Lehre statt Uni: Warum diese Bremer Ex-Studentin lieber Azubine ist

Audio vom 25. August 2021
Junge Frau sitzt am Schreibtisch vor Computer.
Bild: Radio Bremen | Wolfgang Loock
Bild: Radio Bremen | Wolfgang Loock

Zum Start des neuen Ausbildungsjahrs sind im Land Bremen noch rund 1.000 Stellen unbesetzt. Auch für glücklose Studenten bieten sich hier berufliche Chancen.

Als Jana Wientjes vor sieben Jahren ihr Abitur gemacht hat, war für sie klar: Ich will studieren! "Irgendwas mit Medien" – das wollte sie machen. Einen Ausbildungsplatz zur Mediengestalterin hatte sie zwar schon in der Tasche, aber auf Sprachwissenschaften, Englisch und später noch Medien- und Kommunikationswissenschaften an der Universität Bremen hatte sie mehr Lust.

Weil ihr das Studium am Anfang Spaß gemacht hat, war sie sich sicher: "Das ziehe ich durch!" Doch dann bemerkte sie irgendwann, dass ihr der Praxisbezug fehlt. Nachdem die junge Frau fünf Jahre an der Uni eingeschrieben war, brach sie das Studium schließlich ab, um doch eine Ausbildung anzufangen.

Mir hat dieser rote Faden gefehlt: Was mache ich hier eigentlich genau, wie geht das überhaupt weiter?

Jana Wientjes

Die Auszubildende hat sich lange damit auseinander gesetzt und trotzdem fiel ihr die Entscheidung, das Studium an den Nagel zu hängen, nicht leicht. Immerhin: Fünf Lebensjahre für Nix? Und obendrein rausgeschmissenes Geld? Trotz triftiger Gründe "pro Studium" überwog ein Wunsch: Das Gelernte ganz praktisch anwenden zu können.

Das Beste, was hätte passieren können

In den kommenden drei Jahren wird sie nun bei einem Fachhandel für Verpackungsmaterial in Stuhr bei Bremen zur Kauffrau für E-Commerce ausgebildet. Ein Job, den sie vorher schon sechs Monate als Aushilfe gemacht hat. Weshalb ihr der Einstieg relativ leicht gefallen sei. So wurde sie nicht direkt ins kalte Wasser geworfen und sie konnte die Leute, ihre Abteilung und ihren Aufgabenbereich schon vorher besser kennenlernen.

Die zehn Semester Studium seien dabei auch keine verschwendete Zeit gewesen, so die 25-Jährige. Rein akademisch gesehen bringe es ihr nichts mehr, aber an Lebenserfahrung und allgemein für ihren Job hat sie davon profitiert. Das sieht ihr Chef Paul Franke auch so. Man merke, dass sie durch das Studium ein gewisses analytisches Denkvermögen habe, lobt er.

Man kann ihr relativ einfach Aufgaben übertragen, die sie dann selbstständig auch schon abarbeitet.

Paul Franke

Ihre Lebenserfahrung und Selbstständigkeit sind für Janas Chef echte Pluspunkte: "Sicherlich bringt das Studium auch die ein oder andere gute Sache mit, damit man eben Dinge anders angeht als vielleicht ein Azubi mit 18, der noch nie vorher gearbeitet hat."

Eine Mischung aus allem

Jana scheint ihren Weg jedenfalls gefunden zu haben. Die Ausbildung zur E-Commerce-Kauffrau macht ihr Spaß. Dort kann sie sich auch kreativ ausleben und sich um Werbegrafiken, Texte und Datenpflege kümmern. Sie kann in ihrer Ausbildung in sehr viele Bereiche hineinschauen: Mediengestaltung, Einzelhandel und Büro-Organisation.

Die Entscheidung, das Studium abzubrechen und eine Ausbildung anzufangen, hat sie nicht bereut. Und sie würde den Schulabgängern von heute sogar den Tipp geben, erst eine Ausbildung zu starten, statt direkt an die Uni oder an eine Hochschule zu gehen.

Ich glaube es geht vielen Leuten ähnlich wie mir, dass in einem reinen Vollzeitstudium einfach der Praxisbezug fehlt. Ich denke, ein duales Studium oder eine Ausbildung ist immer förderlicher, weil du das Gelernte auch direkt anwenden kannst.

Jana Wientjes

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Video vom 24. Juni 2021
Schüler sitzen am Tisch und lassen sich etwas von einer älteren Person erklären.
Bild: Radio Bremen
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Autor

  • Wolfgang Loock

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Morgen, 25. August 2021 06:40 Uhr