Fragen & Antworten

Corona und die Ausbildungssuche: Das ist in Bremen jetzt noch möglich!

Audio vom 25. August 2021
Collage zeigt einen Segeltuchmacher, eine Einzelhandelskauffrau und eine Musikinstrumentenbauerin
Bild: DPA | Jens Büttner / Robert Kneschke / Wolfgang Thieme, Montage Radio Bremen
Bild: DPA | Jens Büttner / Robert Kneschke / Wolfgang Thieme, Montage Radio Bremen

In der Pandemie war die Ausbildungsplatz-Suche schwer. Jetzt entspannt sich die Lage. Doch obwohl noch viele Stellen frei sind, sind auch noch viele jungen Menschen auf der Suche.

"Die Corona-Pandemie hat es Jugendlichen und Arbeitgebern schwerer gemacht, zueinander zu finden", sagt Jörg Nowag, Sprecher der Agentur für Arbeit Bremen-Bremerhaven. Grund waren fehlende Berufsmessen und Jobbörsen – auch der direkte Kontakt zum Berater fehlte. Doch das ändere sich jetzt mit den Lockerungen. Der Ausbildungsmarkt sei in Bewegung, teilt auch das Wirtschaftsressort mit. Und doch: Zufrieden zeigt sich die Behörde nicht. Corona hat Spuren bei den jungen Menschen hinterlassen und die Unternehmen bilden nicht in dem Umfang aus, wie es sich das Ressort wünscht. Wie die aktuelle Lage aussieht – und was junge Menschen tun können, die kurzfristig noch eine Ausbildung finden wollen.

Erst mal ein Blick auf die aktuelle Pandemielage: Können sich Ausbildungsplatzsuchende wieder gut informieren?
Suchende können sich persönlich mit Termin beraten lassen. Und ob schriftlich, telefonisch oder via Mail – alle Partner der Jugendberufsagentur Bremen-Bremerhaven sind nach Angaben des Wirtschaftsressorts gut erreichbar. Schon bald sollen Interessierte auch das Berufsinformationszentrum wieder persönlich besuchen können. Laut Nowag von der Arbeitsagentur wird es am 1. September öffnen. Auch die Jobmesse Bremen und die Berufsinformationsmesse (BIM) in Bremerhaven sollen noch dieses Jahr wieder stattfinden – vorbehaltlich der Infektionslage.

Die Traumausbildung kann immer noch auf dem Markt auftauchen.

Jörg Nowag, Sprecher Arbeitsagentur Bremen
Wie hat die Pandemie die Ausbildungen beeinflusst – und können Azubis jetzt wieder alles lernen?
Das hängt wohl von der Branche ab. Laut Wirtschaftsressort hat ein Teil der Auszubildenden in der Lockdown-Phase Lernrückstände aufgebaut. "In einigen Branchen ist der Anteil der Azubis, die ihre Ausbildung auf Anhieb erfolgreich zu Ende bringen, gering." Deshalb unterstütze Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) besonders beeinträchtigte Branchen. Besonders betroffen sind demnach die Gastro- und Veranstaltungsbranche. "Für die Gastrobranche haben wir deshalb bereits ein extra Programm mit den Sozialpartnern aufgebaut, und es gibt Angebote zur Prüfungsvorbereitung", heißt es aus dem Ressort.

In vielen Branchen normalisiere sich die Lage aber wieder, so Ronja Senger, Jugendvertreterin bei Airbus Operation in Bremen. Als im vergangenen Jahr viele Betriebe in Kurzarbeit gegangen waren, seien die Möglichkeiten für Azubis stark eingeschränkt gewesen: "Wenn die Produktion stillsteht, können Azubis da auch nichts lernen", erklärt die Fluggerät-Mechanikerin. Aber in allen Betrieben, die Vollzeit arbeiten und Ausbildungwerkstätten haben, finde die Ausbildung weitgehend normal statt.

Ausbildungsstellen und Zahl der Bewerber im Land Bremen 2021

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Gibt es dieses Jahr wegen der schwierigen Beratungslage weniger Bewerberinnen und Bewerber?
Im Gegenteil, wie Arbeitsagentur und Wirtschaftsressort mitteilen. Während in den meisten anderen Bundesländern die Bewerberzahlen dieses Jahr zurückgegangen seien, registrierte Bremen laut Ressort im Juli sogar 5,3 Prozent mehr Bewerberinnen als im Vorjahr. Die Arbeitsagentur spricht von etwa 100 Bewerbungen mehr für den Juli. Einen Grund dafür sieht das Ressort in einer zügig eingeführten Strategie, um die junge Zielgruppe trotz Pandemie direkt zu erreichen. Unter anderem über einen Instagramkanal der Jugenberufsagentur, Telefonvermittlungsaktionen, Anschreibeaktionen und mehr.
Wie groß ist das Ausbildungsangebot? Können junge Menschen sicher eine Ausbildung finden?
Die Anzahl der gemeldeten Ausbildungsstellen und der Bewerber und Bewerberinnen sei vielversprechend, so das Wirtschaftsressort. Es gibt aber noch immer junge Menschen, die bisher keinen passenden Ausbildungsplatz gefunden haben. Das sei aber auch außerhalb der Pandemie so. Doch jetzt komme hinzu, dass einige Branchen noch nicht normal arbeiten könnten – oder noch ganz geschlossen sind. Als Beispiel nennt die Behörde die Veranstaltungsbranche. Dort ist das Ausbildungsangebot eher gering. Und grundsätzlich gebe es "immer noch Branchen, die mehr ausbilden könnten und auch in ihrem eigenen Interesse ausbilden müssten." Nach Angaben der Arbeitnehmerkammer bildet jeder 5. Betrieb in Bremen nicht mehr aus.

Jugendvertreterin Senger sagt, dass viele Unternehmen feste Einstellungszahlen haben und unter anderem Daimler in Bremen immer noch im großen Rahmen ausbilde. Bei anderen Unternehmen beobachte sie, dass die Zahl der gewerblichen Ausbildungen, wie Mechanikerin und Elektriker, runtergefahren würden. Stattdessen legten Unternehmen mehr Wert auf eine duale Ausbildung, also Praxis und Studium kombiniert.
Die Ausbildungen haben am 1. August begonnen. Wenn jetzt noch jemand sucht, ist da noch was möglich?
"Es ist nicht zu spät", sagt Nowag von der Agentur für Arbeit. Der erste August sei nur einer von mehreren Einstiegsterminen. Auch zum 1. September und später könne man mit einer Ausbildung beginnen. "Die Kammern trage sogar noch Ausbildungsplätze im Oktober ein."
Wie viele Ausbildungsplätze sind in Bremen und Bremerhaven noch frei?
Das sind 1.023 (Stand 21. August). Aber es ist noch viel Bewegung im Ausbildungsmarkt. Die Zahlen ändern sich aktuell täglich, weil einige junge Menschen ihre zugesagten Stellen nicht antreten oder es in der Probezeit zu Veränderungen kommt. Es kommen auch immer noch neue offene Ausbildungsplätze dazu. Welche Stellen frei sind kann man hier herausfinden: Ausbildungsplatzbörse
Jetzt einmal konkret: Was ist in Bremen und Bremerhaven denn noch zu haben?
Aktuell werden Nachwuchskräfte für fast 150 unterschiedliche Berufe gesucht. Im Handel, in der Gastronomie, in der Logistik, im Handwerk, aber auch in vielen kaufmännischen und Gesundheitsberufen sind noch viele Ausbildungsplätze frei.

11 Berufe mit den meisten freien Ausbildungsstellen im Land Bremen

Stand 23. August
Verkäuferin/Verkäufer96
Kaufmann und Kauffrau im Einzelhandel74
Berufskraftfahrerin und -fahrer44
Fachkraft Lagerlogistik39
Büromanagement / Kauffrau, Kaufmann35
Versicherungen und Finanzen / Kauffrau, Kaufmann31
Spedition, Logistik / Kauffrau, Kaufmann30
Hörakustikerin, Hörakustiker25
Fachverkäuferin Lebensmittel (Bäckerei)23
Kaufmann/-frau - Groß- und Außenhandelsmanag. (Großhandel)22
Restaurantfachmann/-frau22
Welche seltenen oder eher ungewöhnlichen Ausbildungsplätze gibt es im Land Bremen? Etwas, was man nicht kennt.
Es gebe laut Nowag seltene Berufewie den Verfahrenstechnologen in der Mühlen-/Getreidewirtschaft zum Beispiel – das ist das, was früher der Müller gemacht hat. Weitere seltene Ausbildungsberufe sind unter anderem Metallblasinstrumentenmacher und -macherin, Segelmacherin und - mache sowie Seilerin und Seiler. Welche Ausbildungsberufe vorkommen hängt von der Wirtschaft in der Region ab. So findet man die Porzellanmalerin und den Edelsteinschleifer eher im Süden Deutschlands und nicht in Bremen. "Wer eine solchen Ausbildungsberuf erlernen möchte, muss daher räumlich mobil sein", sagt Nowag.

Zahl weiblicher und männlicher Bewerber im Land Bremen

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Was sollen junge Menschen jetzt tun, die noch eine Ausbildung suchen?
Suchende sollten Kontakt mit der Berufsberatung innerhalb der Jugendberufsagentur aufnehmen, oder, wenn dieser schon besteht, auf jeden Fall eng halten. "Die Traumausbildung kann immer noch auf dem Markt auftauchen", sagt Arge-Sprecher Nowag. Die Berufsberater und Berufsberaterinnen helfen nicht nur bei der Suche, sondern auch, wenn es darüber hinaus Fragen gibt. Zum Beispiel Nachhilfebedarf. Und wer seine Stärken noch nicht kennt, kann einen Test machen, um herauszufinden, welche Berufe passen.

Die Hotline der Berufsberatung: 0800 455 55 00

Rückblick Juni: Ausbildungsgipfel soll Bewegung in den Markt bringen

Video vom 24. Juni 2021
Ausbildungsgipfeltreffen
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Autorin

  • Birgit Reichardt

Dieses Thema im Programm: Bremen Next, Next am Nachmittag, 25. August 2021, 15:50 Uhr