Ein Grasberger ist der Vierte in ARD-Serie "Die 3 von der Müllabfuhr"

Mindestens vier Millionen Menschen sehen die Folgen von "Die drei von der Müllabfuhr". Mit dabei: Ein Schauspiel-Double aus Grasberg im Kreis Osterholz für TV-Star Jörn Hentschel.

Audio vom 1. Juni 2021
Eine Gruppe von Müllmännern steht vor einem orangefarbenen Müllauto.
Bild: Rüdiger Meyer
Bild: Rüdiger Meyer

Es geht in den Geschichten um drei witzige Berliner Müllmänner, gespielt von Uwe Ochsenknecht, Jörn Hentschel und Aram Arami. Heimlich spielt aber noch ein vierter mit: Rüdiger Meyer aus Grasberg im Landkreis Osterholz. Seit dem vergangenen Herbst springt er als Film-Double für den Schauspieler Jörn Hentschel ein. Ein Job im Hintergrund.

Gesucht: Ein Profi mit Führerschein

Das orangefarbene Ungetüm mit den Kippvorrichtungen am Heck fährt vom Betriebshof der Berliner Müllabfuhr. Am Steuer sitzt laut Drehbuch Ralle Schieber. Allerdings darf sein Darsteller Jörn Hentschel den Laster nicht fahren — da braucht man nämlich unbedingt einen Profi mit dem entsprechenden Führerschein und solider Fahrpraxis. Jemanden wie Rüdiger Meyer, Chef eines Messebau-, Transport- und Lagerhaus-Unternehmens in Grasberg. Der manövriert das Gefährt auch durch engste Gassen: "Ich musste praktisch Anlauf nehmen von hinten und mit Vollgas in diese Szene reinfahren, da sollte man dann schon Auto fahren können."

Die haben gesagt: 'passt perfekt'. Perücke auf, Brille auf, und das ist der zweite Jörn Hentschel.

TV-Double Rüdiger Meyer

Wer am Steuer sitzt, das sieht man in solchen flüchtigen Szenen nicht ganz genau. Aber er sollte aus der Ferne schon in etwa so aussehen wie Jörn Hentschel in seiner Rolle als Ralle Schieber. Das bedeutet, er muss ein knalloranges Müllwerker-Outfit, ähnliche Frisur, Brille, und vor allem eine ähnliche Statur und Gesichtsform haben. Jemand vom Produktionsteam kannte privat zufällig einen, der dafür in Frage kam: Rüdiger Meyer. Der bekam den Anruf auf der Autobahn und dann ging alles ganz schnell. Er habe ein Selfie auf dem Rastplatz gemacht und es an die Maske geschickt: "Die haben gesagt 'passt perfekt'. Perücke auf, Brille auf, und das ist der zweite Jörn Hentschel."

Erstes Aufeinandertreffen mit dem Star

Zwei sehr ähnlich aussehenden Männer in orangenfarbener Kleidung stehen nebeneinander und schauen in die Kamera.
"Bist du ich?" Links der "falsche" und rechts der echte Jörn Hentschel am Filmset. Bild: Rüdiger Meyer

Vier Wochen später sollte es mit den Dreharbeiten für zwei Folgen losgehen. Leichte Aufregung stellte sich bei Rüdiger Meyer ein: "Ich konnte mich selber in dieser Filmbranche gar nicht vorstellen, habe auch logischerweise Respekt davor gehabt." Eine Maskenbildnerin machte ihn erstmals für den Part zurecht, unter anderem mit Brille und Perücke. Auch dem Gedoubelten gefiel das: "In dem Moment kam Jörn Hentschel rein, guckte mich an und fragte mich dann 'Bist du ich?'. Ich sagte 'Ja, oder du bist ich'. So haben wir beide uns kennengelernt."

Wir haben quasi einen halben Tag gebraucht, um diese Szene in den Kasten zu bekommen, aber die Sendezeit war nachher zehn Sekunden davon.

TV-Double Rüdiger Meyer

Dass die bekannten Fernsehgesichter zu ganz normalen, bodenständigen, umgänglichen Menschen gehören, das war für Rüdiger Meyer die erste Überraschung. Alle seien per Du: Vom Laufburschen bis zum Regisseur Hagen Bogdanski. Der Aufwand für die kleinsten Szenen war für den Filmneuling ebenfalls überraschend: "Wir haben quasi einen halben Tag gebraucht, um diese Szene in den Kasten zu bekommen, aber die Sendezeit war nachher zehn Sekunden davon."

Ein unsichtbares Team im Hintergrund

Ein beeindruckendes, für die Zuschauer unsichtbares Team arbeitet für jede Szene. Alles ist organisiert und getaktet. Dabei blieb Rüdiger Meyer aber nicht untätig, sondern packte mit an: "Wenn ich dem Tontechniker oder dem Kameramann oder dem Ausleuchter hinterher gelaufen bin und seine Lampe tragen wollte, wurde das aber verneint, und er hat gesagt 'Nein, lass es, dafür sind wir zuständig'."

An rund 20 von insgesamt mehr als 40 Drehtagen war Rüdiger Meyer dabei, immer, wenn der Müllwagen bewegt werden sollte. Da konnte es auch mal zu längeren Pausen kommen: "So viel Kaffee hab ich auch noch nie getrunken in meinem ganzen Leben, weil beim Film heißt es einfach immer warten, warten, warten, bis du dran bist. Aber wenn du dann dran bist, dann bist du auch von null auf hundert dran."

Kein Abschied für immer

Das Team sei wie eine große Familie gewesen, erzählt Rüdiger Meyer. An seinem letzten Drehtag hätten ihm alle 40 Personen einen rührenden Abschied bereitetet und gesagt, er solle bitte wiederkommen. Von Regisseur Hagen Bogdanski hat er das sogar schriftlich: "Habe Hagen dann gefragt, ob ich beim nächsten wieder mit dabei sein kann oder darf. Und da hat Hagen geschrieben: Du musst wieder dabei sein."

Rüdiger Meyer freut sich also schon auf die nächsten Dreharbeiten im Herbst. Bis dahin kann er die mit ihm gedrehten Folgen in der ARD-Mediathek sehen und in Erinnerungen schwelgen. Für seinen Messebau-Betrieb in Grasberg, dem es in der Corona-Zeit nicht gerade gut geht, hat er übrigens eine Idee vom Set mitgebracht: Er will große Laster als Maskenwagen, Aufenthaltswagen und Garderobenwagen ausrüsten und an Filmteams hier im Nordwesten verchartern.

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Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 31. Mai 2021, 11:48 Uhr