scheußlichkeit: AOK Gebäude.

Maria Kuhnert - 4. Mai 2021, 08:26 Uhr.

2015 wurde der Neubau der AOK-Hauptgeschäftsstelle in Bremerhaven eingeweiht. Acht Millionen Euro hat der Bau gekostet. Entworfen wurde das Verwaltungsgebäude vom Schweizer Architekten Max Dudler. Für die nachhaltige Bauweise wurde das Gebäude von der Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen mit einer Goldmedaille ausgezeichnet.

5 Bremerhavens ehemaliges Einkaufszentrum Mediterraneo

Einkaufsgasse im Mediterraneo Bremerhaven
Das Mediterraneo im Entwicklungsgebiet Havenwelten wurde vor zwei Jahren zu einem Outlet-Center. Bild: Radio Bremen | Boris Hellmers

Das Gebäude kommt bei einigen Menschen anscheinend nicht ganz so gut an. Das Mediterraneo wurde 2008 geöffnet. Es liegt direkt am Weserdeich in der Bremerhavener City. Die mediterranen Gassen, Arkaden, historischen Fassaden und die riesige Glaskuppel sollen für südländischen Flair sorgen. Dafür wurden die Baumaterialien aus den Ländern am Mittelmeer extra importiert. Doch die Rechnung ging nicht auf: Große Kundenströme blieben aus und viele Läden standen leer, so dass es ein neues Konzept her musste. Seit März 2020 ist es nun ein Outlet-Center.

[...] Mediterraneo sieht aus als hätte ein Kind Lego gebaut. Nicht schön. Aber auch nicht so erdrückend. [...]

Marc Miller - 4. Mai 2021, 08:35 Uhr.

Ist Architektur in Bremen nur gut, wenn sie auch schön ist?

Video vom 3. Mai 2021
Die Architektur mit einem großen verglasten Hochhaus dem Wesertower.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Autorin

  • Necla Süre Volontärin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 7. Mai 2021, 19:30 Uhr