Open-Air-Ausstellung in Bremerhaven blickt zurück in Kolonialzeit

Das Schifffahrtsmuseum zeigt in einer audiovisuellen Installation Fotos aus Kolonien in der Kaiserzeit. Zu sehen sind die historischen "Denkbilder" rund um die Uhr.

Mehrere Personen stehen vor Fotowänden im Freien.
Ausstellungskuratorin Gisela Parak stellt Besuchern die Open-Air-Installation am Bremerhavener Schiffffahrtsmuseum vor. Bild: Radio Bremen | Luca Laube

Am Beispiel historischer Reisealben zeigt das Deutsche Schifffahrtsmuseum (DSM) in einer Open-Air-Ausstellung den Blick kaiserlicher Marinesoldaten auf Völker und Länder in Übersee. "Das Andere sehen? Der kolonialistische Blick" ist eine audiovisuelle Installation vor dem Museum und in Kooperation mit Studierenden der Uni Bremen entstanden.

Historische Bilder zeugen von kolonialer Ausbeutung

Ein Mann im weißen Anzug fotografiert halbnackte Personen mit einem Stativ.
Eine Aufnahme aus einem Erinnerungsalbum des Korvettenkapitäns Hermann Brunswig zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Bild: DSM

Fotografiert wurden die Bilder von heimgekehrten Matrosen, die Ende des 19. Jahrhunderts über die Kaiserliche Marine in einstige deutsche Kolonien geschickt wurden. Bis zum Ende des Ersten Weltkriegs fuhren sie Pazifikinseln sowie Teile von China und Afrika an. Mit Gewalt sollten dort die Gesetze der deutschen Kolonialmacht durchgesetzt und die wirtschaftliche Ausbeutung von Rohstoffen und Ressourcen gesichert werden. Vor Ort ließen sich die Männer mit der lokalen Bevölkerung fotografieren und brachten die Bilder als Andenken zurück in die Heimat.

Koloniales Erbe ist viel diskutiertes Themenfeld

Ein Block im Freien zeigt Schrift und Bilder.
Die Ausstellung vor dem Schifffahrtsmuseum ist 24/7 zugänglich. Bild: DSM

Die 50 ausgestellten Aufnahmen bezeichnet das Museum als "Denkbilder". Sie beziehen sich auf Fotos aus der kolonialgeschichtlichen Sammlung des DSM. Hörclips, die per QR-Code angesteuert werden, geben Hintergrundinformationen für eine kritische Auseinandersetzung. "Die Fotografien zeigen einerseits Neugier und Faszination des Fremden, andererseits zeugen sie auch von der Erinnerungskultur der Marine, zahlreichen gewalttätigen Übergriffen und der allgemeinen Kriegsbegeisterung", so das Museum. Wie viel das koloniale Erbe mitsamt seinen Auswirkungen in der Gegenwart diskutiert werde, zeige auch das Interesse an einer Fachtagung des DSM, an der kürzlich rund 500 internationale Experten teilnahmen. Ein schulisches Bildungsprojekt soll die Ausstellung begleiten.

"Überheblicher Blick": Bilder aus der Kolonialgeschichte

Video vom 8. Mai 2021
Eine junge Frau scannt bei einer Open-Air-Ausstellung zur Kolonialgeschichte einen QR-Code.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 8. Mai 2021, 19:30 Uhr