Selbsttest: Was taugt die Fahrplaner-App des VBN?

Viele Pendler fahren täglich aus Niedersachsen nach Bremen und umgekehrt. Eine App des VBN möchte es Bus- und Bahnfahrern einfacher machen. Doch hält das Angebot, was es verspricht?

Eine Frau nutzt die VBN-App "Fahrplaner" an einer Straßenbahnhaltestelle.
Für spontane Fahrten mit Bus und Bahn ist die App gut geeignet – insbesondere, wenn man genauso chronisch ohne Bargeld unterwegs ist, wie ich.

Stockfinstere Nacht in einem kleinen Ort in Niedersachsen. Mein Wecker schrillt. Es ist 4 Uhr früh. Wenn ich um 6.30 Uhr in Bremen auf der Arbeit sein möchte, muss ich früh raus. Zumindest, wenn ich die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen will. Meine erste Station nach Zähneputzen, Anziehen, Kaffeekochen und Losstolpern: die Bushaltestelle. 

Da ich nur gelegentlich mit Bus und Bahn pendele, stehe ich mitten in der Pampa morgens um 4.57 Uhr vor einem Problem. Wo jetzt das Tagesticket für den Weg nach Bremen und zurück herzaubern?

Was ist neu?

Das soll mit neuen Funktionen der App "Fahrplaner" des Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen (VBN) möglich sein. Mit ihr können Pendler Tickets direkt auf ihrem Smartphone kaufen, erklärt VBN-Pressesprecher Eckhard Spliethoff. 

Und das nicht nur für den VBN sondern auch außerhalb des Verkehrsverbundes. Für den Weg von Niedersachsen nach Bremen muss ich als übermüdeter Pendler also nicht mehr das Busticket beim Fahrer lösen, um mich am Bahnhof eine Viertelstunde mit dem Fahrkartenautomaten herumzuschlagen, bis ich endlich das Tagesticket für Erwachsene in den Händen halte. All das bevor der erste Zug um 5.35 Uhr abgefahren ist.

Was hat sich verbessert? 

Mit der App ist der Ticketkauf in nur wenigen Klicks erledigt. Alle Ticketoptionen werden übersichtlich unter der Verbindung angezeigt. So geht der Kauf von zuhause schnell noch während des Kaffeekochens oder aber beim Warten an der Bushaltestelle. Vorausgesetzt an besagter Bushaltestelle gibt es eine stabile Internetverbindung und das eigene Datenvolumen ist nicht aufgebraucht.

Als Zahlungsmethode bietet die VBN laut Spliethoff Lastschriftverfahren, Paypal oder aber die Kreditkartenrechnung an. Akzeptiert werden die Kreditkarten Visa, Mastercard und American Express. "Die Eingaben werden verschlüsselt übertragen. Außerdem werden sie gemäß der Bestimmungen der Datenschutzgrundverordnung gespeichert und aufbewahrt", sagt Spliethoff. Durch die Verschlüsselung sei die Datensicherheit gegeben. Der Zahlungsdienstleister für alle drei Zahlarten ist "LogPay", der laut Spliethoff einer der führenden Anbieter in der Verkehrsbranche ist.

Der Ticketkauf ist für mich bequemer geworden: Durch die App muss ich nicht an mehreren Stellen verschiedene Karten kaufen, sondern habe sie alle an einem Ort. Und in dem Gerät, dass ich sowieso die meiste Zeit mit mir herumschleppe. Das spart Zeit.

Welche Schwierigkeiten gibt es?

Ein Mann nutzt an einer Straßenbahnhaltestelle in Bremen die VBN "Fahrplaner"-App.
Zeitkarten kann man mit der VBN-App allerdings noch nicht kaufen (Symbolbild).

Jedoch gibt es auch Fallstricke. Es können zum Beispiel noch nicht alle Tickets über die App erworben werden. Wenn ich mich dazu zwingen möchte, die ganze Woche früh aufzustehen und mit Bus und Bahn zu fahren, kaufe ich eine Wochenkarte. Die bekomme ich jedoch immer noch nur am Automaten.

Wir haben zunächst mit dem Einzelkartenbereich begonnen, da Nutzer hier am ehesten Schwierigkeiten beim Erwerb von Fahrausweisen haben – zum Beispiel, weil sie nicht wissen, welche Tarife wo gelten. Damit sehen wir in diesem Bereich den größten Mehrwert. Wir arbeiten aber daran, unser Angebot für das Handyticket ständig auszuweiten und planen mittelfristig auch Angebote für den Zeitkartenbereich.

Eckhard Spliethoff, Sprecher des Verkehrsverbundes Niedersachsen/Bremen

Weitere Probleme können ganz banal sein: Schließlich kann auch die schönste Technik mal versagen. Wenn das Internet bei mir mitten in der Nacht, mitten auf dem Land zu schlecht ist, um an der Bushaltestelle ein Ticket zu kaufen, muss ich es trotzdem beim Fahrer lösen.

Tja, und wenn mein Handyakku leer ist, dann gilt die Fahrt bei einer Kontrolle als Schwarzfahrt – selbst wenn ich das Ticket gelöst habe. Wobei ich Pechvogel dann laut Spliethoff innerhalb von sieben Tagen die Möglichkeit hätte, mein gelöstes Ticket bei der Verwaltung des VBN vorzuzeigen. Mit dem Ergebnis, dass sich meine Strafe um sieben Euro verringert.

Übrigens: Einfach einsteigen, losfahren und erst ein Ticket kaufen, wenn der Kontrolleur schon vor mir steht, geht auch mit der App nicht. Jedes Ticket hat unter anderem einen Zeitstempel und muss vor Antritt der Fahrt gekauft sein, damit es gültig ist, erklärt Spliethoff.

Fazit:

Besonders für Pendler wie mich, die nur gelegentlich Bus und Bahn für ihre Wege nutzen, kann die App "Fahrplaner" das Leben erleichtern. Sie ist einfach zu bedienen und ich trage meinen Fahrkartenautomaten quasi bei mir in der Tasche, ohne erst ewig anstehen zu müssen.

Für Pendler, die ausschließlich mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sind, ist die App nicht geeignet, da in ihr (noch) keine Zeitkarten gekauft werden können. Für das Wochenticket muss ich nach wie vor am Schalter oder Automaten der Deutschen Bahn anstehen. Inklusive unterdrücktem Fluchen über den Automaten, der mir den passenden Tarif nicht verrät und hektischer Flecken im Gesicht, weil der Zug bereits am Gleis steht. Ganz zu schweigen von den fünf Menschen hinter mir, die bereits ungeduldig vor sich hin seufzen.

Außerdem empfiehlt es sich bei den elektronischen Tickets, immer eine Powerbank und ein Ladekabel im Gepäck zu haben. Und die Option, mehr Datenvolumen bei seinem Anbieter zu buchen. Denn ohne Internet nützt auch die schönste Fahrkarten-App nichts.

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  • Lina Brunnée

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 12. April 2019, 23:30 Uhr