"Aquarius" beendet Einsatz für Flüchtlinge im Mittelmeer

  • SOS Méditerranée begründet das mit "gezielten politischen Angriffen"
  • Schiff ist vor fast drei Jahren von Bremerhaven aus aufgebrochen
  • Laut Hilfsorganisation hat der Einsatz rund 30.000 Menschenleben gerettet
Die Aquarius kreuzt vor Marseille im Mittelmeer.
Der "Aquarius" wurde Ende September die Flagge entzogen. (Archivbild) Bild: DPA | Vallauri Nicolas

Das Schiff "Aquarius" wird keine Flüchtlinge mehr aus dem Mittelmeer retten. Denn die Hilfsorganisation SOS Méditerranée beendet die Mission. Das sei eine "äußerst schwierige Entscheidung" gewesen, sagte der Geschäftsführer von SOS Méditerranée, Fréderic Penard.

Als Grund nannte die Hilfsorganisation "eine Reihe von gezielten politischen Angriffen auf die lebensrettende Arbeit der Hilfsorganisation". So hat Panama der "Aquarius" auf Druck der italienischen Regierung zwei Mal die Flagge entzogen. Zuletzt warfen italienische Behörden der NGO vor, illegal Müll in Italien entsorgt zu haben, und drohten mit der Beschlagnahmung des Schiffs. Die populistische Regierung in Italien hat die Häfen des Landes für Seenotretter weitgehend dicht gemacht. Die "Aquarius" liegt derzeit in Marseille vor Anker.

Wir haben den Höhepunkt der Kriminalisierung von humanitärer Hilfe auf See erreicht. Dass wir jetzt dazu gezwungen sind, den Betrieb der Aquarius einzustellen, während europäische Mitgliedsstaaten ihrer Verantwortung, Menschen im Mittelmeer zu retten, nicht gerecht werden, ist ein Armutszeugnis für Europa

Verena Papke, Geschäftsführerin von SOS Méditerranée Deutschland

Dennoch will SOS Méditerranée auch in Zukunft zu Rettungseinsätzen im Mittelmeer ausfahren – allerdings mit einem anderen Schiff. Um das zu ermöglichen sei die NGo aber "auf die Initiative von mutigen Reedereien angewiesen, die bereit sind, ein Zeichen der Solidarität" zu setzen.

Die "Aquarius" war seit Februar 2016 im Einsatz und hat nach Angaben der Hilfsorganisation etwa 30.000 Migranten aus dem Meer gerettet. Weltweite Beachtung fand die Blockade des Schiffs im Sommer mit Hunderten Migranten an Bord. Damals ließ der rechte Innenminister Matteo Salvini das Boot nicht in Italien anlegen, weshalb es nach Spanien ausweichen musste.

Druck aus Italien – Bremer Rettungsschiff verliert Flagge

Das Schiff Aquarius, das gerade an einem Hafen anliegt

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 7. Dezember 2018, 6 Uhr