Apassionata in Bremen: Tierschützer kritisieren Pferdeshow

Ein Tierschützer meint, die Pferde bei Apassionata seien gestresst und hätten zu wenig Auslauf. Doch was wollen Pferde wirklich? Ein Experte räumt mit Klischees auf.

Freiheitsdressur bei Apassionata: 10 Pferde auf der Bühne.
Die Pferdeshow Apassionata gastiert in Bremen. Bild: Apassionata World GmbH

Zu wenig Auslauf und zu viel Stress – viele Tierschützer halten Showauftritte von Tieren für Quälerei. In Bremen haben jetzt einige von ihnen vor der ÖVB-Arena protestiert. Grund ist die Pferdeshow Apassionata.

Tierschützer Peter Hübner hat sich das Programm selbst angeschaut und festgestellt: "Ich habe die Pferde beobachtet, viele legen die Ohren an oder drehen ihre Augäpfel nach hinten weg. Das ist ein Zeichen für Panik." Seiner Meinung nach gibt es eine zu harte Dressur, die Pferde hielten ihre Köpfe stark an den Körper gepresst. Das lasse auf eine "Rollkur" schließen. Bei der Rollkur zwingt der Reiter das Pferd, seinen Hals stark zu überdehnen. Tierschützer kritisieren die Methode, weil es für das Pferd eine ungesunde Haltung sei, die oft auch noch gewaltsam herbeigeführt wird.

"Wir wollen nicht den Willen der Pferde brechen"

Laut Stephanie Kannt, Pressesprecherin von Apassionata World, wird die Rollkur nicht angewendet. "Wir wollen nicht den Willen der Pferde brechen. Manchmal kann der Eindruck entstehen, dass die Pferde ihren Kopf zu nah am Körper halten, denn wir haben viele barocke Pferderassen mit kräftigen Hälsen dabei." Für die Showreiter, die bei Apassionata arbeiten, sei es aber wichtig, ein glückliches, ausgeglichenes Pferd zu haben, um das Programm überhaupt liefern zu können.

Ein Mann mit einem blauen Kapuzenpulli schaut in die Kamera.
Tierschützer Peter Hübner möchte Besucher der Pferdeshow sensibilisieren.

Hübner bezweifelt jedoch, dass die Tiere, die an 28 Wochenenden im Jahr unterwegs sind, sich tatsächlich so wohlfühlen. "Im Transporter haben die Pferde sehr wenig Bewegungsfreiheit, und in den Zeltställen stehen sie auf Beton. Der ist zwar mit viel Stroh überdeckt, aber es ist immer noch ein harter Boden", meint der Tierschützer. Doch er lenkt auch ein:

Ich unterstelle, dass die Leute ihre Tiere lieben, sonst könnte man so etwas gar nicht machen. Aber die kommerzielle Nutzung von Tieren sollte unterbunden werden.

Peter Hübner, Tierschützer

"Pferde fühlen sich wohl, wenn sie 12 bis 16 Stunden fressen können"

Während der Showsaison von Oktober bis Juni leben die Tiere zwischen den Auftritten an den Wochenenden in zwei Zwischenställen. Einer davon liegt in Korschenbroich bei Düsseldorf, der andere in der Nähe von Kassel. In den Zwischenställen sind die Boxen größer als in den Zelten. Dort verbringen die Pferde laut Kannt jedoch auch viel Zeit auf Weiden und Paddocks.

Blick in einen Pferdestall in einem Zelt.
In den Zeltställen sind die Pferdeboxen drei mal drei Meter groß. Großpferde haben sechs mal drei Meter Platz.

Dietbert Arnold, Sachverständiger für Pferdehaltung in Bremen, kann zwar keine Angaben zur Haltung bei Apassionata machen. Generell sei aber das richtige Futter und seine Darreichungsform sehr wichtig für Gesundheit und Wohlergehen von Pferden. "Pferde fühlen sich wohl, wenn sie zwölf bis 16 Stunden am Tag fressen können. Von seiner Anatomie und Physiologie her ist das Pferd aufs Dauerfressen eingestellt. Die Bewegung ist dem untergeordnet." Arnold hält pauschale Zielsetzungen wie eine oder zwei Stunden Bewegung durch Reiten pro Tag deshalb nicht für zielführend. Vielmehr sei es wichtig, genügend Auslauffläche mit dem richtigen Futter zur Verfügung zu stellen.

Pferde regieren dann aggressiv, wenn ihre Grundbedürfnisse nicht beachtet werden. Das sind etwa zwölf bis 15 Kilogramm Rauhfutter, also Heu und Stroh, am Tag. Während des Fressens brauchen sie Bewegung auf einer Weide oder im Winter in einem Paddock, auf Sand. Wenn das gegeben ist, sind Pferde völlig entspannt und können auch Leistung bringen.

Dietbert Arnold, vereidigter Sachverständiger für Pferdezucht und -haltung

"70 bis 80 Prozent der Showpferde haben Magengeschwüre"

Laut Arnold liegen die größten Herausforderungen beim Tierschutz heute bei Ernährung und Haltung. Viele Tiere, vor allem Show- oder Turnierpferde, bekämen zu viel Kraftfutter. "70 bis 80 Prozent der Showpferde leiden heute unter Magengeschwüren." Weitere Erkrankungen seien Kolik, Diabetes oder Hufrehe. Auch sie würden durch falsche Ernährung hervorgerufen.

Ein schwarzes Pferd streckt seinen Kopf unter einer Zeltplane hervor.
Von Oktober bis Juni sind die Showpferde auf Tour.

Die Pferde im Programm von Apassionata bekämen schon durch ein tägliches freies Training Auslauf. Von montags bis freitags leben die Tiere in den beiden Zwischenställen des Unternehmens. "Dort verbringen sie viel Zeit auf den angrenzenden Paddocks oder Weiden", sagt Pressesprecherin Kannt. Nach der Erfahrung von Pferde-Experte Dietbert Arnold ist es jedoch häufig so, dass Show- und Turnierpferde nicht sehr viel draußen gehalten werden. "Sie sollen ja kein Winterfell bekommen oder sich verletzen."

Tierschützer kritisieren Pferdeshow Apassionata

Ein Protest-Schild gegen das Apassionata.
  • Verena Patel

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 27. Dezember 2017, 19:30 Uhr